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Celentano und Benigni : Ein Duo für Silvio

  • -Aktualisiert am

Ganz in Weiß: Roberto Benigni in Celentanos Show Bild: dpa/dpaweb

Roberto Benigni zu Gast in Celentanos „Rockpolitik“: Die beiden sind erstmals zusammen im Fernsehen aufgetreten. Bei 76 Prozent Einschaltquote nahm der Premier ihren Berlusconi-Jux zur Sicherheit mit Humor.

          3 Min.

          Der Satire Wiederauferstehung fiel auf den 53. Geburtstag von Roberto Benigni, dessen Auftritt in der zweiten Folge von Adriano Celentanos Sendung „Rockpolitik“ die Einschaltquote in unerwartete Höhen von bis zu 76 Prozent trieb. Benigni duzte Silvio, den Premier: „Einen Politiker zu verulken, das hilft ihm und macht ihn bekannt: Ich will dir helfen, Silviolein, also tritt zurück, dann kannst du auch ins Fernsehen kommen und Witze über den Mortadella-Hintern von Prodi machen. Oh, weil ich in diesem Jahr mit einer Fernsehsendung den Regierungschef verulkt habe, werde ich im nächsten Jahr eine machen, in der der Oppositionschef an die Reihe kommt.“

          In der perfekten Travestie eines Meilensteins der italienischen Komik, des Briefes der Komiker Toto und Peppino an die „malafemmina“, diktierte Benigni-Toto dem Peppino-Celentano einen Brief an Berlusconi: „Ehrenwerter Präsident des Ministerrates der Italienischen Republik - nein, streiche ,der Italienischen Republik' und schreibe ,ehrenwerter Präsident', das reicht so, oder besser, laß auch ,Präsident' weg. Und streiche auch ,Ehrenwerter', so ist das straffer.“

          Eine Stimmung wie bei Fellini

          Schließlich entkleidete sich Benigni bis auf die blütenweiß-schlabbrige Unterwäsche, zog der Schauspielerin Luisa Ranieri das rote Glitzerkleid aus, um es sich selbst überzustreifen, tanzte mit Celentano und sang dazu dessen Uralthit „La coppia piu bella del mondo“. Da hatten sich zwei gefunden, die noch nie zusammen im Fernsehen aufgetreten waren, und gemeinsam erzeugten sie eine Stimmung, die manche an Fellini erinnerte.

          „Streiche ,Ehrenwerter', so ist das straffer”: Benigni diktiert
          „Streiche ,Ehrenwerter', so ist das straffer”: Benigni diktiert : Bild: dpa/dpaweb

          Die Reaktionen am Tag danach waren sonderbar; im Unterschied zur Premierensendung der „Rockpolitik“ gab es vorwiegend Lob, selbst der Kommunikationsminister Landolfi erklärte das Programm zur „Satire in Reinform“. Dabei unterscheiden sich die ersten zwei Folgen gar nicht so voneinander. Zwar fehlte beim ersten Mal ein Unikum wie Benigni, doch die Sendung ist ohnehin schon einmalig und als Format nur ziemlich grob definiert: eine Unterhaltungsshow zur Prime Time mit Adriano Celentano.

          Auf dem Höhepunkt der Medienzensur-Debatte

          Der Mann mit der Reibeisenstimme hat sich dem Publikum im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte unter Zuhilfenahme sämtlicher Medien eingeprägt: als Musiker, als Schauspieler bei Fellini und in anderen, ziemlich schlechten Filmen, als Entertainer, Fernsehmacher und vor allem als Provokateur. Politisch war er kaum zu verorten, und die Ernsthaftigkeit seiner Darbietungen war womöglich noch schwerer einzuschätzen.

          Bislang gab er in seinen Shows den dilettierenden Conferencier vor Weltuntergangskulisse, der brillierte, wenn er musizierte, aber in seinen gefürchteten Monologen den Idealismus eines Neunzehnjährigen zeigte. Er wurde politisch schneller abgetan als ernst genommen, machte aber gute Quote mit Shows wie „Ehrlich, ich pfeif' drauf“.

          Als zu Jahresbeginn in den italienischen Medien die ersten Diskussionen um „Rockpolitik“ geführt wurden, war die übliche Pause zwischen Celentano-Shows vergangen, doch die Debatte um Medienzensur in Italien hatte einen Höhepunkt erreicht. Und genau da konnte Celentano einen Vertrag abschließen, der ihm umfassende Freiheiten garantiert; sogar den Schnitt bei eventuellen Wiederholungen der Sendung darf er kontrollieren. Kurz vor der „Rockpolitik“-Premiere jedoch machten sich die Fernsehdirektoren schwere Sorgen. Einer betrachtete sich angesichts der nahenden Sendung und der ersten Gerüchte über ihren Inhalt sicherheitshalber schon mal als „selbst-suspendiert“.

          Berlusconi: Brief nicht angekommen

          Berlusconi gab derweil wieder einmal den Mediendiktator. Er stellte „Rockpolitik“ in eine Reihe mit Sendungen, die ihn zum „Opfer des Fernsehens“ gemacht hätten, er gab das Verdikt aus, künftig sowenig wie möglich über die Sendung zu sprechen, und behauptete, daß Celentano ihm letztlich nur nütze. Nun, nach der zweiten Folge mit den viel direkteren Angriffen in viel besserer Verpackung, scheint Berlusconi erkannt zu haben, daß er die Sache gelassen und mit Humor ertragen muß. Er sei in London gewesen und habe die Sendung nicht gesehen, erklärte er am Samstag, und der an ihn gerichtete Brief sei nicht angekommen.

          Schade eigentlich, denn so wird Berlusconi auch nicht wissen, daß der „Neukommunist Celentano“ inzwischen nach Kuba eingeladen wurde: „Che-lentano, Kommunist seit einer Woche, komm zu uns und mach dein Fernsehen hier“, sang Maurizio Crozza in der zweiten Folge im Stile des „Buena Vista Social Club“. Von Celentano bis zu Che Guevara ist es allerdings noch viel weiter als von Berlusconi bis zu seinem Nachfolger.

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