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Caroline Link im Interview : „In der Jury sitzen Veteranen von Hollywood“

  • Aktualisiert am
„Amerikaner mögen den Kampf für die gute Sache”: Caroline Link
          4 Min.

          Die Regisseurin Caroline Link über die Subjektivität der Oskar-Nominierungen und die Oscar-Chancen deutscher Filme, die den Nationalsozialismus zum Thema haben.

          In den vergangenen 50 Jahren waren 15 Filme aus Deutschland für den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ nominiert. Elf davon hatten den Nationalsozialismus zum Thema.

          Tatsächlich, ist das so?

          Ja, eine auffällige Häufung. Haben Sie dafür eine Erklärung?

          Zweifelsohne gibt es in der amerikanischen Filmbranche und in der Academy of Motion Picture viele jüdische Mitglieder, die sich sehr für das Thema Holocaust, für den Zweiten Weltkrieg und das Schicksal der Juden in Europa interessieren. Zudem gibt es in Amerika nicht dieses Gefühl Oh, mein Gott, schon wieder! Das haben wir doch schon alles hunderttausendmal gesehen!, sondern eine große Betroffenheit und ein ehrliches Interesse an diesem Thema und dieser Zeit.

          Dabei scheint es den Juroren nicht allein um eine deutsche Auseinandersetzung mit dem Thema zu gehen, wenn man etwa an die Oscar-Gewinner „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni oder an „Mephisto“ von Istvan Szabo denkt.

          Viele amerikanische Filmschaffende haben ihre Wurzeln in Europa und waren daher auch zumeist mehr oder weniger selbst vom Holocaust betroffen. Und so interessieren sie sich dafür, wie in Europa mit dem Thema umgegangen wird. Für sie ist der Nationalsozialismus nach wie vor aktuell, vielleicht gerade auch deshalb, weil sie weit entfernt von Europa und ihrer eigenen Geschichte leben. Sie werden wahrscheinlich nicht so oft mit dem Thema konfrontiert wie wir Europäer. Interessanterweise erlebte ich mit meinem Film Nirgendwo in Afrika nur auf einem Filmfestival die Reaktion der Zuschauer: Wir können das Thema nicht mehr sehen. Das war in Tel Aviv. Da geht es den jungen Israelis wohl ein bißchen so wie den jungen Deutschen.

          Sagt das denn etwas über die Qualität der Filme aus, die für die Kategorie „Bester ausländischer Film“ nominiert werden?

          Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich natürlich sehr über meinen Oscar gefreut und mich auch sehr geehrt gefühlt. Er steht hier in meinem Wohnzimmer, meine Tochter spielt mit ihm, und im Moment hat er einen mexikanischen Sombrero auf dem Kopf, was großartig aussieht. Auf der anderen Seite bin ich aber fest davon überzeugt, daß nicht unbedingt immer die besten Filme der Welt für den Auslands-Oscar nominiert werden. Jedes Jahr sehe ich Filme, und ich frage mich: Wieso ist der eigentlich nicht nominiert? Und umgekehrt frage ich mich genauso oft: Wieso, um Gottes willen, ist der denn nominiert? Was natürlich auch mit den einzelnen Ländern zu tun hat, die nicht unbedingt ihre besten Filme ins Oscar-Rennen schicken.

          Vielleicht sind darum viele der Filme schon wieder vergessen. Kennen Sie zum Beispiel den deutschen Film „Bittere Ernte“ von Agnieszka Holland, der im Jahr 1986 nominiert war?

          Ehrlich gesagt: nein. Aber die nominierten Filme werden vielleicht schnell vergessen, während die Filme, die den Oscar tatsächlich gewinnen, meistens auch eine wesentlich größere Aufmerksamkeit bekommen.

          In Deutschland gab es gerade in den vergangenen Jahren viele erfolgreiche Filme, die sich mit der DDR-Vergangenheit auseinandergesetzt haben. Dafür scheint es in Amerika wenig Interesse zu geben.

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