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Der Satiriker Gerhard Polt im Gespräch : Hitler war ein Namenschlecker

„So ein Tschapperl wie die Eva Braun kann in Deutschland nur Gisela Schneeberger spielen.“ - Sagt Gerhard Polt über seine Film gewordene Hitler-Obsession an seinem Münchner Stammtisch Bild: Dominik Gierke

Bald kommt nach zehn Jahren Pause Gerhard Polts neuer Film „Und Äktschn!“ ins Kino. Im Zentrum der „Führer“, ganz privat. Berge von Material habe er vor Drehbeginn dafür durchgeackert, sagt Polt - und hofft, dass dies zu etwas nutze war.

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          Zehn Jahre nach „Germanikus“: Herr Polt, warum haben Sie sich das noch einmal angetan, einen Film zu stemmen?

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Es ist der größte Aufwand, den es gibt, aber ich war überzeugt: Diese Geschichte braucht einfach einen Kinofilm. Und wenn ich sage Kino, dann meine ich das nicht nur wegen der breiten Leinwand, sondern wegen der Art, wie beim Film gearbeitet wird - konzentriert und präzise, eine Art, die beim Fernsehen fast nicht vorhanden ist.

          Ist der Unterschied bei den Dreharbeiten tatsächlich so groß?

          Es gibt auch präzise Fernsehfilme, aber das Erlebnis einer Kinovorführung bleibt trotzdem ein anderes als vor dem Fernseher. Ich empfinde das als eine ungemeine Barbarei: Ich schaue mir einen schönen Film an, und - auch wenn er nicht schön ist - kommt auf einmal Werbung. Es ist natürlich inzwischen auch im Kino anders. Ein Trailer nach dem anderen, eine halbe Stunde nur Vorfilm, da bist du schon geschmissen. Da braucht man eine gute Konstitution, um den Hauptfilm überhaupt noch auszuhalten.

          Und dann kommt auch noch eine Pause.

          Genau, dann kommt wie früher der Jopa-Eismann und stört das cineastische Spektakel . . .

          ***

          Eine ältere Frau, Besucherin des Wirtshauses, nähert sich dem Stammtisch und spricht Polt an:

          Sie, mir fällt Ihr Name nicht mehr ein.

          Polt heiß’ ich, immer noch. Gell, jetzt, wo ich es sage, fällt er Ihnen ein.

          Ja mei, genau. Auf der Toilette ist er mir auch nicht eingefallen, deswegen bin ich extra noch hierher gegangen.

          Es ist auch nicht schlimm, wenn Sie ihn wieder vergessen. Wenn wir uns wiedersehen, sage ich ihn Ihnen wieder.

          Die Frau geht ab.

          ***

          ... Wir waren bei der Motivation.

          Genau. Ich mache ja nicht einen Film, um einen Film zu machen. Ich muss an die Geschichte glauben, ich muss wissen, wer wen verkörpert: Mein Konzept funktioniert nur, wenn bestimmte Leute mitspielen, Nikolaus Paryla, die Schneeberger. Ohne Gisela Schneeberger kann ich das gar nicht machen, denn ich wüsste keine deutschsprachige Schauspielerin, die mir in dieser heiklen Rolle Eva Braun spielt.

          „Germanikus“ ist bei ähnlicher Konzeption trotzdem nicht gut angekommen.

          Nein, der ist nicht angekommen.

          Noch mal die Frage: Warum tun Sie sich das an - allein die Finanzierung ist doch eine Riesenaufgabe?

          Vielleicht ist es der letzte Film von mir. Und man muss eines sehen: Ich bin nicht der Mensch, der sagt - „überhaupt nie mehr“. Nur weil ich eine Niederlage erlitten habe. Ich muss allerdings sagen - und das nicht, weil ich die Schuld von mir abwälzen möchte -, beim „Germanikus“ gab es eine Reihe von unglücklichen Umständen, die am Ende zu einem Film führten, den ich nicht wollte.

          Nämlich?

          Der Film fiel mitten in die Kirch-Pleite. Er ist mehrmals von verschiedenen Leuten geschnitten worden. Damit war er mir aus der Hand genommen. Mein ursprünglicher Produzent war pleite, das war ein Desaster. Da müsste man klagen, und wenn du den Dampf hast, dann kannst du zehn Jahre prozessieren.

          Von welchem Budget reden wir denn?

          Ungefähr wie ein „Tatort“.

          Also eine gute Million Euro?

          Unter zwei. Also für einen Kinofilm im unteren Bereich.

          Wie viele Zuschauer muss „Und Äktschn!“ haben?

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