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Film „Kler“ erschüttert Polen : Alle Sünden der Kirche

Selbstherrlich: Janusz Gajos spielt einen Erzbischof, dem nichts heilig ist. Bild: Reuters

Im katholischen Polen beleuchtet der Kinofilm „Kler“ Straftaten des Klerus. Er entfacht eine Debatte über sexuellen Missbrauch, die längst überfällig war.

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          Polen ist eine Filmnation – gerade dann, wenn ein Regisseur seinen Finger in eine offene Wunde legt. Der Großmeister des polnischen Kinos, Oscar-Preisträger Andrzej Wajda, konnte das unter der kommunistischen Diktatur nur sehr leise tun (und wurde vom Publikum dennoch verstanden). Heute dagegen darf und muss ein Filmemacher laut werden, will er gehört werden. Darauf versteht sich der 55 Jahre alte Wojciech Smarzowski, der in Polen gerade einen der größten Kinoerfolge der Nachwendezeit gelandet hat. „Kler“ (Der Klerus) haben binnen fünf Wochen schon mehr als 4,8 Millionen der 38 Millionen Einwohner des Landes gesehen.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Das liegt nicht nur an der Starbesetzung: Janusz Gajos kennen die Polen, seit er im Weltkriegs-Epos „Die vier Panzerfahrer und der Hund“ mitspielte. Robert Wieckiewicz verkörperte in Wajdas „Mann der Hoffnung“ den Arbeiterführer Lech Walessa. Jetzt gibt Gajos einen selbstherrlichen Erzbischof, in dem manche Züge des heutigen Oberhirten von Danzig erkennen, Wieckiewicz einen Dorfpfarrer, der eine Lebensgefährtin hat und dem Alkohol zuspricht. Ein weiterer Geistlicher im Film krankt an Machtgier und will in den Vatikan versetzt werden, der vierte vergreift sich an Kindern.

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