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Chuck Norris zum Achtzigsten : Ein Schauspielschlagzeuger

Will man nicht an der Tür begrüßen: Chuck Norris Bild: Picture-Alliance

Dieser Mann benutzt das Internet als Lesezeichen in Büchern, hört Infrarotlicht und wäscht sich gegen Grippe die Lunge von innen mit den Füßen. Was aber ist Chuck Norris überhaupt von Beruf?

          4 Min.

          Ein unsportliches, schüchternes Kind mit schlechten Schulnoten soll Chuck Norris gewesen sein. Als Erwachsener tritt, haut und schießt er dann alles zusammen, was man ihm in den Weg wirft. Zwischendurch zeigt er ein seltsam gewinnendes Lächeln. Sein Image überwuchern Witze („Chuck Norris kann gleichzeitig einen Schneemann aus Regen bauen, Corona-Viren erwürgen und die CDU zurechtbiegen“), die anstelle dieses Lächelns eher ein Siegergrinsen erwarten lassen. 

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Mit öliger Überlegenheit aber wäre er in seiner Fernsehserie „Walker, Texas Ranger“ (1993 bis 2001) als Titelsuperpolizist nicht weit gekommen. Denn Sheree J. Wilson, die in dieser Show die Vernunft verkörpert, hätte ihn sofort diszipliniert, war sie doch seit ihrer Zeit als April Stevens in „Dallas“ dafür bekannt, dass sie zu Männern nicht verschüchtert emporblickt, sondern bei ihnen für Manieren sorgt. In „Walker“ wirkt Norris, als wären die kleinen Wortwechsel mit ihr, bei denen er sein Lächeln zeigen kann, für ihn wie Luftholen während der Akkordarbeit. Seine Stimme wird dann weich; allerdings brüllt er auch in Filmen selten, die von Schauspielern verlangen, vor Gewaltausbrüchen dümmstes Zeug zu äußern wie; „Let’s rock’n’roll!“. Mitten im Gemetzel scheint er oft eher in sich gekehrt und guckt, als wollte er sagen: „Das ist schon alles sehr bedauerlich hier.“ 

          In der denkmalschutzwürdigen Großgeschmacklosigkeit „The Delta Force“ (1986) zum Beispiel, die von einer Flugzeugentführung durch arabische Tiermenschen erzählt, wirkt der wortkarge Mann, wenn er die Befehle seines Vorgesetzten Lee Marvin per Funk entgegennimmt, nicht wie ein eifriger Schlächter, sondern wie ein besorgter Steuerprüfer, der sachdienlich statt rachsüchtig auf die Fehler anderer blickt: Hier scheint eine Unregelmäßigkeit vorzuliegen, wie bügeln wir das aus?

          Schon den erste Auftritt begleitet die Pauke 

          Mit diesem Gestus macht er sogar da eine gute Figur, wo sein Totschlägernimbus nicht als Selbstverständlichkeit strahlt, sondern der Sinnsuche ausgesetzt wird, wie in „Sidekicks“ (1992), einer Kampfsportkomödie, in der sich Jonathan Brandis als asthmatischer Sechzehnjähriger aus seinem trüben Leben in Tagträume über seinen besten Freund „Chuck Norris“ flüchtet. Der echte Norris seilt sich, damit das Publikum diese Träume teilen kann, aus Hubschraubern ins Klassenzimmer ab, überwältigt an der Seite des Knaben im weißen Ninjakostüm feindliche Hundertschaften oder taucht schießend aus Flusswasser auf. Stallone oder Schwarzenegger hätten dabei wie weichgekochte Nudeln ausgesehen; Norris macht Figur, erwachsen und züchtig.

          Diese eigenartige Gravitas zeichnet schon seinen allerersten seriösen Filmauftritt aus, der ihn nach flüchtigem Gastspiel in der Dean-Martin-Klamotte „The Wrecking Crew“ (1968) gleich mit einem der Größten der Actionfilmgeschichte konfrontiert, dem unsterblichen Bruce Lee. In „The Way of the Dragon“ (deutsch: „Die Todeskralle schlägt wieder zu“, 1972), spielt Norris den Amerikaner Colt, der im Auftrag der Mafia den Beschützer einer Dame in Rom beseitigen soll, eben Bruce Lee. Als Norris aus dem Flugzeug steigt, glattrasiert, mit prächtigen Koteletten, in Sonnenbrille und herbstlich getöntem Hemd, geschieht das unter Paukenschlägen; dann marschiert er geradewegs auf die Kamera zu und wird so groß dabei, dass nicht sein Gesicht, sondern sein Hosenladen schließlich das Bild füllt. Wenn das keine Filmkunst ist, gibt’s keine Filmkunst. Der Kampf, auf den der Film hinausläuft, geht in die Vollen: Der Amerikaner hat Haare auf dem Rücken wie auf der Brust, Bruce Lee greift hinein, rupft sie ihm vom Leib und pustet sie aus der Faust. Es ist nicht zu fassen.

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