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Charlotte Rampling : Die Frau, die nicht weinen konnte

  • -Aktualisiert am

Jury-Präsidentin Charlotte Rampling Bild: dpa/dpaweb

Charlotte Rampling, Präsidentin der Berlinale-Jury, hat zu Berlin eine ganz besondere Beziehung: Ihr Vater gewann bei Olympia 1936 eine Goldmedaille. Das Porträt einer durch und durch europäischen Schauspielerin.

          Wer von Charlotte Rampling und Berlin erzählen will, muß neun Jahre vor ihrer Geburt anfangen. Denn im Jahr 1936 lief ihr Vater Godfrey Rampling bei den Olympischen Spielen in der britischen 4x400-Meter-Staffel und gewann tatsächlich eine Goldmedaille.

          Man kann das noch mal erleben, wenn man in Leni Riefenstahls Olympia-Film „Fest der Völker“ zusieht, wie er nach dem Staffelwechsel an dritter Stelle in die Kurve geht und die Stimme des Sprechers sich überschlägt: „Im gleichen Moment kommt aber der Engländer, kommt Rampling. In einem einzigen Ansturm geht er an beiden vorbei.“ Und genauso ist es: Rampling schiebt sich in der Gegengeraden an die erste Stelle und holt jenen Vorsprung heraus, den die Engländer bis zum Schluß gegen die Amerikaner und Deutschen verteidigen werden. Dann sieht man sie bei der Siegerehrung, eine Truppe wie aus dem Läuferfilm „Die Stunde des Siegers“, wie sie die Lorbeerkränze überreicht bekommen - und wie die drittplazierten Deutschen die Arme artig zum Hitler-Gruß recken.

          Noch heute stolz auf den Vater

          Ramplings Tochter ist noch heute sichtlich stolz auf ihren Vater: „Er ist jetzt 98 Jahre alt und sehr fragil, aber er erinnert sich noch an damals. Der Startläufer Frederick Wolff war krank geworden, aber lief mit seiner Darmgrippe trotzdem und war ziemlich zurückgefallen. Deshalb mußte mein Vater, der schon 1932 in Los Angeles dabeigewesen war, das ganze Feld überholen. Er ist später nie wieder so gelaufen. Aber dieser Sieg war sehr romantisch und schön, und das sieht man auch im Olympia-Film.“ Und wenn sie so spricht, dann wirkt sie tatsächlich fast wie Daddy's Little Girl, obwohl sie dem späteren Nato-Kommandeur nicht immer Freude bereitet hat. Colonel Rampling war nämlich am Anfang ihrer Karriere der Meinung, daß er seine Tochter nicht auf die Academie Jeanne d'Arc des Jeunes Filles in Versailles und die exklusive St. Hilda's School in Bushley geschickt hatte, um sie an den Tingeltangel zu verlieren. Aber gegen die Verlockungen des Swinging London der sechziger Jahre konnte auch ein britischer Colonel auf Dauer nichts ausrichten.

          Willkommen in Berlin: Mit Berlinale-Chef Dieter Kosslick am Flughafen

          Wenn Charlotte Rampling nun als Jury-Präsidentin nach Berlin kommt, dann tut sie das ähnlich erhobenen Hauptes und lorbeerumkränzt wie ihr Vater. Denn seit Francois Ozon sie im Jahr 2000 für seinen Film „Unter dem Sand“ quasi wiederentdeckt hat, ist das Kino ausgesprochen gut zu ihr gewesen und hat endlich eingelöst, was es einer Frau mit ihrer Ausstrahlung lange schuldig geblieben war. Allein im vergangenen Jahr hat sie drei Filme gedreht, Demonik Molls „Lemming“, Laurent Cantets „Vers le sud“ und an der Seite von Sharon Stone „Basic Instinct 2“, das Gipfeltreffen zweier Femmes fatales.

          Eine Königin ihres Fachs

          Grund genug für sie, im Vorfeld der Berlinale in Paris Interviews zu geben und die Presse zu empfangen wie eine Königin ihres Fachs, huldvoll um Verbindlichkeit bemüht, aber stets die richtige Distanz wahrend. Sie spricht mal französisch und mal englisch und wirkt im Französischen merkwürdigerweise wesentlich reservierter als im Englischen. „Ich habe schon als Kind Französisch gesprochen und wollte immer in Paris leben. Ich habe einen Franzosen geliebt und geheiratet und bin nun schon seit fünfundzwanzig Jahren da. Die Leute hier und das Kino haben mich adoptiert. Aber bei intimen Dingen wie Lesen und Schreiben fühle ich mich im Englischen wohler. Und ich habe in London natürlich immer noch eine Wohnung. Aber es stimmt, auf französisch fühle ich ein wenig anders, ohne daß ich es genau benennen könnte.“

          Tatsächlich hört man, daß sie im Englischen eine Spur entspannter ist, nicht unbedingt wärmer, aber humorvoller, eher bereit für Scherze und ironische Bemerkungen. Aber gleichgültig in welcher Sprache, immer vermitteln ihre unergründlichen Jadeaugen den Eindruck, sie wisse Dinge, die mit Worten ohnehin nicht zu fassen sind.

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