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Desiree von Trotha gestorben : Durch die Wüsten

Desiree von Trotha Bild: Susanne von Lieven-Jell

Desiree von Trotha hat Filme inszeniert, fotografiert, Bücher geschrieben – immer über das eine Thema: Das Leben in der Sahara. Jetzt ist sie viel zu früh gestorben.

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          Wenn sie dann endlich wieder von sich hören ließ, nach Wochen und Monaten der Unerreichbarkeit, wenn sie neue Fotos schickte, Texte skizzierte, Projekte entwarf – dann durfte man froh und dankbar sein darüber, dass sie überhaupt lebendig zurückgekommen war. Denn Desiree von Tro­tha reiste, seit drei Jahrzehnten, die Hälfte jedes Jahres durch eine Gegend, die mit Wüste nur ungenau beschrieben ist: durch Mali, den Tschad, durch Niger, den Süden Algeriens und Libyens, durch Länder also, in denen IS-Terroristen, Drogenschmuggler, Schleuser und Bürgerkrieger sich von einer blonden Frau mit Presseausweis oder Drehgenehmigung nicht beeindrucken ließen; schon gar nicht, wenn diese Frau sich für Geschichten interessierte, die sie nichts angingen, aus der Sicht dieser Männer jedenfalls.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Desiree von Trotha war Filmregisseurin, Fotografin, Schriftstellerin – und in jedem dieser Medien be­herrsch­te sie die Kunst, sich den Menschen in der südlichen Sahara, den Tuareg oder den Bewohnern von Timbuktu zu nähern, ohne deren Eigenart dem hierarchischen Blick der Europäerin zu unterwerfen. Sie hat nie ein Foto ohne das Einverständnis des Fotografierten gemacht; und ihr schöner, lebensfroher Dokumentarfilm „Woodstock in Timbuktu“ lief auf einen großen Protestgesang der Tuareg gegen die Unterwerfung ihrer Kultur unter dem fundamentalistischen Islam hinaus. Es waren Neugier und Sympathie, die sie antrieben; um Buße ging es ihr wohl nicht. Aber als Auftrag und Verpflichtung verstand sie es schon, dass ein Mann aus ihrer Familie der Schlächter der Nama und Herero war.

          Erst vor Kurzem hat das Frankfurter Allgemeine Quarterly Bilder und eine Reportage von ihr veröffentlicht. Jetzt ist sie, viel zu früh, einen Monat vor ihrem sechzigsten Geburtstag an den Folgen eines unglücklichen Sturzes in München gestorben.

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