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Zum Achtzigsten von Al Pacino : Selbst seine Kämpfe tanzt er

Die Rolle, die seinen weiteren Kunst- und Karrierekurs bestimmte, war die eines Mannes, der aus Familienpflicht selbst eine Rolle spielen muss, die ihm zutiefst verhasst ist: Al Pacino als Mafiaboss Michael Corleone in „Der Pate II“. Bild: Sunset Box/Allpix/laif

Geschmeidig, sexy, gefährlich und oft sehr müde – das ist Al Pacino in fast allen seinen Filmen, ganz egal wie alt er und die Figuren, die er spielt, gerade sind: An diesem Samstag wird der Filmstar achtzig.

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          Er sei ein Überlebender, hat Al Pacino in Gesprächen immer wieder gesagt, Überlebender einer Kindheit in Armut in der South Bronx, Überlebender eines Lebensstils, wie er in den Siebzigern und Achtzigern im Unterhaltungsgeschäft nicht unüblich war, ein Überlebender auch von Hollywood, dem Ort, dem er seinen Weltruhm verdankt. Von außen betrachtet aber ist Al Pacino, der Schauspieler und Star vor allem ein Tänzer.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

              Irgendwann tanzt er in fast jedem seiner Filme. Nicht immer tanzt er zu Musik, nicht immer aus Vergnügen, und nicht immer steht er dafür auf. Ein Tanz ist es, wenn er die Mutter eines bestialisch ermordeten Mädchens in „Heat“ an sich drückt und hin und her wiegt, einen Schritt vor, zwei zur Seite und zurück, und sie so davon abhält, das Leichentuch über ihrer Tochter anzuheben. Ein Tanz, wenn er in „Dog Day Afternoon“ in den Knien federnd vor die Bank tritt, in der er Geiseln genommen hat, nervös, besorgt vor allem um deren Schicksal und um das seines Freundes, für den er dies alles tut, zappelig in der Hitze des Tages, von der Polizei umkreist. Ein Tanz im „Paten“ inmitten von anderen Paaren, wenn er einen Widersacher auf den Mund küsst, ein Tanz im „Irishman“, wenn er als Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa am Rednerpult die Hände hochreißt und den Rhythmus der Begeisterungsrufe vorgibt; Tänze sind es, natürlich, wenn er mit einer Frau im Arm dem Takt der Band folgt, ein paar Schritte nur in „Carlito’s Way“, oder für einen langen Tango mit starrem, aber keineswegs ausdruckslosen Blick in „Scent of a Woman“. Geschmeidig, sexy, gefährlich etwas nach vorn gebeugt und oft sehr müde von all der Bewegung, der immer wieder angeheizten Energie - das ist Al Pacino in fast allen seinen Filmen, ganz egal, wie alt er und die Figuren, die er spielt, gerade sind.

              Heute sieht man schon im ersten Teil des „Paten“ (nicht nur im zweiten und dritten, die sowieso ihm gehören), dass es Al Pacino ist, der den Film trägt und der die interessanteste Rolle hat: als Michael Corleone, Sohn der Familie, für den vor allem Väter und Söhne zählen. Es war erst seine dritte Filmrolle überhaupt. Die erste hat er selbst (wie auch ein großer Rest der Welt) offenbar vergessen („Me, Natalie“ von 1969, Regie führte Fred Coe), denn in Interviews spricht er  von „Panic in Needle Park“ als seinem Debüt, einem harten New York- und Drogenfilm von Jerry Schatzberg von 1971, der zu dem jungen Al Pacino, der am Actor’s Studio ausgebildet und im Theater (und zwar Off-Broadway) zu Hause war, bestens zu passen schien. Nicht so auf den ersten Blick ein Jahr später „Der Pate“. Das fand auch die produzierende Paramount und wehrte sich lange gegen die Besetzungsidee von Francis Ford Coppola, der ebenfalls als Blockbuster-Regisseur damals noch nicht ausgewiesen war.

              Die siebziger Jahre bis in die achtziger hinein waren für das amerikanische Kino eine Zeit der Erneuerung, und Al Pacino wurde eines der Gesichter, die mit ihr verbunden sind. Er arbeitete mit den stilgebenden Regisseuren jener Jahre zusammen, mit Sidney Lumet, Sydney Pollack, William Friedkin, später mit Brian de Palma und schließlich auch, als kaum noch damit zu rechnen war, mit Martin Scorsese im letzten Jahr beim „Irishman“.

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