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Der Batman-Film und die Schüsse : Keiner hat zurückgeschossen

Figuren und Konflikte von mythischer Kraft und Universalität: Christian Bale als Batman in „The Dark Knight Rises“ Bild: dapd

Es war ein Film, auf den viele gewartet haben. Dann fielen Schüsse in der Premiere von „The Dark Knight Rises“. Wie sollen wir jetzt schauen auf den neuen Batman-Film?

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          Manche, so erzählen die, die dabei gewesen sind, manche hatten sich verkleidet und maskiert, als Batman oder Robin, als Catwoman und womöglich auch als den einen oder anderen jener Bösewichter, die man, weil die ganze Batman-Welt eine Schöpfung der Comicstrips ist, aus hundert Metern Entfernung als Bösewichter erkennt: an den starken Zeichen, den lauten Fratzen, dem Hohn auf alles, was uns als Ausdruck des Humanen erscheint.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die meisten, heißt es, waren jung; und alle müssen Fans gewesen sein, so heiß auf den neuesten Film der Batman-Serie und so entschlossen, ihn als Allererste zu sehen, dass sie schon um Mitternacht im Kino waren. Am Freitag ist „The Dark Knight Rises“ in den Vereinigten Staaten angelaufen, am Donnerstag kommt er in die deutschen Kinos - und eigentlich sollte hier eine Filmkritik stehen, eine Bilanz der Batman-Trilogie, die Christopher Nolan geschrieben und inszeniert hat, mit Christian Bale in der Titelrolle.

          Als die Leute Angst bekamen, hat er geschossen

          Es geht um jenen Christopher Nolan, dessen Filme, ob mit Batman oder ohne ihn, weniger die Welt reflektieren und mehr unsere Wahrnehmung von ihr; und die immer wieder um die Frage kreisen, ob das, was wir sehen, fürchten und vielleicht begehren, nicht erst von uns erfunden, geschaffen, projiziert worden ist. Und es geht um jenen Christian Bale, der, bevor er Batman wurde, Bateman war, Patrick Bateman, der amerikanische Psycho und Serienkiller in der Verfilmung von Bret Easton Ellis’ Roman.

          Der Film, den die amerikanischen Kritiker auch dafür loben, dass er auf 3-D verzichtet hat, lief eine halbe Stunde im Saal 9 des Multiplex-Kinos im Städtchen Aurora in Colorado, da meinten manche, wie sie später den Reportern erzählten, es gäbe, außer dem zweidimensionalen Film, auch eine Premieren-Show, in der dritten Dimension. Die Schüsse hätten sich angehört wie echte Schüsse. Der Rauch, der aufstieg, war kein Bild auf der Leinwand. Und der Mensch, der das Kino durch den Noteingang betrat, habe mit seiner Gasmaske, der kugelsicheren Weste, dem langen schwarzen Mantel und dem Sturmgewehr zwar comichaft böse gewirkt. Allerdings ähnelte er keinem der bekannten Batman-Monster.

          Ein Schock, der vermutlich jeden getroffen hat, der gerne und mit Leidenschaft ins Kino geht

          Die dabei waren, haben den Fernsehreportern erzählt, dass sie erst mal weiter schauten, weil sie das alles für eine Inszenierung hielten, auch als der Mann in die Luft schoss und die Decke traf. Die „New York Times“ zitiert Zeugen, die diesen Satz gehört haben wollen: „Ich bin der Joker.“ Und als die Leute endlich Angst bekamen und zu fliehen versuchten, habe der Mann in die Menge geschossen.

          Öffne dein Herz!

          Es ist egal, was der Mann, der geschossen hat, mit dieser Tat erreichen oder mitteilen wollte. Anscheinend heißt er James Holmes, ist 24 Jahre alt, und sagen, so berichten die Polizisten, die ihn festgenommen haben, sagen wolle er nichts. Was sollte er auch sagen, und was wäre damit gewonnen, wenn er spräche über seine Motive, seine Inspiration. Die Tat ist sinnlos, und ein Gerede würde denen nicht helfen, die jetzt tot sind oder schwer verletzt. Es würde denen nicht helfen, die jetzt trauern um ihre Angehörigen und Freunde. Und der Schock, der vermutlich jeden getroffen hat, der gerne und mit Leidenschaft ins Kino geht, dieser Schock ist da und wird so schnell nicht vergessen oder überwunden werden.

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