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Das Programm von RTL : Große Pleiten, kleine Pleiten

Raus aus dem Container: Ruth Moschner Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Während andere Sender Telenovelas produzieren, schreibt RTL lieber selbst eine, in mittlerweile ziemlich vielen Folgen, mit offenem Ende: „Verlassen (von allen guten Geistern) in Köln“ könnte sie heißen.

          Das ZDF dreht von Mai an seine nächste Telenovela. Die Nachfolgeseifenoper von „Bianca - Wege zum Glück“ wird von einer gewissen Julia handeln und sie wird von der Produktionsfirma Grundy Ufa in Babelsberg inszeniert. Die Grundy Ufa erstellt seit dem vergangenen August die erste Telenovela im deutschen Fernsehen für das Zweite, für die nächste sollen die Studios sogar erweitert werden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Laden brummt, die Telenovela scheint das Gebot der Stunde zu sein, dem Produzenten Christian Popp laufen sie die Bude ein. Genauso gut, wenn nicht besser als mit dem ZDF gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Sat.1 bei „Verliebt in Berlin“. Die Telenovela mit Alexandra Neldel ist zum Aushängeschild des Senders geworden, der im Augenblick all das richtig macht, was bei RTL schief läuft. Während andere Sender Telenovelas produzieren, schreibt RTL lieber selbst eine, in mittlerweile ziemlich vielen Folgen, mit offenem Ende: Statt „Verliebt in Berlin“ steht „Verlassen (von allen guten Geistern) in Köln“ auf dem Programm.

          Diesen Titel wird zumindest Ruth Moschner unterschreiben, die auf der großen Programmkonferenz von RTL im letzten Herbst am Hamburger Hafen noch als dralles Moderationswunder gehandelt wurde und nun gleich ihre beiden Jobs in der RTL-Familie los ist: bei „Big Brother“ (RTL 2) und bei den „Freitag Nacht News“, die fortan mit wechselnden Komoderatorinnen arbeiten wollen, die dem Hauptanchorwitzbold Henry Gründler Stichworte zuliefern.

          Ausgeflogen: Die „Wilden Engel” setzen sich zur Ruhe

          Die Frauen haben ausgespielt

          Doch ist das nicht alles, was es von RTL zum Tage zu melden gibt: Neben Ruth Moschner verlassen die Serien „Die Spielerfrauen“ und „Wilde Engel“ den Sender. Beide wurden - wie in der Branche mittlerweile üblich -, zur Probe auf vier Folgen angesetzt und sind jetzt - da die Marktanteile von rund dreizehn Prozent im Schnitt bei den vierzehn bis neunundvierzig Jahre alten Zuschauer als nicht ausreichend gelten - gestrichen worden. Das sei das normale Verfahren, sagt die zuständige RTL-Presseredakteurin Anke Eickmeyer, und meint, daß andere Sender sich einen Marktanteil wie diesen doch wohl wünschten.

          Was im Fall von Kabel 1 oder RTL 2 sicher stimmt, bei RTL in besseren Tagen allerdings nicht mal als Witz, geschweige denn als Argument durchgegangen wäre. Wo eben noch ein selbstproduzierter Frauenunterhaltungsabend war, den man als Pendant zu den „Verzweifelten Hausfrauen“ bei Pro Sieben sehen könnte, muß im Sommer wieder „Columbo“ ran, um in der soundsovielten Wiederholung seine Fälle zu lösen. Im Herbst folgt mit „Die armen Millionäre“ eine neue Kurzserie, in der Sky Dumont und Andrea Sawatzki eine Sippe anführen, die plötzlich statt im Luxushotel im Plattenbau absteigen muß.

          Die Komödie zu Hartz IV

          Das klingt nach der passenden Komödie zu Hartz IV, doch mag man daran nicht so recht glauben, denn man kann sich kaum erinnern, wann RTL zuletzt eine Show oder eine Serie hatte - Fernsehfilme gibt es dort ja seit langem nicht mehr - die einem nicht irgendwie abgekupfert vorkam. Das war bei den „Spielerfrauen“ jetzt genauso wie zuvor bei der „Beauty Queen“, einem Vierteiler, den RTL der amerikanischen Schönheitschirugenserie „Nip/Tuck“ aus dem Fleisch schnitt und bis in Kostellationen, Handklungsabläufe und Dialoge hinein nachbildete: ein Programm wie plastische Chirurgie, dem die Kraft für eigene Schöpfungen fehlt und das dann nicht einmal in der Lage ist, die Kopie auf die Augenhöhe des Originals zu bringen.

          Wenn es bei RTL läuft, muß es dem Mainstream entsprechen, das ist schon klar. Doch muß es deshalb immerfort aussehen, als käme es aus dem „Media-Markt“, muß es C-Prominente, die nicht schauspielern können, zu Darstellern machen und sich an den fleischlichen Fotoaufmachern der „Bild“ orientieren?

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