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Deutscher Regiepreis : Eine Hymne auf Wolfgang Petersen

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Wir hatten ein mehrtägiges Seminar in den End-Siebzigern an der HFF mit ihm. Er probte und inszenierte eine Münchner „Tatort“-Szene mit uns. Wir erlebten damals ja eher deutsche Regisseure, die sich wie Rocksänger benahmen, die sich hinter den Krägen ihrer Lederjacken versteckten und am besten gar nix sagten, introvertierte oder herrische Autorenfilmer, je nachdem (und die ja trotzdem wahrhaftig einige eigenwillige, außergewöhnliche Filme hinkriegten, und wir dachten damals, das müsse in Deutschland genau so sein, auch wenn wir uns vielleicht mit solchen Künstlerposen etwas schwertaten.) Hier bei Petersen sahen wir aber ein völlig anderes Temperament bei der Arbeit. Einen Regisseur, offen, handwerklich orientiert, bemüht, uns ganz einfach beizubringen, wie eine Szene funktionieren könnte, so, dass ihr Rhythmus stimmt, dass die Schauspieler sich entfalten, dass unsere Kamerabewegungen mit dem Timing übereinstimmen. Und dass der Punkt, auf den die Szene zusteuert, trotz aller Details am Ende deutlich sichtbar wird. Es war das Handwerk, das uns total abging. Das Handwerk, das damals in der BRD-Filmlandschaft in Verruf stand. Das Handwerk der Regie, das in den Filmkritiken immer mit einem „nur“ versehen wurde. „Nur gutes Handwerk“ hieß es da immer. Ich weiß, dass mich seine Mischung aus Professionalität, offener Kommunikationsbereitschaft und der Humor beim Inszenieren ungemein beeindruckten. Da war ein vollkommener Gegensatz zum deutschen Film jener Jahre, den wir - ich spreche von meinen Regie-Klassengenossen Max Färberböck, Wolfgang Büld, Michael Zens - sehr kritisch betrachteten. Petersen kam uns sozusagen in unseren Zweifeln am Autorenfilm gerade recht - einerseits. Andererseits war uns aber auch noch gar nicht klar, dass seine Methode, die uns so bescheiden, so klassizistisch, so ergebnisorientiert vorkam, diejenige Methode werden würde, die wir später versuchen würden nachzuahmen, zu verinnerlichen.

Am letzten Abend der Übung damals gab es eine Unterhaltung zwischen Petersen und uns, und ich glaube mich zu erinnern, das „Boot“ war bereits in der Pipeline - und das Geld und die Finanzierungen und seine Mitwirkung als Regisseur, alles stand auf Messers Schneide. Wir waren schwer beeindruckt von der Begegnung, und inzwischen wissen wir ja alle, was es damals für ein Kampf war, wie schwer es für Günter Rohrbach war, überhaupt einen jungen deutschen Regisseur auf den Regiestuhl dieses Riesenprojekts zu hieven. Allerdings, das wissen wir jetzt auch, waren die Querelen um das „Boot“ noch ein säuselnder Morgenwind im Verhältnis zu den Finanzierungsmarathon-Orkanen, die Petersen später in Hollywood bevorstehen würden.

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