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Catherine Deneuve im Kino : Schwächen spielen ist nicht ihr Ding

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Die innere Unsicherheit als demonstrativ zitternde Zigarette: Catherine Deneuve als verwirrte Claire Darling in „Der Flohmarkt von Madame Claire“ Bild: dpa

Da soll noch mal einer sagen, aus Frankreich kämen nur triste Neuigkeiten über Krawall und Feuer: Der Film „Der Flohmarkt von Madame Claire“ sucht mit einer verwirrten Protagonistin nach der versponnenen Seite des Lebens.

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          In alten Häusern wohnen häufig Geister. Sie müssen gar nicht spuken, sie sind einfach da, meistens machen sie sich auf eine ganz einfache Art bemerkbar: als Erinnerungen. Das Haus von Madame Claire Darling ist besonders groß, es war früher einmal ein Schloss. In einem Dorf im Norden von Paris ist das Château Darling der Mittelpunkt. Wenngleich der Reichtum der Darlings nicht eben aus feudalen Verhältnissen stammt: Man machte in Zement.

          Immerhin hat das für ein Leben gereicht, das Claire Darling nun allerdings als bedrückend empfindet. Sie ist achtzig Jahre alt und lebt allein mit einem Inventar, mit dem man ein Museum füllen könnte: Automaten und zahllose andere Antiquitäten, vieles davon sehr wertvoll. Es gibt sogar ein Bild mit zwei Seerosen, bei dem ist aber nicht ganz klar, ob es von dem Monet oder von einem

          Zwischen Erinnerungen und Verwirrung

          Automaten kann man aufziehen, und dann spulen sie ein Programm ab, eins greift ins andere, häufig erklingt dazu eine Melodie. Es ist aber immer dieselbe. Automaten können nicht improvisieren. Menschen aber zeichnen sich dadurch aus, dass sie gern einmal etwas Unerwartetes tun. So ist es auch bei Madame Darling. Sie will die Geister loswerden, die in ihrem Haus leben, und die einzige Möglichkeit, die sie dazu sieht, ist ein Flohmarkt. Alles muss raus. Und so stöbert bald das halbe Dorf in den Intimitäten, manche nehmen für zwanzig Euro ganz besondere Pretiosen mit, andere staunen nur über den Firlefanz, mit dem reiche Leute ihre Räume füllen.

          Julie Bertuccellis Film „Der Flohmarkt von Madame Claire“ heißt im französischen Original „La dernière folie de Claire Darling“: eine letzte Narretei. Die bisher eher mit Dokumentarfilmen hervorgetretene Regisseurin fand die Geschichte in einem amerikanischen Roman, „Faith Bass Darling’s Last Garage Sale“ von Lynda Rutledge, und transferierte sie aus Texas in die idyllische französische Provinz. Faith Bass Darling, wenn man sich so etwas von fiktionalen Charakteren überhaupt ausmalen mag, hätte sich sicher nicht einmal im Traum vorstellen können, dass sie eines Tages von Catherine Deneuve im Kino verkörpert wird.

          Es sind natürlich noch ein paar Vermittlungsschritte mehr zwischen Roman und Film. In erster Linie ist es aber doch die Hauptdarstellerin, die Madame Darling zu einer überreichen Figur werden lässt: Einen Film mit Catherine Deneuve kann man schwerlich von den vielen Rollen trennen, die sie davor gespielt hat, und so schillert Claire Darling nicht nur als die Inhaberin der Dingwelt, die sie auf den Flohmarkt wirft; sie schillert auch als ein Echoraum zahlloser Figuren, denen die Deneuve davor ihre kühle, häufig ein wenig majestätische Erscheinung verliehen hat. Und in „Der Flohmarkt von Madame Claire“ treffen diese Erinnerungen auf eine Frau, die an ihren eigenen Erinnerungen allmählich zu verzweifeln droht. Denn es ist nicht ganz klar, was noch Gedächtnis und was vielleicht schon Verwirrung ist. Claire Darling ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass sie nur noch diesen einen Tag zu leben hat, und in diesen Tag drängt nun alles, was ihr Leben ausgemacht hat.

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