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„Die Comedy Falle“ : Auch im Knast bitte lächeln!

  • -Aktualisiert am

„Kamera-Opfer”: Christoph Maria Herbst als „Stromberg” Bild: Pro Sieben

Eine Kalaschnikow im Kofferraum: Für den Schauspieler Christoph Maria Herbst hatte sich die Redaktion der Sat.1-Sendung „Die Comedy Falle“ etwas Besonderes einfallen lassen. Warum die Folge trotzdem nicht gesendet werden soll.

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          Ist natürlich immer die Frage: was ist lustig? Ist es lustig, wenn man jemanden in einem ehemaligen Ostblockland damit hereinlegt, daß man eine Polizeikontrolle vortäuscht, bei der pornographisches Bildmaterial sowie eine Kalaschnikow bei ihm gefunden werden? Ist es lustig, wenn man ihn dann mit bewaffneten Polizisten auf eine Wache eskortiert? Ihn dort verhört und schließlich in eine Zelle sperrt?

          Die Macher der Sendung "Die Comedy Falle" finden das lustig. Sie haben zwei deutsche Schauspieler, die auch Komiker sind und sich deshalb für dieses Versteckte-Kamera-Format wohl anzubieten scheinen, auf diese Weise in Prag hereingelegt: Rick Kavanian, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Bully, und Christoph Maria Herbst, der für seine Rolle in "Stromberg" eben den Bayerischen Fernsehpreis bekam.

          Krank

          Die beiden drehten im Frühjahr in Prag den Kinofilm "Hui Buh", in dem Christoph Maria Herbst die Hauptrolle spielt. An einem seiner wenigen freien Tage bat ihn sein Produzent, der für die "Comedy Falle" als Lockvogel fungierte, doch bitte ein Vorabinterview mit einem Journalisten der Filmzeitschrift "Cinema" zu machen. Herbst sagte zu. Er dachte sich nichts dabei, als ihn ein anderer Chauffeur als sonst abholte, um ihn zum Set zu fahren, wo das Interview stattfinden sollte. "Pjotr, Vaclav ist krank", stellte sich der in tschechisch gefärbtem Deutsch vor und drückte ihm einen braunen DIN-A5-Umschlag in die Hand: "Für Cinema Produktion" stand darauf.

          Gut, dachte sich Herbst, den solle er wohl dem Journalisten geben. Er wurde auch nicht mißtrauisch, als sie auf dem Weg in eine Polizeikontrolle kamen und rechts herangewunken wurden. Polizeikontrollen schienen ihm in Prag ohnehin öfter durchgeführt zu werden als bei uns, die tschechischen Polizisten in ihren dunkelblauen Uniformen, mit Schlagstock und Pistolen im Halfter, gehören zum normalen Straßenbild.

          Allein

          Um eine Geschichte, die noch ziemlich abstrus werden wird, am Anfang zügig und unter Auslassung einiger weiterer Verwicklungen zu erzählen: Der Fahrer mußte die Papiere zeigen, die natürlich ungültig waren. Herbst verstand nicht, was Fahrer und Polizist miteinander sprachen, aber es schien ernst zu sein, und nach hitziger Diskussion wurde der Fahrer abgeführt und mit einem Polizeiwagen weggefahren. Zurück blieb Christoph Maria Herbst. Und der Polizist.

          Herbst mußte seinen Ausweis zeigen. Der nicht gültig, sagte der Polizist. Warum nicht? Schwarzweißfoto nicht zugelassen. Aha, sagte Herbst, wohl eine neue EU-Richtlinie, die die Tschechei als erstes Land umsetzt? Der Polizist sah nicht aus, als sei er zu Scherzen aufgelegt. Er zeigte auf den braunen DIN-A5-Umschlag. Was da drin? Der gehöre ihm nicht, sagte Herbst. Aufmachen! Zum Vorschein kamen pornographische Bilder von Frauen, offensichtlich aus dem Internet heruntergeladen. Was das? Das wisse er nicht, sagte Herbst, er sehe das auch zum ersten Mal. Aussteigen! Der Polizist schien nun richtig ernst. Kofferraum auf! Das sei nicht sein Auto. Auf! Im Kofferraum lag etwas, das in Gardinenstoff gewickelt war. Was das? Das wisse er nicht, sagte Herbst und weigerte sich, es auszupacken. Schließlich nahm der Polizist selbst das Bündel heraus - und zog eine Kalaschnikow daraus hervor, die eingeklappt gewesen war und die er nun auseinanderklappte.

          Verdächtig

          Eine Kalaschnikow. Im Kofferraum des Wagens, in dem Herbst saß. Der kein Tschechisch sprach. Sein Handy nicht dabeihatte. Und dem langsam ziemlich unheimlich wurde. Alles spielte sich in einer Atmosphäre ab, die so ernst und bedrohlich gewesen sein muß, daß Christoph Maria Herbst sagt, er habe sich nur deswegen nicht einfach umgedreht und sei weggelaufen, weil er fürchtete, die würden ihm sonst in den Rücken schießen. Er mußte die Hände aufs Autodach legen, die Beine breitmachen und wurde durchsucht wie ein Verbrecher. Dann wurde er in ein Polizeiauto begleitet, ein Polizist setzte sich neben ihn, ein anderer nach vorne, und er wurde auf eine Wache gebracht. Dort wurde er verhört. Lange.

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