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Christian Ulmen : Der Feind in meinem Bett

  • -Aktualisiert am

Riecht und singt schlecht: Christian Ulmen als Knut Bild: obs

Er war MTV-Moderator und spielte für Leander Haußmanns Film den „Herrn Lehmann“. Wer es aushält, Christian Ulmen ein Wochenende lang als „Mein neuer Freund“ auszugeben, gewinnt in einer neuen Spielshow 10 000 Euro.

          Erst 23 Stunden kennen sich Knut und Diana, aber sie ist schon den Tränen nahe. "Am liebsten würde ich ihn abstechen", vertraut sie der Kamera an. 10 000 Euro will Diana gewinnen, dafür muß sie Knut ein Wochenende lang als ihren neuen Freund ausgeben.

          Sie darf niemandem erklären, warum dieser schlecht riechende Möchtegerne-Sänger der neue Mann an ihrer Seite ist, ihren Freunden nicht und ihrer Familie nicht. Diana weiß, daß sie das ganze Wochenende lang von versteckten Kameras beobachtet wird und daß das Ganze dann im Fernsehen kommt. Was sie nicht weiß: der nach Knoblauch riechende Knut wird von Christian Ulmen gespielt.

          Kiffender Surfer oder adeliger Gestütsbesitzer

          Christian Ulmen, 29, war Moderator der Talk-Sendung "Unter Ulmen" auf MTV. Dann wurde er Schauspieler: In Leander Haußmanns Verfilmung von Sven Regeners Roman "Herr Lehmann" spielte er 2003 die Hauptrolle. Dafür gab's den Bayerischen Filmpreis. Gerade hat Ulmen einen Film mit Doris Dörrie abgedreht. Mit der Spielshow "Mein neuer Freund" bringt er nun Realität und Fiktion zu einem Sozialexperiment zusammen. In jeder der neun Folgen, die von diesem Montag an auf Pro Sieben zu sehen sind, spielt er einen anderen Charakter, vom kiffenden Surfer Ecke bis zum adeligen Gestütsbesitzer Alexander.

          In allen Rollen improvisiert Ulmen so lange, bis er die Grenze dessen, was ihm und seinen Spielkameraden peinlich ist, überschreitet. Auf den ersten Blick erinnert die Show an "Mein großer dicker peinlicher Verlobter", in der eine Kandidatin sehr viel Geld gewinnen konnte, indem sie einen häßlichen, ungehobelten Mann als ihren zukünftigen Ehemann ausgab. Das wurde jedoch auf sieben Folgen ausgewalzt, während Ulmens Rollenspiele in jeweils eine Stunde passen.

          Wenn der Supermarktbesuch zu Tränen rührt

          Die Regeln sind einfach: Zwei Tage lang müssen die Kandidatinnen vorgeben, loyal zu ihrem angeblichen neuen Freund zu stehen. Konfliktpotential bringen alle Freunde mit; so muß die konservative Rechtsanwaltsgehilfin Sabine den zotteligen Kiffer Ecke ihren echten Freunden als die Liebe ihres Herzens ausgeben.

          Das Spiel ist für den Zuschauer höchst amüsant, neben Ulmen spielen Demütigung und Schadenfreude die Hauptrollen: nachdem Ecke Sabine mit der Ungezwungenheit des Dauerbekifften auf Diebestour durch ihren Supermarkt genommen hat, sind ihre Augen feucht.

          Identitä: ein fragiles Ding

          Jede Folge wird zur Dokumentation des Charakters der echten Spieler und zur Selbsterfahrung. Die benettonblazertragenden Freunde zeigen die Abgründe ihrer Yuppiespießigkeit. Eine Freundin beschreibt nach der Auflösung ihren Eindruck vom chaotischen Ecke: "Wir kommen aus Gummersbach, so eine Kreatur ist da ziemlich fremd." Wenn Ecke mit zehn Euro Abendessen für fünf Personen organisiert, entdeckt Sabine eine neue Seite an sich. Sie rechtfertigt ihn vor ihren Freunden als "Lebenskünstler. Da muß man sich drauf einlassen." Im echten Leben könnte sie die Schrulligkeiten ihres Freundes kaum mit weniger Stolz verteidigen. Das getürkte Paar ist nicht mehr zu erkennen, wahre Liebe sieht genauso aus.

          Identität ist eben ein fragiles Ding. Ein ganz anderes Leben ist nur ein Wochenende weit weg, das lehrt das Experiment: Eine Kandidatin ist nach einem Wochenende Ulmen nicht nur um einen Packen Euro reicher, sondern auch um die Erkenntnis, daß ihren Eltern ein schmieriger, reicher, arroganter Schnösel als Schwiegersohn gerade recht wäre.

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