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Deutschlands neue Kinofrauen : Die Nymphen sind verschwunden

Das Lachen klingt härter, die Romantik wirkt weniger süßlich, das Spiel wird aggressiver - aus Dulderinnen sind Kämpferinnen geworden. Ein Blick auf die neue Generation von Schauspielerinnen im deutschen Film.

          10 Min.

          Hier soll ein Fels der Hoffnung stehen. Hoffnung für den deutschen Film! Und wer wäre hoffnungsvoller, hoffnungsgewisser als die jungen Schauspielerinnen, die jedes Jahr in Schwärmen vor deutsche Kameras drängen, bereit und begierig, das nächste Kinowunder aus deutschen Landen in die Welt zu schicken? Wenn man nur lange genug hinschaut, wie es unsere Kulturpolitiker und Branchenkönige gewohnheitsmäßig tun, sieht man dieses Wunder längst schon am Horizont. Wenn man etwas kürzer hinsieht, erblickt man immerhin so etwas wie ein neues Generationenprofil: ein diffuses, aber wirkungsmächtiges Alters-Etwas aus Tönen, Stimmungen, Vorlieben, die niemand so recht beschreiben kann, obwohl sie fast allen gemeinsam sind. Aber bevor wir einen tieferen Blick in diesen Mahlstrom tun, müssen wir noch eine kleine Geschichte erzählen: eine Erfolgsstory aus dem deutschen Film.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Vor neun Jahren, als alle Jungstars unserer Epoche noch viel jünger waren und der Himmel über den Twin Towers noch blau, drehten in und um München drei Nachwuchsschauspielerinnen unter der Regie des Nachwuchsfilmers Dennis Gansel eine deutsche Kinokomödie: „Mädchen, Mädchen“. Es ging, kurz und rüde gesagt, um die Jagd der weiblichen Jugend nach dem ersten Orgasmus, also um eine Story, die Hollywood bereits in zahlreichen Teenagerfilme ausbuchstabiert hatte, bevor sie die deutschen Wald- und Wiesenlandschaften erreichte. Und weil der Großtanker des deutschen Films bis zum heutigen Tag von Männern und großen Jungen statt von Mädchen und Frauen gesteuert wird, war der Mädchenplotte schon eine Jungsplotte unter dem anspruchsvollen Titel „Harte Jungs“ vorausgegangen. Die weibliche Variante, eben „Mädchen, Mädchen“, sollte im Windschatten der erfolgreichen Macho-Version segeln, eine Rechnung, die im deutschen Kino noch seltener aufgeht als im amerikanischen. Diesmal aber klappte alles, und so wurde „Mädchen, Mädchen“ zum Sprungbrett dreier ganz unterschiedlicher, aber gleichwohl sehr typischer deutscher Schauspielerinnenkarrieren.

          Eine Serienrolle nach der nächsten

          Die Mädchen in „Mädchen, Mädchen“ waren zu dritt: eine große Blonde, eine handfeste Brünette und eine kleine Rothaarige. Die blonde Inken, Hauptfigur der Geschichte, wurde von Diana Amft gespielt, die damals fünfundzwanzig war. Vorher hatte sie in zwei Folgen der ZDF-Schnulze „Eine Liebe auf Mallorca“ mitgewirkt, und anschließend bekam sie eine Fernsehserienrolle nach der anderen: „Ein Fall für zwei“ „Das Traumschiff“, „Die Sitte“, „Soko 5113“ und andere mehr. Auch in „Knallharte Jungs“, dem zweiten Aufguss der „Harten Jungs“, durfte sie mitspielen und natürlich in „Mädchen, Mädchen 2 – Loft oder Liebe“. Ihr bemerkenswertester Auftritt war die Rolle der Constance, der Geliebten D’Artagnans, im Jahr 2005 in der französisch-deutschen Koproduktion „D’Artagnan und die drei Musketiere“ neben Emmanuelle Béart und Heino Ferch. Seither machte sie wieder nur Fernsehen: „Utta Danella: Das Geheimnis unserer Liebe“, „Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin“, „Ein Zivi zum Knutschen“ und so fort. In der zehnteiligen Serie „Maja“ hat Diana Amft eine Variation ihrer selbst gespielt: eine junge Schauspielerin, die in einem Café jobbt und davon träumt, entdeckt zu werden. Die Serie lag drei Jahre auf Eis und wurde im Sommer 2008 im Bezahlfernsehen versendet.

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