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DDR-Skaterfilm : Die Magie des Echten ist gestellt

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Unten sieht man manchmal besser als oben: „This Ain’t California“ von Marten Persiel Bild: farbfilm

Der DDR-Skaterfilm „This Ain’t California“ zeigt eine Jugend auf dem Brett - dokumentarisch und inszeniert. Darf er das? Ein Interview.

          Herr Persiel, wie kamen Sie auf die Idee, über „Rollboard“-Fahrer in der ehemaligen DDR einen Film zu machen?

          Marten Persiel: Vor drei Jahren bei einer Skate-Session haben wir uns zum ersten Mal gefragt, ob es eigentlich so etwas wie Ost-Skater gegeben hat. Damals habe ich Ronald Vietz kennengelernt, und nach zehn Minuten war die Frage schon umgekehrt, da wollte er wissen: Erzähl doch mal was über deine Filmidee. Wir dachten damals, dass es charmant sein könnte, von jemandem zu erzählen, der sich Skateboarden selbst ausdenkt, weil er keinen Westkontakt hat. Den Filmtitel „This Ain’t California“ hatten wir im Kopf. Von diesem Ansatz, etwas Komödienhaftes oder was Luftiges zu machen, ging es dann sehr schnell in die Richtung einer richtigen deutschen Geschichte, die es sich vielleicht sogar lohnt, ernsthaft zu erzählen. Natürlich ist von dem Luftigen und Lustigen viel übriggeblieben. Der Film ist an den Stellen ernst, an denen er nicht über Skateboarden erzählt.

          Es gibt mehrere Zeitzeugen im Film. Wie haben Sie die gefunden?

          Persiel: Zuerst einmal haben wir nur Ronny als Insider befragt, da wurde oft noch gar nicht mitgeschnitten. In einem zweiten Anlauf haben wir 25 Interviews geführt und hatten so vor zwei Jahren schon einen fertigen Fernseh-Dokumentarfilm auf dem Tisch. Wir haben uns dann aber gesagt: Der Stoff kann noch viel mehr, zumal wenn sich auch noch ein Anlass bietet, wenn auch ein trauriger.

          Der traurige Anlass war der Tod von Denis aka Panik, des wichtigsten Protagonisten des Films. Er starb 2011 als Soldat in Afghanistan. Damit kommt ein biographisches Moment ins Spiel, dem der Film aber nur am Rande folgt.

          Persiel: Wir haben irgendwann gemerkt, dass wir, wenn wir eine Heldengeschichte erzählen wollen, an einem bestimmten Punkt der maximalen Heldenhaftigkeit am besten aussteigen müssen.

          Ronald Vietz: Zuerst ging es nur ums Skateboarden, bald aber ging es auch um die Biographien, das konnte man gar nicht mehr auslassen. Die Frage haben wir uns natürlich gestellt: Warum kann jemand, der für alles steht, wofür Skater stehen, Soldat werden? Das beantwortet sich nur in Fragmenten. Wir erzählen von einer Generation, die ihr Land und ihre Strukturen verloren hat. Es gibt viele extreme Biographien aus der Zeit, nachdem sich ihr Land aufgelöst hatte. Da kommt es auch vor, dass Leute sich wieder nach Strukturen sehnen. Das waren ja Heranwachsende, die sehen wollten, wo ihre Grenzen sind.

          Denis wird im Film auch von einem Schauspieler dargestellt. Das führt zu der Frage nach dem Verhältnis von authentischem und inszeniertem Filmmaterial. Können Sie das am Beispiel der Figur von Denis ein wenig erläutern?

          Vietz: Ja, wir haben nachgestellt, ja, wir hatten einen Schauspieler, aber wie viel und wo, darauf wollen wir im Detail nicht eingehen. Das ist uns zu akademisch. Der Film war nie für den Kopf gedacht, sondern für den Bauch.

          Es gibt noch einige weitere Stellen, wo ich mich gefragt habe, ob die Skater von damals sich selbst so gefilmt haben, wie es jetzt im Film den Anschein hat. Zum Beispiel bei der Figur von Patric. Er wird mehrfach mit nackten Mädchen gezeigt. Sind das nachgedrehte Szenen?

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