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Nick Nolte wird 80 : Versagen als schöne Kunst

Nick Nolte auf dem Sundance Film Festival 2015 in Utah Bild: AP

Hundefutter und Haare wie ein Wischmopp: Nick Nolte wollte sich mit dem bequemen Leben eines Millionärs nie abfinden. Ein Glückwunsch zum 80.

          2 Min.

          Nick Nolte war von Anfang an eine verführerische Figur – wer das Glück hatte, im richtigen Alter, also möglichst vor dem 21. Geburtstag, die Fernsehserie „Reich und arm“ zu sehen (und vermutlich half es, wenn man männlich war; ganz sicher ist das aber nicht) – der fand sich selbst mitsamt all seinen Plänen für Zukunft und Karriere von Nick Nolte noch einmal grundsätzlich in Frage gestellt. Die Serie erzählte von zwei Brüdern aus einfachen Verhältnissen, von denen einer sehr fleißig und strebsam ist und am Ende sogar Senator wird. Der andere war Nick Nolte: kein Rebell, nur ein Mann, der nicht heucheln und nicht schmeicheln kann. Und der sehr empfindlich reagiert, wenn ihn jemand herumschubsen will. So geht er schließlich unter: ein amerikanischer Held. „Was den amerikanischen Erfolg ausmacht, ist das amerikanische Versagen“, hat Gertrude Stein einmal geschrieben. Als hätte sie dabei an Nick Nolte gedacht.

          Claudius Seidl

          Redakteur im Feuilleton.

          Natürlich wollte man sich als jugendlicher Zuschauer mit Nolte identifizieren; und natürlich identifizierte man zugleich Nick Nolte mit der Rolle – was eigentlich ein Fehler ist und im Fall Noltes nur angemessen war. In Paul Mazurskys herrlicher Komödie „Zoff in Beverly Hills“ spielte er mit großer Lust einen Penner. Und genau so, verwahrlost und mit Haaren wie ein Wischmopp, soll er ausgesehen haben, als ihn im September 2002 die Polizei anhielt, weil er offensichtlich mit zu viel Alkohol und Drogen im Blut am Steuer seines Autos saß. Im selben Film wird er gefragt, wie er zum Penner geworden sei. Eine lange Geschichte sei das, antwortet er; sie habe damit angefangen, dass er gefälschte Wehrpässe verkauft habe und dafür verurteilt worden sei. Später sei er, als erfolgloser Schauspieler, jahrelang durch ganz Amerika getrampt.

          Und genau das war es, was Nick Nolte tatsächlich tat und erlebte in den Sechzigern; er war fast 35, als aus diesem Leben endlich eine Karriere wurde. Eine große allerdings. Bette Midler, so erzählt man sich in Hollywood, habe Noltes Interpretation des method acting verabscheut: Die Rolle des Penners nahm er so ernst, dass er tagelang nicht duschte und Hundefutter aß.

          Man unterschätzte Nolte, wenn man ihm unterstellte, er könne nur sich selber spielen. Aber Präsenz und voller, riskanter körperlicher Einsatz liegen ihm mehr als Mimikry – auch wenn es Kritiker gab, die fanden, in Scorseses „Kap der Angst“ habe Nolte dem Kollegen De Niro die Schau gestohlen.

          Aus der Ferne sieht es so aus, als ob Nolte aber nur dann bei sich war, wenn er spielte, Filme drehte – ein bequemes Leben als Hollywood-Millionär langweilte ihn so sehr, dass er davon Durst auf zu viel Whisky bekam. Heute wird er achtzig. Ein Überlebender. 

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