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Zum Achtzigsten von Al Pacino : Selbst seine Kämpfe tanzt er

    Immer wieder aber verschwand er auch von der Leinwand ans Theater und kehrte erst Jahre später zurück, nicht immer in großen Filmen, manchmal auch grandios fehlbesetzt wie in „Frankie and Johnny“ mit Michelle Pfeiffer oder in lachhaften Geschichten wie der vom blinden lebensmüden Offizier, der in „Scent of a Woman“ die Freude an den Menschen wiederfindet. Es gibt nicht viele Schauspieler, die sich von solch einer Rolle erholen würden. Al Pacino spielte sie sozusagen mit dem Rücken zur Wand hin zur Academy, die ihm auch prompt einen Oscar verlieh – wozu der Tango, den er dort mit Gabrielle Anwar tanzt, mit Sicherheit beitrug.

    Manche Rollen werden derart ikonisch im Leben eines Schauspielers, dass sie in alle anderen Rollen einsickern wie ein Tropfen Blut, der noch lange selbst in vielfach verdünnter Form nachzuweisen ist. Für Robert de Niro ist das die Rolle von Travis Bickle in „Taxi Driver“, den man trotz Make Up und verjüngender CGI selbst im „Irishman“ noch wiederfinden kann.  Für Al Pacino ist es Michael Corleone, der im selben Film in Jimmy Hoffa hie und da aufzuckt. Vielleicht ahnte Pacino selbst nicht, dass er weder das Drama noch das Böse, die der Corleone-Rolle innewohnten, je wieder loswerden würde. Vielleicht hat er es mit Schnulzen wie „Scent of a Woman“ immer wieder einmal versucht.

In Michael Manns „Heat“, einem seiner besten Filme, spielt Pacino den Cop statt des Gangsters wie früher, im „Paten“, in „Serpico“, in „Scarface“. Hier ist er getrieben, einen Gangster zu fassen, der ihm gewachsen ist. Robert de Niro spielt ihn, und es liegt nahe, den Film auch als Wettkampf dieser beiden Superstars anzusehen, wie sie einander belauern, herausfordern, alles von sich und vom anderen verlangen, um gleichzuziehen und den anderen schließlich zu besiegen. Pacino wirkt in diesem Part wie immer auf dem Sprung, aber gleichzeitig so ausgelaugt, als sei er bereits auf dem Weg nach Alaska, wohin er sich sieben Jahre später in Christopher Nolans „Insomnia“ aufmacht, wieder als Cop. Wieder legt er sich auf die Lauer, in dieser einzigartigen Mischung aus kaltblütig und übermüdet.

    Wenn er es mit einem Regisseur zu tun hat, der ihm gewachsen ist, kommt dazu eine Einsamkeit, die ihn wie ein umgekehrtes Magnetfeld umgibt, selbst mitten in einer Menge, im Kreis von Kollegen oder anderen Verbrechern, je nachdem. Er wird nirgendwo bleiben, wo das Publikum ihn haben will, bei keiner Frau, keinem Freund, weil er geht, wenn er gebraucht wird, um zu erledigen, wovon er lebt, sei es das Hüten des Gesetzes oder das Verbrechen. Gangster oder Cop - von allen Stars des  Kinos hat Al Pacino definiert, was im Film die Männer ausmacht, die sich da gegenüberstehen.

    Er hat alles gewonnen, was es an Preisen zu gewinnen gibt. Bei einer dieser Gelegenheiten fiel Robin Williams, sein verbrecherisches Gegenüber in „Insomnia“, die Aufgabe zu, ihn für eine Weile zu preisen. Im Publikum saß unter allen, die in der Welt des Kinos einen Namen haben, natürlich auch Robert de Niro. Es ist nicht gerade so, dass wer ihn mag, mit Al Pacino seine Schwierigkeiten hat und umgekehrt, wie ehemals im Verhältnis der Fans von Beatles oder Rolling Stones, aber ein bisschen ähnlich ist es schon. Robin Williams also entdeckt Robert de Niro im Publikum und sagt ungefähr: „Da ist Robert de Niro! Noch ein ganz Großer! Sind sie sich ähnlich? Ein bisschen: Wenn Sie de Niro in den Trockner stecken, kommt Al Pacino raus.“

   Das ist natürlich ein guter Witz, und wie viele Witze ist er fast wahr. Bei Robert de Niro sehen wir immer seine Kunst. Bei Al Pacino nicht. Nicht einmal, wenn er tanzt. Heute wird dieser wahrhaft große Schauspieler achtzig. Verena Lueken

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