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Das Kuppelhaus : Liebe in Beton an der Costa Paradiso

Das von Dante Bini für Antonioni und Vitti entworfene Kuppelhaus. Als das Paar sich trennte, kaufte Vitti ein Haus in Sichtweite. Bild: nma

Die Affäre der Schauspielerin Monica Vitti mit dem Regisseur Michelangelo Antonioni ist eine der großen Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts. Auf Sardinien bauten sie sich ein grandioses Haus, das dringend gerettet werden muss.

          7 Min.

          Pola erinnert sich, wie sie über die Küstenstraße kamen, in einem kleinen Fiat oder einem Alfa, vielleicht einem Mietwagen, sagt Pola, es war keiner der Sportwagen, mit denen sie in Rom herumfuhren. Es gibt ein paar Fotos, die sie auf der Reise zeigen, Bilder, die an Radarfotos erinnern; der Mann am Lenkrad sieht auf eine zuversichtliche Weise nachdenklich aus, oder so, als könne er ein Glück, das er habe, nicht fassen; sie schaut in die Ferne, und ihr turbulent zerwühltes, blondleuchtendes Haar ist mehr als eine Frisur: eher ein ganzes Programm, das im Fahrtwind entstandene Monument eines wilden Eigensinns.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Als Monica Vitti und Michelangelo Antonioni über die engen Straßen, die durch die Macchia führen, an die sardische Nordwestküste kamen, hatten sie bereits vier Filme miteinander gedreht, „L’Avventura“ und „La Notte“, „L’Eclisse“ und „Deserto Rosso“, und sie hatten seit Jahren eine Affäre, die erst ein paar Mitwissende in Cinecittá und dann die gesamte römische Klatschpresse in Atem hielt.

          Ein Haus, wie man es noch nicht gesehen hat

          Weniger bekannt ist, dass das Paar sich Anfang der siebziger Jahre an dieser Felsküste von den Bauunternehmern Giovanni und Sebastiano Pola ein Haus bauen ließ, wie man es noch nicht gesehen hatte: eine Binishell, benannt nach dem Architekten Dante Bini - kein Haus mit einem Dach, sondern eine Betonschale, die aussah wie eine Mischung aus einem versunkenen Boulléeschen Revolutionskenotaphen und einem Labor für Experimente mit einem seltenen, komplizierten Gas, das schnell zu entweichen droht, oder eigenartigen magnetischen Kräften, und in gewisser Weise war der Bau auch genau das.

          Als Vitti und Antonioni sich kennenlernten, war er Mitte vierzig und ein mittelmäßig erfolgreicher Regisseur. Er hatte am Centro Sperimentale di Cinematografia Filmtechnik studiert und Roberto Rossellini kennengelernt, war im Krieg Assistent bei Marcel Carné gewesen und hatte für die von Mussolinis Sohn Vittorio herausgegebene Zeitschrift „Cinema“ ein paar scheußliche Würdigungen faschistischer Propagandafilme verfasst.

          Antonioni und Vitti hatten sich bei Dreharbeiten kennengelernt
          Antonioni und Vitti hatten sich bei Dreharbeiten kennengelernt : Bild: ddp images/OLYCOM

          Er hatte „Chronik einer Liebe“ gedreht, den Film, der seinen Ruhm begründete, und mit „Il Grido“ ein finanzielles Desaster angerichtet, weswegen er drei Jahre brauchte, um das Geld für „L’Avventura“ und die anderen Filme zusammenzubekommen, die ihn als Chronisten einer innerlich erkalteten Gesellschaft berühmt machten.

          Die 1931 in Rom geborene Maria Luisa Ceciarelli, die sich schon früh Monica Vitti nannte, war neunundzwanzig, als sie mit „L’Avventura“ zum Star wurde; sie hatte in der Theatergruppe von Sergio Tofano Shakespeare gespielt und trat in einem von Antonioni inszenierten Stück auf, bei dem er sie entdeckt haben soll.

          Die Dreharbeiten: eine Katastrophe

          Wenn man „L’Avventura“ sieht und von Vittis und Antonionis Affäre weiß, dann überlagern sich Leben und Film auf eine seltsame Weise: Monica Vitti spielt Claudia, die Freundin von Anna, die mit ihrem Geliebten Sandro, einem schon älteren Architekten, einen Ausflug zur äolischen Felsinsel Lisca Bianca macht. Dort streitet das Paar sich, Anna verschwindet, ein Gewitter zieht auf, die Ausflugsgesellschaft sucht Schutz in einer Hütte, und auf der Suche nach Anna kommen sich die ebenso phantastisch schöne wie eulenartig kritisch schauende Claudia und Sandro näher.

          Die Dreharbeiten müssen, wenn man den Filmhistorikern glauben darf, eine Katastrophe gewesen sein: Während auf Lisca Bianca gefilmt wurde, ging die Produktionsgesellschaft pleite, dann erkrankte Lea Massari, die Anna spielt, und die Motorjacht, auf der gedreht werden sollte, tauchte nicht auf. Schließlich wurde es November; wegen der bewegten See konnte das Versorgungsboot nicht an der Insel anlegen, das Filmteam musste das Essen rationieren und auf der Insel in verlassenen Hütten übernachten, so wie Claudia und Sandro im Film - wobei im wirklichen Leben Antonioni selbst die Rolle des Sandro übernommen zu haben scheint.

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