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George Hamilton wird 80 : Böser Beau mit großem Talent

Talent auch für Komödien: George Hamilton in der Rolle des Dracula in „Liebe auf den ersten Biss“ Bild: Picture-Alliance

Als George Hamilton nach Hollywood kam, fuhr er mit einem geliehenen Rolls-Royce vor dem Filmstudio vor. Das Playboy-Image blieb haften, doch der talentierte Schauspieler kann mehr als nur gut aussehen.

          In George Hamiltons Leben gibt es zwei große Dilemmata: Er sieht zu gut aus, um ernst genommen zu werden, und er ist ungefähr eine Generation zu spät geboren. Als er 1958 im Alter von neunzehn Jahren nach Hollywood kam, wollten alle lässig-verwegen sein wie James Dean oder Marlon Brando. Hamilton aber, so erinnert sich Burt Reynolds in seiner Autobiographie, fuhr zur ersten Vertragsverhandlung mit einem geliehenen Rolls-Royce vor. Der Sohn einer Südstaatenschönheit und eines Bandleaders aus Memphis kam hier zu einer Zeit an, als sich die große Studio-Ära dem Ende zuneigte. Zwanzig Jahre zuvor hätte er mit Cary Grant oder David Niven konkurriert, nun setzte er den jungen wilden T-Shirt- und Jeansträgern seinen distinguierten Charme entgegen. MGM nahm ihn trotzdem – oder gerade deswegen – unter Vertrag und verpasste ihm das Image des Playboys.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Unter seinen ersten Filmen waren Juwelen. „Angel Baby“ (1961) etwa, in dem er sich als evangelikaler Pastor in ein stummes Mädchen verliebt und an ihr ein Wunder vollbringt. Hamilton sprüht in der kurzen Szene, in der die Geliebte ihn das erste Mal während einer Predigt entdeckt, nur so vor göttlichem Feuer. Burt Reynolds, der sein Filmdebüt als Freund des Mädchen gab, wirkt dagegen wie ein hölzerner Klotz. Doch solche herausfordernden Rollen waren rar, das Playboy-Image haftete fest. Wenn ihn ein Projekt wirklich interessierte, musste er es selbst produzieren.

          Als Dracula auf der Tanzfläche: Hamilton mit Filmpartnerin Susann Saint James in „Liebe auf den ersten Biss“

          Am erfolgreichsten gelang ihm das mit „Liebe auf den ersten Biss“ (1979), einer Vampirkomödie, die Dracula, enteignet von rumänischen Kommunisten, ins New York der Disco-Ära fliehen lässt. Hamilton nutzte die Chance, um in der Rolle des blutsaugenden Grafen sein Dandy-Image selbstironisch zu persiflieren. Er tut dies, wie er all seine Rollen spielte, mit großem Ernst. Wer sonst hätte als Dracula zu Discomusik Susan St. James über das Parkett wirbeln können, ohne dabei lächerlich auszusehen? (Leslie Nielsen bewies später in Mel Brooks Draculavariante, wie furchtbar das schiefgehen kann.)

          Zwei Mal spielte Hamilton (links) den Mörder in der Krimireihe „Columbo“

          Ernst selbst in der kleinsten Rolle

          Mit dem gleichen Ernst führte Hamilton noch die kleinste Fernsehrolle aus. Wenn sein Name im Vorspann von „Columbo“ (zwei Mal spielte er dort den Mörder) oder dem „Denver-Clan“ zu sehen war, konnte man sicher sein, dass alle ein bisschen konzentrierter bei der Sache waren. Sein Auftritt als intriganter Entführer Joel Abrigore im „Denver-Clan“ war dann gar so überzeugend, dass die Fans ihn auch im echten Leben für seine Fernsehschurkerei auf der Straße angingen.

          Sein Talent aber brachte ihn selten in die Schlagzeilen. Klatschkolumnisten verbreiteten stattdessen genüsslich, mit wem der Hollywood-Beau gerade liiert war. Die Liste reicht vom amerikanischen Geldadel (Wendy Vanderbilt) bis in die höchsten Kreise der Politik (Präsidententochter Lynda Johnson), Wirtschaft (Charlotte Ford) und Hollywoods (Elizabeth Taylor).

          Die Liste der Regisseure, mit denen er arbeitete, ist ähnlich lang. Auf ihr finden sich Woody Allen („Hollywood Ending“, 2002), Vincente Minnelli („Das Erbe des Blutes“, 1960) und Francis Ford Coppola. Als Letzterer ihn anrief, um ihm den Part des Bankiers in „Der Pate III“ anzubieten, legte Hamilton auf, weil er es für einen Telefonscherz hielt. Die Lücke, die Robert Duvall mit seiner Absage an einen dritten Auftritt als Mafiaconsigliere hinterlassen hatte, füllte Hamilton aus, als hätte es nie einen anderen in dieser Rolle gegeben. Heute wird der Mann mit dem makellosesten Teint Hollywoods achtzig Jahre alt.

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