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„Undine“ im Kino : Ertrinken oder Versinken?

Paula Beer als Undine Bild: dpa

Auf der Berlinale ausgezeichnet, jetzt in den Kinos: In „Undine“ lässt Regisseur Christian Petzold Paula Beer und Franz Rogowski glänzen – und verpasst die Gelegenheit, sein Publikum einmal richtig zu überraschen.

          2 Min.

          „Undine“, der neue und auf der Berlinale für seine Hauptdarstellerin Paula Beer ausgezeichnete Film von Christian Petzold beginnt mitten in einem Trennungsgespräch, von dem beim aufmerksamen Zuschauen mehr in Erinnerung bleiben sollte als zwei bedrohliche Sätze am Ende, obwohl sie die Handlung teilweise vorwegnehmen. Es geht um die Liebe und den Tod, also um alles. Sowohl in diesem Auftaktgespräch als auch danach.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Der Filmtitel „Undine“ lässt aufhorchen. Das romantische Kunstmärchen von Friedrich de la Motte Fouqué, das so heißt, war nicht nur einer der beim internationalen Publikum erfolgreichsten literarischen Stoffe des frühen neunzehnten Jahrhunderts, sondern auch immens wirkungsmächtig in den verschiedensten Künsten. Die Variationen und Adaptionen sind Legion, und Petzold hat sich unter den beiden Möglichkeiten für erstere entschieden – anders als im Fall seines vorherigen Films, „Transit“, nach dem Roman von Anna Seghers, den er allerdings auch schon höchst geschickt in die Gegenwart transferierte.

          Das deutsche Äquivalent zu Eric Rohmer

          Bei „Undine“ nun hat Petzold für sein eigenes Drehbuch nur noch Motive von Fouqué übernommen. Allerdings entspricht die Vorlage so sehr spezifischen Zügen der Ästhetik dieses Regisseurs – wie Schwarzromantik, Unheimlichkeit und Liebespathos sowie psychologischem Tiefgang bei filmästhetischer Sachlichkeit –, dass „Undine“ geradezu zum exemplarischen Petzold-Film taugt, selbst ohne seine langjährige Stammschauspielerin Nina Hoss.

          Paula Beer tritt in der Titelrolle deren Nachfolge derart typenähnlich an, dass man wohl von einem Petzold-Frauenideal sprechen muss, so wie Hitchcock eines hatte. Dabei ist die Arbeitsweise Petzolds in Geschichtsfindung, Zyklenbildung und Inszenierung eher das deutsche Äquivalent zu Eric Rohmer, auch in der Ruhe der Bildsprache, für die sein fester Kameramann Hans Fromm verantwortlich zeichnet. Oder im weitgehenden Verzicht auf Begleitmusik, wobei die leider vergleichsweise zahlreichen Szenen von „Undine“, die mit Bachs drittem Cembalokonzert bedeutungsschwer unterlegt werden, sofort an Reiz verlieren.

          Da ein Gutteil der Handlung unter Wasser spielt und dafür eine eigene Sound-Welt erschaffen wurde, hätte man des Kontrastes wegen gerade alles akustisch Effekthascherische über Wasser unterlassen sollen.

          Neben Paula Beer glänzt Franz Rogowski als Industrietaucher, in den sich die frisch abservierte Undine verliebt. Und es glänzen naturgemäß die vielfältigen Wasserlandschaften, in Berlin die Spree und ein Swimmingpool sowie die sauerländische Versetalsperre, in denen Undine ihr Unwesen treibt. Das gespenstische Element des Geschehens kommt indes zu kurz; die subtilen Schockmomente sind solche der Erkenntnis, nicht des Horrors. Da hätte Christian Petzold uns einmal richtig überraschen können. Der Undine-Stoff hätte es hergegeben, das Selbstverständnis des Regisseurs hat es leider nicht zugelassen.

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