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Filmfestival Cannes : Schwarze Büffel an der Côte d’Azur

Sharon Stone auf dem roten Teppich bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2009. Bild: Reuters

In Cannes war das Kino ein Zuhause. Aber es ist durch Skandale und die Streamingdienste schwer beschädigt. Nun heißt es auch, von einem Filmfestival Abschied zu nehmen.

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          Im Sterben erinnert sich ein alter Mann an seine früheren Leben. War er einmal der schwarze Büffel, der da an einen Baum gebunden in der Savanne steht? Der sich losreißt und nach einem kräftigen Galopp durchs hohe Gras noch ein wenig im Dschungel herumlungert, bevor er wieder eingefangen wird? Und ist auch der Wels im Tümpel, der mit einer Prinzessin flirtet, ein Geist aus vergangener Zeit?

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Nein, nein, sagt der Wels, er sei nur ein Wels. Aber in diesem Bild aus einem der schönsten Filme, die beim Filmfestival in Cannes in den vergangenen fünfzehn Jahren gezeigt und mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurden, liegt möglicherweise eine Wahrheit auch über das Festival. Der Sterbende, der Büffel, der Wels, die Prinzessin und später auch noch eine Gruppe von Monsteraffen wie aus der Mottenkiste einer alten Horrorfilmproduktion – sie gehören in den Film „Lung Boonmee Raluek Chat“ von Apichatpong Weerasethakul. „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ hieß er auf Deutsch und siegte 2010, in dem Jahr, in dem Tim Burton den Jurypräsidenten gab. „Ich glaube an die Seelenwanderung zwischen Menschen, Pflanzen, Tieren und Geistern“, sagte Apichatpong Weerasethakul damals, und niemand kam auf die Idee, diese Möglichkeit infrage zu stellen. Die Seelenwanderung war ja vor unser aller Augen geschehen.

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