https://www.faz.net/-gqz-o9pr

Computerspiele : Für 8,50 Dollar in den Krieg gegen Israel

  • -Aktualisiert am

Ihr eigener Kampf: „Special Force” Bild: EPA

Eskalation im digitalen Raum: Die Hizbullah macht mobil mit „Special Force“, dem ersten ernstzunehmenden arabisch-fundamentalistischen Computerspiel. Damit kann man, so die Hersteller, „unseren eigenen Kampf nachspielen“.

          Schüsse peitschen durch die Tafelberge westlich des kleinen Ortes Tallousa im Südlibanon, die schwach vom bläulichen Mondschein erhellt werden. Faisal, so der Tarnname, duckt sich und versucht, sich zu orientieren. Die Warnschilder, die auf den Minengürtel eines israelischen Postens hinweisen, liegen ein paar Dutzend Meter hinter ihm. Abermals schlagen Kugeln in seiner Nähe ein. Langsam in der Hocke vorwärts kriechend, umrundet Faisal den großen Felsblock, der ihm als Schutz dient. Dann springt er kurz in die Höhe, bevor er sich wieder zu Boden fallen läßt. Ein israelischer Posten, bemannt mit zwei bis vier Soldaten. Mehr sind nicht zu sehen und auch keine schweren Waffen. Faisal greift zu seinen Handgranaten.

          Faisals Geschichte ist Fiktion und könnte überall stattfinden: in einem Beiruter Internetcafé, in Duisburg-Marxloh oder in einer Pariser Vorstadt. Denn "Faisal" ist der selbstgewählte Spielername im ersten arabischen Computerspiel, das zwar nach westlichen Maßstäben, allerdings für vornehmlich arabische Spieler "daheim und in der Diaspora" entwickelt wurde. "Special Force" ist ein sogenanntes "Ego-Shooter"-Computerspiel, das weltweit in mehreren arabischen Staaten vertrieben wird. Es wurde von der libanesischen Firma "Hadeel" entwickelt und produziert vom "Central Internet Bureau" der Hizbullah in Beirut. Hintergrund des Spiels ist der Kampf gegen die israelische Armee im Südlibanon bis zum Abzug der Truppen im Jahr 2000. Von Übungsmissionen, bei denen auf Fotos des israelischen Premier- und Verteidigungsministers geschossen wird, bis zu historischen Aktionen nachempfundenen Einsätzen, ist es die Aufgabe des Spielers, Kommandoposten zu stürmen, israelische Helikopter abzuschießen und Soldaten zu töten.

          Detaillierte Karten

          Nach dem Durchlaufen der Übungsmissionen in einer Spielebene, die mit heldenhaften Bildern und patriotischer Hintergrundmusik ausgestattet ist, wird der zukünftige Kämpfer von Hizbullah-Anführer Scheich Hassan Nasrallah ausgezeichnet und mittels detaillierter Karten und Hintergrundinformationen über die militärischen Kräfteverhältnisse auf die zukünftigen Aktionen eingestimmt. "Special Force" basiert auf der Technologie von "Genesis 3D" der amerikanischen Firma Eclipse Entertainment, einer Entwicklungsumgebung für 3D-Welten und Spielprogramme. Diese ist frei verfügbar und wird für eine Vielzahl von internationalen Produktionen eingesetzt. Eclipse Entertainment hat sich allerdings vom Inhalt einiger Spiele distanziert.

          Technisch gesehen, kann "Special Force" mit den aktuellen Standards westlicher Produkte nicht mithalten und präsentiert sich auf einem Stand von vor etwa zwei Jahren. Das Programm läuft jedoch flüssig auch auf älteren Computern, technische Probleme gibt es mit modernerer Hardware und modernen Windows-Versionen. Für die Zielgruppe jüngerer Spieler in arabischen Ländern dürfte dies kein Nachteil sein. Für 8,50 Dollar pro CD-ROM treten sie in den Kampf gegen israel ein. Es gibt eine Version in Arabisch und eine in Englisch. Die Beweggründe, die zur Entwicklung des Spiels geführt haben, werden auf der Homepage www.specialforce.net klipp und klar genannt: "Bislang haben unsere Jugendlichen amerikanische Spiele spielen müssen; mit amerikanischen Helden und arabischen Terroristen. Jetzt können sie unseren eigenen Kampf nachspielen."

          Amerikanische Dominanz

          Weitere Themen

          Eine Girlband für Kim Jong-un

          Nordkorea : Eine Girlband für Kim Jong-un

          Der nordkoreanische Diktator hält zwar an der Machtpolitik seiner Vorväter fest, setzt aber neue ästhetische Akzente: im Pop. Exklusiver Vorab-Auszug aus dem Buch „Der Spieler. Wie Kim Jong-un die Welt in Atem hält“.

          Topmeldungen

          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über die Soli-Abschaffung

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.
          Unser Sprinter-Autor: Sebastian Reuter

          F.A.Z.-Sprinter : Von wegen Kinderkram!

          Angela Merkel könnte in Biarritz noch eine tragende Rolle zukommen. Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs über einen besonderen Mann sprechen. Und Glück stellt sich manchmal erst spät ein. Was sonst wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.