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Zum Tod von Carl Reiner : Zwei Seelen fürs Kino

Ein Könner des Kinos: Carl Reiner bei der Oscar-Zeremonie im Jahr 2010 Bild: Reuters

Carl Reiner kam von den Broadway-Bühnen über das frühe amerikanische Fernsehen zum Hollywoodkino. Diese künstlerischen Erfahrungen sah man seinen Filmen an. Und das war auch gut so.

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          In Steven Soderberghs Film „Ocean’s Eleven“ spielt der knapp achtzigjährige Carl Reiner den Kleinganoven Saul Bloom, der von George Clooney und Brad Pitt aus seinem Ruhestand in Florida geholt wird, um der Bande von Danny Ocean bei ihrem Überfall auf drei Casinos in Las Vegas zu helfen. Bloom soll für die Bande einen russischen Waffenhändler verkörpern, der einen Koffer voller Sprengstoff in den Tresor der Casinos einschmuggelt. Er lernt, mit Akzent zu sprechen und sich im dunklen Anzug mit Seidenkrawatte zu bewegen. Aber dann kommt Bloom seine Vergangenheit in die Quere. Als er mit dem Casinodirektor auf dem Weg zum Tresor ist, ruft jemand seinen Namen. Es ist ein Kumpel aus alten Spielertagen, und man spürt, dass Bloom den Mann erkennt. Aber sein Gesicht zeigt keine Regung. Nur sein Körper versteift sich unwillkürlich für eine Sekunde. Der Kumpel wird abgeführt. Der Koffer kommt in den Tresor. Der Plan geht auf.

          Mit Mel Brooks bildete er ein Komikerteam

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Carl Reiner hatte eine große Vergangenheit hinter sich, als er als Nebendarsteller in Soderberghs Ocean-Trilogie und danach sogar noch in dem Spin-Off „Ocean’s 8“ von Gary Ross auftrat. In der New Yorker Bronx als Sohn eines jüdischen Uhrmachers aus Österreich geboren, hatte er sich im Zweiten Weltkrieg seine ersten Sporen als Truppenunterhalter an der Pazifikfront verdient. Danach ging er an den Broadway, wo er in mehreren Musicals mitspielte, und zum gerade aufblühenden Fernsehen. Als ständiger Gast in Sid Caesars Variety-Show lernte er Mel Brooks kennen, der für Caesar die Sketche schrieb, und bald waren die beiden ein Team.

          Zuerst traten sie gemeinsam in der „Steve Allen Show“ auf, dann schufen sie mit „2000 Year Old Man“ ihr eigenes Comedy-Format. Die beiden waren umwerfend, weil es Brooks nie gelang, den eleganten Reiner aus der Reserve zu locken, und dieser seinerseits kein Mittel fand, Brooks’ überschäumendes Gebabbel zu unterbrechen. Der Zweitausendjährige und sein Partner wurden eine Marke im Amerika der sechziger Jahre, heute würde man sagen: Sie gingen viral.

          Vergoldete Erinnerung: Carl Reiners Stern auf dem Walk of Fame am Hollywood Boulevard in Los Angeles
          Vergoldete Erinnerung: Carl Reiners Stern auf dem Walk of Fame am Hollywood Boulevard in Los Angeles : Bild: AFP

          Zu dieser Zeit lernte Carl Reiner auch, wie man Filme dreht. 1958 hatte er eine dreizehnteilige Familienserie geschrieben, die drei Jahre später als „Dick van Dyke Show“ ausgestrahlt wurde. Reiner firmierte als Produzent, und nachdem die letzte Staffel gesendet war, inszenierte er ein Broadway-Stück, das auf seinem autobiographischen Roman „Enter Laughing“ basierte, für die Leinwand. Der Film war kein Erfolg, aber das Musical, das daraus entstand, lief noch im letzten Jahr in New York.

          Alle diese Erfahrungen als Schauspieler, Autor, Produzent und Regisseur flossen in die drei Spielfilme ein, die Carl Reiner in den achtziger Jahren drehte und für die er unvergessen bleibt: „Tote tragen keine Karos“, „Der Mann mit zwei Gehirnen“ und „Solo für 2“. In allen dreien spielte Steve Martin die Hauptrolle, den Reiner mit „The Jerk“ („Reichtum ist keine Schande“) fürs Kino entdeckt hatte, und wenn man es sich genau überlegt, hat auch Martin seitdem nichts Besseres mehr gemacht.

          Man könnte von einer Trilogie der Täuschungen sprechen, denn in jeder der drei Geschichten geht es um unseren Bilderglauben und darum, wie er düpiert wird: Ein Privatdetektiv schlüpft in die Welt des Film Noir zurück, geht mit Ingrid Bergman tanzen und telefoniert mit Humphrey Bogart; ein Erfinder pflanzt das Gehirn seiner Geliebten in den Körper seiner Ehefrau; ein Anwalt muss seinen Körper mit der Seele einer reichen Erbin teilen. Bei Godard oder Bergman wäre daraus eine todernste Angelegenheit geworden, bei Reiner war es das reine Vergnügen.

          Carl Reiner, dessen Sohn Rob dank „Harry und Sally“ inzwischen berühmter ist als er, hat noch sechs weitere Kinofilme gedreht und Dutzende Rollen gespielt, aber seinen Stern auf dem Hollywood Boulevard hatte er sich längst verdient. Am Montag ist er achtundneunzigjährig in Beverly Hills gestorben.

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