https://www.faz.net/-gqz-ah25m

„Cry Macho“ im Kino : Wie zähmt man einen Cowboy?

  • -Aktualisiert am

Wahlfamilientherapie am Rand der Wüste braucht die sichere Hand: Eduardo Minett, Natalia Traven und Clint Eastwood (von links) klären ihre Schwierigkeiten Bild: AP

Seit Jahren wird jede Rolle, die der große Clint Eastwood spielt, als seine möglicherweise letzte betrachtet. Im Film „Cry Macho“ kommt wieder mal eine sehr schöne dazu. Und diesmal lernt Eastwoods Charakter sogar etwas Neues.

          4 Min.

          Ein Satz, den man von Clint Eastwood immer schon einmal hören wollte: „Diese Macho-Sache wird überschätzt.“ Wahre Männlichkeit zeigt sich anders, und es ist nur folgerichtig, dass der Macho in dem Film „Cry Macho“ nicht Eastwood ist, der mit bald 92 Jahren weiter an seiner Verfeinerung von Männlichkeitsidealen arbeitet. Der Macho ist ein Hahn. Ein Kampfhahn, soviel muss sein.

          Viel hat der Hahn nicht zu tun, an einer entscheidenden Stelle aber muss er eingreifen. Eastwood spielt einen alten Rodeo-Reiter namens Miko Milo, der nicht zu Pferd, sondern in einem alten Auto nach Mexiko aufbricht, um dort einen Jungen zu finden. Er soll für einen Freund und Geschäftspartner dessen Sohn Rafa über die Grenze holen. Einmal Mexiko, hin und zurück. Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Denn dieser Rafa lebt auch nicht bei der mexikanischen Mutter, wie vielleicht anzunehmen wäre. Er hat sich mit 14 schon von seinen Eltern emanzipiert, die ihm beide nicht die Zuwendung gegeben haben, die sich für ein Kind gehört. Auch nicht die Erziehung. Rafa ist „ein Monster“, bekundet die Mutter zynisch. Sie ist eine reiche, schöne Frau. Sie scheint in Eastwood noch das Sexsymbol zu sehen, das der jedenfalls einmal war.

          Er hat noch einen Job zu erledigen

          Denn sie versucht, Mike Milo zu verführen. Der entschuldigt sich mit einer klassischen Cowboy-Ausrede: er hat noch einen Job zu erledigen. Der Western ist das Genre, in dem die richtigen Männer immer wissen, was sie zu tun haben. „A man’s gotta do, what a man’s gotta do.“ Die Tautologie ist die Logik der Männer, die sich nicht zu Machos aufplustern müssen. „Cry Macho“ ist ein Western mit Autos. Milo findet Rafa im Milieu der Hahnenkämpfer, und macht ihn mit dem Versprechen neugierig, er könnte in Amerika ein „besonderes Pferd“ bekommen. Die Aussicht auf ein Leben auf einer Ranch, auf den Umgang mit den starken Tieren, ist zumindest so verlockend, dass Rafa seinen Widerstand aufgibt. Der Rückweg, die Fahrt in Richtung amerikanische Grenze, erweist sich jedoch als schwierig. Denn sein Auftraggeber hat Mike nicht vollständig in die Implikationen dieser halben Kindesentführung eingeweiht. Und so wird der eine oder andere Umweg nötig, um Verfolgern auszuweichen oder der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Zudem muss Mike das Vertrauen von Rafa gewinnen, für den Argwohn zu einer zweiten Natur geworden ist. Das ist der Stoff, aus dem sich ein klassisches, elegisches Roadmovie machen lässt, wie es für jemand wie Eastwood in seinem Alter geradezu ideal ist. Er muss nicht mehr groß Gas geben, es steht ihm besser an, wenn er das Leben an sich vorbeifließen lässt, und sich dieser Bewegung angleicht. So gilt hier auch die alte Weisheit: der Weg ist das Ziel.

          „Diese Macho-Sache wird überschätzt“: Clint Eastwood als ehemaliger Rodeo-Reiter
          „Diese Macho-Sache wird überschätzt“: Clint Eastwood als ehemaliger Rodeo-Reiter : Bild: AP

          Der Roman von N. Richard Nash, der als Vorlage dient, erschien 1975 und wurde schnell als vielversprechend für eine Kino-Adaption erkannt. Allerdings zerschlugen sich dann im Lauf der Jahre viele verschiedene Versuche, mit Stars wie Roy Scheider oder Arnold Schwarzenegger zu einer Verfilmung zu kommen.

          Weitere Themen

          Wenn das Gras zu grün ist

          Jane Campion im Gespräch : Wenn das Gras zu grün ist

          Für „The Piano" wurde ihr als erster Frau in Cannes eine Goldene Palme verliehen, für „The Power of the Dog“ unlängst in Venedig ein Silberner Löwe. Ein Gespräch mit der Regisseurin Jane Campion.

          Topmeldungen

          Ein Schild vor dem Eingang eines Saturn-Marktes in Berlin weist auf die 2G-Regel hin.

          Corona-Liveblog : 2 G für Geschäfte und Freizeitveranstaltungen

          Merkel nach MPK: Teilnehmergrenze für private Feiern von 50 geimpften oder genesenen Personen in Innenräumen +++ Deutschland erhält zehn Millionen zusätzliche Impfdosen +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.
          Väter, die gewachsen sind:  Mann mit  Kind im Buggy im Oktober im Berliner Regierungsviertel

          Familie in Zeiten der Pandemie : Dieses neue Vatergefühl

          Corona ist für Familien eine Belastung. Manche Männer aber bringt die Pandemie auch dazu, eine aktivere Rolle zu suchen. Macht die neue Lebenssituation aus Männern vielleicht sogar bessere Väter?