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Der zweite „Hobbit“ : Auf der Zwerg-und-Tal-Bahn

  • -Aktualisiert am

Bärtige Phalanx: Graham McTavish als Dwalin, Ken Stott als Balin, Martin Freeman als Bilbo Beutlin, Richard Armitage als Thorin Eichenschild und William Kircher als Bifur (von links nach rechts) Bild: Warner Bros

Der zweite „Hobbit“-Film „Smaugs Einöde“ schüttelt Mittelerde heftig durch. Der Film trumpft nicht nur mit 3-D-Effekten auf, sondern punktet auch mit ungewohnter Komik.

          Es gibt Filme, die gehören zu Weihnachten wie Tannenbaum und Lebkuchen. „Die Feuerzangenbowle“, „Oliver Twist“, vor allem aber die Sissi-Trilogie. Ihre nostalgietrunkene Langatmigkeit passt wunderbar zur wohlig erschöpften Feststimmung, ist wie gemacht für den sonderbaren inneren Schwebezustand „Zwischen den Jahren“. Seit 2003 zählt Peter Jacksons wundersame Reise durch Mittelerde, der Tolkien-Dreiteiler „Herr der Ringe“, zum Jahresendritual. Und seit 2012 strebt „Der Hobbit“, ebenfalls nach Tolkien, dem gleichen Rang zu.

          Heute feiert Teil zwei, „Smaugs Einöde“, termingerechte Kinopremiere. Sie hebt, wie es sich gehört, mit Wiedererkennen an: Wir sitzen im „Tänzelnden Pony“, jenem Tolkien-Fans vertrauten Wirtshaus in Bree, der kuscheligen, vorwiegend von den kleinwüchsigen Hobbits bewohnten Grenzstadt. Prasselndes Kaminfeuer, Balkendecke, schummriges Kerzenlicht, derbe Holztische, deftiges Essen, schäumendes Bier – wir sind zwischen den Zeiten, irgendwo, irgendwann, jedenfalls weit weg vom kalten computerisierten Heute.

          Das Wir ist wörtlich zu nehmen. Denn sofort trumpft der Film mit 3-D-Effekten auf – ein Gast scheint so dicht vorbeizugehen, dass man unwillkürlich die Füße unter den Kinositz zieht. Gleich darauf stößt die Nasenspitze eines Edelgesichtigen nach vorn, so dass jeder sehen kann, wie gehetzt und verstohlen seine Blicke durch den Raum gleiten. Zu Recht, denn oft ist im Pony Gemütlichkeit nur Verpackung – hier verkehren Grenzgänger, drücken sich zwielichtige Gestalten in Ecken, lauert Gesindel, lauschen Spione.

          Der zweite Teil einer Trilogie ist immer eine Brücke – die Zwerge überqueren sie tapfer und im Geschwindschritt

          Die Kamera zaubert als Verbündeter der Geschichte jenes unterschwellige Grauen ins qualmerfüllte Raunen, das in Tolkiens Erzählungen geistert. So erschrickt man genauso wie der Fremde – Eingeweihte wissen schon, dass es Thorin ist, der das Zwergenreich seiner Väter wiedergewinnen will –, als wie aus dem Nichts sich eine vermummte Gestalt mit Schlapphut an den Tisch setzt. Schwenk – und wir erkennen „Gandalf den Grauen“, jenen Magier, der im „Herrn der Ringe“ wesentlich zur Rettung Mittelerdes vor dem „dunklen Herrn“ beiträgt.

          Mit Zottelhaar, pechschwarz gerandeten Fingernägeln und verdrecktem Gesicht (wieder sind die Masken- und Kostümbildner Meister) lässt Ian McKellen, der Shakespeare-Spieler, in der Märchengestalt des ewigen Wanderers einen Lear durchscheinen. Großartig auch Martin Freeman als Titelheld. Sein Bilbo Beutlin ist nicht nur der freundliche Hobbit, in dem romangetreu die Kraft des teuflischen Rings, den er an sich gebracht hat, dunkle Seiten aufkeimen lässt. Freemans sympathisch schlitzohriger Winzling schwankt von Natur aus zwischen Loyalität und Ich-Sucht, Odysseus und Schwejk.

          So sind seine besten Szenen denn auch die, in denen er als neuer Chaplin aus einem Mammutbaum von Ast zu Ast nach unten fällt, das Gesicht ein einziges, verwundert beleidigtes „Wieso ich?“. Oder wenn er auf der Flucht vor dem Drachen Smaug in den Felsenhallen des Berges Erebor durch Goldmünzenhügel hastet, vergeblich – Dagobert Duck würde grün vor Ärger über den Tölpel – nach dem rettenden Kristall haschend; Chaplin, der in „Modern Times“ zwischen rasenden Zahnrädern um Geld und Leben rennt.

          Regisseur Peter Jackson (links) bei Dreharbeiten für den neuen Hobbit

          Lächeln, zuweilen sogar lautes Gelächter, ungewohnt bei Tolkien-Jackson. Zum Beispiel, wenn Bilbo über die eigenen Füße stolpert (man sucht unwillkürlich das Stöckchen) oder wenn sich die strammen Zwerge, einer könnte ein Zwilling von Obelix sein, in Weinfässer zwängen. Es folgt eine der atemberaubendsten humorigsten Verfolgungsjagden der jüngeren Filmgeschichte: Minutenlang sausen Thorin, seine zwölf Gefährten und Bilbo, die von Waldelben gefangen worden sind, durch Wildwasser, Wasserfälle, den Pfeilhagel der edlen Elben und den Axtregen der grausigen Orks. Das springt, taumelt und rotiert, schäumt, kracht, schlägt Salto mortale und dreht Wackelpirouetten, bietet das schrägste Nichtschwimmergezappel, die brodelndsten Unterwasseraufnahmen und waghalsigsten Jonglagen. Zwerge sirren von Fass zu Fass, Elben balancieren auf Schwertklingen, Orkschädeln und Zwergenhelmen, dass einem vor Vergnügen schier schwindlig wird (und man erst später bemerkt, dass einem die 3D-Sensation einen abgeschlagenen Orkkopf in den Schoß hat plumpsen lassen).

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