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Ken Loach zum Achtzigsten : Kampf für die Klasse auch an der Kinokasse

  • -Aktualisiert am

Weiß immer, wo er lang will, auch mit achtzig: Ken Loach. Bild: dpa

Gegen den Neoliberalismus wird er Filme machen, solange es die Kraft dieses sanften Radikalen zulässt: Dem kämpferischen britischen Filmregisseur Ken Loach zum achtzigsten Geburtstag.

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          Das Weltbild von Ken Loach kann man gut aus einem kalendarischen Detail erschließen: Bei dem Datum 11. September denkt er nicht zuerst an die Anschläge von New York und Washington im Jahr 2001, sondern an das Jahr 1973, als in Chile die sozialistische Regierung Allende in einem Putsch gestürzt wurde, bei dem die CIA die Fäden zog. Loach hat gegen solche Machenschaften immer darauf vertraut, dass er gleichsam am längeren Faden sitzt: an einem Ariadnefaden durch die Geschichte, den die Arbeiter dieser Welt spinnen. Loach, am 17. Juni 1936 in Nuneaton, Warwickshire, geboren, versteht sich bis heute als Mitglied einer „Arbeiterklasse, die nicht arbeitet“.

          Mit dieser Formulierung reagiert er darauf, dass der englischen Linken spätestens nach der Thatcher-Regierung zunehmend die eigene Klasse abhandenkam. 2001 erzählte Loach dazu eine paradigmatische Geschichte: In „The Navigators“ wird nicht nur die englische Eisenbahn privatisiert. Das Personal wird auch ausgegliedert, die einst stolze Belegschaft eines großen Unternehmens findet sich plötzlich auf Leiharbeiterfirmen versprengt wieder. Unter den Menschen, die sich durch „New Labour“ nicht mehr vertreten fühlen konnten, findet Loach die Figuren für seine Filme. Das sind häufig Sozialdramen, die von großer Intimität leben und in der Darstellung von Problemen manchmal hart zu ertragen sind. Loach erreicht diese Intensität, indem er den Schauspielern das Drehbuch nur sukzessive zur Kenntnis bringt: Sie reagieren in Situationen dann so unmittelbar wie im richtigen Leben.

          Das Profil einer sozialistischen Internationale

          1993 erregte er mit „Ladybird, Ladybird“ bei der Berlinale Aufsehen, weil man im europäischen Subventionskino selten so radikal auf gesellschaftliche Widersprüche verwiesen wird wie in diesem Drama um eine alleinerziehende Mutter, die sich verzweifelt gegen die fürsorgliche Belagerung durch Sozialarbeiter wehrt. Man traut ihr nicht zu, für ihre Kinder zu sorgen, und das mit einigem Recht. Aber darf man sie ihr deshalb auch schon wegnehmen? Im staatlichen Fernsehen konnte Loach in den sechziger Jahren an dieser Methode der individuellen Zuspitzung sozialer Fragen feilen. Zwei seiner besten Filme stammen aus dieser Frühzeit: „Poor Cow“ (1967) und „Kes“ (1969) sind beinahe ethnographisch in ihrer Schilderung jener britischen „working class“.

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          Loach ging es, gemeinsam mit seinem langjährigen Drehbuchautor Paul Laverty, immer mehr um Engagement als um Kunst. Wenn man sich zum achtzigsten Geburtstag seine inzwischen auf fünfzig Titel angewachsene Filmographie ansieht, dann ist deutlich das Profil einer sozialistischen Internationale auszunehmen, die sich auch bestimmter historischer Fixpunkte versichert: an vorderster Stelle der Spanische Bürgerkrieg („Land and Freedom“, 1995), aber auch die sandinistische Revolution in Nicaragua („Carla’s Song“, 1996) und immer wieder der irische (antiimperialistische) Freiheitskampf („The Wind That Shakes the Barley“, 2006).

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          Ein sanfter Radikaler

          Vor zwei Jahren wurde Ken Loach bei der Berlinale mit einem Goldenen Bären für sein Lebenswerk ausgezeichnet, und alle waren einverstanden. Doch als er vor wenigen Wochen in Cannes eine Goldene Palme für seinen jüngsten Film „I, Daniel Blake“ (in dem es wieder einmal um die Zumutungen des unvollständigen Sozialstaats geht) erhielt, da empfanden das viele als anachronistisch.

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          Das ist ein Vorwurf, den Ken Loach jederzeit in ein Argument verwandeln kann: Er würde an seinem Klassenstandpunkt zweifeln, fände er sich damit plötzlich im Mainstream wieder. Da dies nicht zu gewärtigen ist, bleibt er mit seinem Kino bei der alten Devise zur Vorbereitung auf den Kampf: agitieren, bilden, organisieren.

          Ein treues Publikum hat er auf jeden Fall organisiert, gegen den Neoliberalismus wird er Filme machen, solange es die Kraft dieses sanften Radikalen zulässt. An diesem Freitag wird Kenneth Loach achtzig Jahre alt.

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