https://www.faz.net/-gqz-9qnn4

Richard Gere zum Siebzigsten : Dieser Körper kann Kunst

Immer spielt er mit den ganz Großen: mit Julia Roberts in „Die Braut, die sich nicht traut“, 1999. Bild: Picture-Alliance

Ob er als hübsches Accessoire seine Filmpartnerin glänzen ließ oder mal wieder zum „Sexiest Man“ gekürt wurde: Dieser Schauspieler brauchte Talent und Charakterstärke. Dem Filmstar Richard Gere zum Siebzigsten.

          2 Min.

          Richard Gere hat ein Problem, das sonst nur seine Kolleginnen haben: Er gilt als besonders sexy. Als Paul Schrader ihn mit 31 Jahren für „Ein Mann für gewisse Stunden“ (1980) engagierte, spielte er den Gigolo unter Mordverdacht mit vollem Körpereinsatz, denn er, der bislang in Broadway-Produktionen gespielt hatte, wusste, das könnte sein Durchbruch beim Film werden. Also tigerte er in glänzenden Seidenhemden zu Giorgio-Moroder-Musik durch Luxusbars und schwang dabei die Hüften, dass selbst Männerblicke an ihm klebten.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Über all der Körperlichkeit konnte man fast übersehen, wie gut er spielte. Immerhin musste er mit Lauren Hutton mithalten, die ihn als reiche Senatorengattin für eine Affäre ködern will und über einen kleinen Tisch hinweg ein wortgewandtes Katz-und-Maus-Spiel mit ihm treibt. Manch anderer Jungschauspieler hätte daneben blass gewirkt, Gere zeigte sich ebenbürtig.

          Diese Konstellation wiederholte sich in vielen seiner Filme. Immer spielte er an der Seite der ganz Großen: Darunter waren Julia Roberts („Pretty Woman“, 1990), Kim Basinger („Eiskalte Leidenschaften“, 1992), Jodie Foster („Sommersby“, 1993), Winona Ryder („Es begann im September“, 2000) oder Renée Zellweger („Chicago“, 2002). Manchmal wirkte er wie das hübsche Accessoire, das die Partnerin nur noch mehr glänzen lässt – auch das erfordert Talent und vor allem Charakterstärke.

          Die brauchte er auch, um mit dem Image, das sich Publikum und Kritiker von ihm gemacht hatten, umzugehen. Mehrmals kürten ihn Magazine zum „Sexiest Man“, und kein Interview in den vergangenen Jahrzehnten kam ohne die Frage aus, wie er es denn schaffe, so attraktiv zu bleiben. So etwas kann leicht zu Kopf steigen. Gere hat Zuflucht in Buddhismus und Meditation gesucht. Er gilt als Freund des Dalai Lama, zitiert, wenn ihm Fragen der Reporter zu seicht werden, gern mal dessen Worte und hat bei der Oscar-Verleihung 1993 die Tibet-Politik Chinas kritisiert. In der Volksrepublik gilt er seither als Persona non grata.

          Ob es am Meditieren oder am Älterwerden liegt, in den vergangenen Jahren hat er sich entspannt. Seine Filmrollen sucht er jetzt nach Interesse aus. In „Arbitrage“ (2012) etwa spielt er einen Multimillionär, der bei einem Unfall seine Geliebte getötet hat. Er gibt den Getriebenen mit nervösem Zwinkern und lauten Worten gegenüber seiner Familie. Und doch findet sich in seinem Spiel eine Gelöstheit, als schlüpfe er nur noch zum Vergnügen in solche Rollen. Sein soziales Engagement aber blieb ihm wichtig. So kritisierte er Mitte August, während er selbst Hilfsgüter an Bord eines Schiffes brachte, Italiens Position zur Seenotrettung und verspottete Innenminister Matteo Salvini als „Baby Trump“. An diesem Samstag wird Richard Gere siebzig Jahre alt.

          Weitere Themen

          Kämpferinnen des Geistes

          Kolumne „Bild der Woche“ : Kämpferinnen des Geistes

          In einem südgeorgischen Bergdorf lebt die ethnisch-religiöse Sekte der „Duchoboren“. Die Frauen tragen bunte Kleider und widersetzen sich jeglicher Staatsgewalt. Leben ist für sie Gottesdienst. Ein Blick auf die letzten ihrer Art.

          Topmeldungen

           Unsere Autorin: Jessica von Blazekovic

          F.A.Z.-Newsletter : In München ist die Party vorbei

          München erlässt eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone und die EU-Kommission will Kryptowährungen regulieren. Was sonst noch wichtig ist, erfahren Sie im Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.