https://www.faz.net/-gqz-75grr

Deutscher Regiepreis : Eine Hymne auf Wolfgang Petersen

  • -Aktualisiert am
Wolfgang Petersen (rechts) mit Dominik Graf

Er hat den „Tatort“ zum Blockbuster des deutschen Fernsehens werden lassen. Er hat 1973 in „Einer von uns beiden“ ein herrlich ungeschöntes West-Berlin gefilmt, hat dort Jürgen Prochnow, gemeinsam mit Elke Sommer, Otto Sander, Claus Theo Gärtner und Klaus Schwarzkopf eine kolossal rauhe Gangart gehen lassen, eingeklemmt zwischen einem unvergessen schön kaputten Kreuzberg und dem Zehlendorfer Villenviertel und der Mauer, vor der Prochnow und Gärtner in einem heute noch ziemlich atemberaubenden Auto-Stunt verunglücken. Er hat Homer umgeschrieben, indem er Agamemnon in Troja hat töten lassen und nicht daheim in seiner Badewanne. Und er ist schuld an dem kleinen Dialog des Drehbuchautors Günter Schütter in meinem „Polizeiruf“ namens „Cassandras Warnung“, in dem eine junge Polizistin dringend beweisen will, dass sie auch was von den Figuren der Antike versteht und sagt: „Cassandra ist die Schwester von Brad Pitt.“ Was von Matthias Brandt, ihrem Chef in diesem Film, sofort verbessert wird, nämlich dahingehend, dass Cassandra die Schwester von Orlando Bloom sei. Und dies alles, obwohl Cassandra in „Troja“ gar nicht vorkommt, nicht mal im tollen Director’s Cut - aber weil wir halt so dringend darauf Bezug nehmen wollten!

Der Mann aus dem Nichts

Es war dem deutschen Film der späten Sechziger und frühen Siebziger wahrhaftig nicht anzusehen, dass irgendwo in seiner Mitte langsam, aber allmählich immer unübersehbarer ein späterer Hollywood-Regisseur solcher Größenordnung heranwuchs. Nichts - oder fast nichts - wies darauf hin, dass es bei uns so was wie eine handwerkliche Tradition gab, auf die zurückzugreifen einem jungen Genreregisseur möglich gewesen wäre, als er seine „Tatorte“, seine Thriller, seine Katastrophen- und Kriegsszenarien im deutschen Fernsehen und später im deutschen und internationalen Kino inszenierte. Das Genre an sich war in den Fünfzigern bei uns erst mal mausetot, man musste es neu erfinden, um es wieder zu beleben. Fritz Umgelter versuchte das in den Sechzigern im Fernsehen, Jürgen Roland versuchte es lange Jahre im Kino und war teilweise erfolgreich, Rolf Olsen versuchte es, Wolfgang Staudte versuchte es, Klaus Lemke versuchte es - ließ es bald aber wieder bleiben -, Roland Klick kam schon wesentlich weiter als die anderen bis dahin, aber nur Wolfgang Petersen übersprang die ganz große Höhe, die deutsche Rekord-Stabhochsprung-Latte sozusagen, das Genre und den kommerziellen Erfolg so einzigartig zu verbinden, dass darauf für uns später eine eigene, neue Genretradition stabil zu bauen war.

Weitere Themen

Topmeldungen

Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

Brexit-Liveblog : „Ich habe ein Déja-vu“

Theresa May sorgt für Lacher im Parlament +++ Johnson will vom Letwin-Antrag nichts wissen +++ Hunderttausende Demonstranten in London unterwegs +++ „Super Samstag“ im britischen Unterhaus +++ Alle Infos zur Brexit-Debatte im Liveblog.
Farrow, hier in New York, brachte nach Weinstein CBS-Chef Leslie Moonves und Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman zu Fall.

Ronan Farrow über Weinstein : Missbrauch mit System

Ronan Farrow sorgte dafür, dass der Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wegen sexueller Straftaten vor Gericht kommt. In seinem Buch „Durchbruch“ erzählt Farrow, wie seine Recherche gestoppt werden sollte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.