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Zur Eröffnung der Berlinale : Der Zauber eines warmen Händedrucks

Vor zwei Jahren war die Französin Léa Seydoux schon einmal Gast auf der Berlinale. In diesem Jahr ist sie gleich in zwei neuen Filmen zu sehen, darunter Wes Andersons Eröffnungsfilm „Grand Budapest Hotel“ Bild: AFP

George Clooney, Matt Damon und Catherine Deneuve werden kommen, und auch Schiller ist diesmal dabei: An diesem Donnerstag beginnen die Berliner Filmfestspiele.

          Manche Dinge sehen anders aus, wenn man ihre Rückseite betrachtet. Die Berlinale beispielsweise ist, wenn man ihren Katalog von hinten her liest, kein Filmfestival, sondern eine zwölftägige Kino-Universität mit Forschungsvorhaben übers ganze Jahr. Hier gibt es - im Rahmen des Programms „Berlinale Talents“ - Vorlesungen, Seminare und Workshops zu allen Fragen des Filmemachens, vom Drehbuchschreiben („Gefühle für die Leinwand“) über die Finanzierung („Produzenten verraten ihre Geheimnisse“) und den Verkauf („Wie man mit Verleihern arbeitet“) bis zum richtigen Umgang mit Verrissen („Filmemacher treffen Kritiker“). An einer „Short Film Station“ stellen künftige Regisseure ihre Plot-Ideen vor, und im „Acting Studio“ trainieren Nachwuchsakteure unter Aufsicht der Schauspielerin Nina Hoss.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Wer dabei entdeckt wird, kann sich vom World Cinema Fund fördern lassen, der - finanziert vom deutschen Kulturstaatsminister - seine jährlichen Aktivitäten während des Festivals auf einer Tagung vorstellt. Oder er kann als Teilnehmer des „Berlinale Residency“-Programms vier Monate lang in Berlin an seinen Projekten arbeiten. Der kasachische Regisseur Emir Baigazin etwa hat letztes Jahr mit seinem vom World Cinema Fund produzierten Debüt „Harmony Lessons“ einen Silbernen Bären gewonnen; in diesem Jahr nun schreibt er als Berlinale-Stipendiat an seinem neuen Drehbuch.

          Die gut vierhundert Filme, die neben den täglichen Routinen der Mensa („Kulinarisches Kino“), der kulturellen Stadtteilbewirtschaftung („Berlinale goes Kiez“) und der Berufsberatung für Absolventen („European Film Market“) auch noch auf dem Berlinale-Campus laufen, darf man deshalb nicht als Pflichtprogramm missverstehen. Man muss sie eher als Möglichkeit nehmen, sich im Großen und Ganzen des Kinos umzusehen, so wie man durch eine Bibliothek streift, um hier ein Geschichtsbuch, da einen Familienroman, dort eine soziologische Studie aufzublättern. All das ist reichlich vorhanden im Angebot der Berliner Filmfestspiele, und wer es im offiziellen Wettbewerb nicht findet, wird es todsicher in einer der vielen Seitenreihen entdecken, vom „Panorama“ über das „Internationale Forum“ bis zur „Perspektive Deutsches Kino“.

          Es liegt an der Exklusivität

          Ebendarin liegt seit langem das Problem der Berlinale. Sie ist ein Festival der vielen, nicht der Besten. Als Glamour-Event zur publizistisch-moralischen Aufrüstung der Frontstadt Berlin im Kalten Krieg gegründet, hat sie bis in die neunziger Jahre von dem Ruf gezehrt, das politischste, intellektuell aufregendste der großen Filmfestivals zu sein. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion aber sind die Frontlage und damit auch das kritische Potential des Kinos diffuser geworden. Der ehemalige Ostblock ist keine filmische Großmacht mehr, auch wenn die starke Präsenz osteuropäischer Filme im Wettbewerb des vergangenen Jahres das Gegenteil suggeriert. Stattdessen läuft im Hauptprogramm der Filmfestspiele vieles, was auch anderswo laufen könnte: ein Blick in die Zweiklassengesellschaft Argentiniens („Historia del miedo“ von Benjamin Naishtat), eine Geschichte aus einer Flüchtlingssiedlung in Wien („Macondo“ von Sudabeh Mortezai), der Rachefeldzug eines norwegischen Schneepflugfahrers („Kraftidioten“ von Hans Petter Moland). Verlässliche Stimmungskiller dürften in diesem Jahr die griechischen Beiträge sein: Einer, im Wettbewerb, handelt von einem Auftragskiller, der nachts in einer Brotfabrik arbeitet; ein zweiter, im „Panorama“, von der desillusionierenden Rückkehr einer Lehrerin in ihr Heimatdorf; ein dritter, im „Forum“, erzählt vom Elend einer kranken Hausangestellten in einer neureichen Familie. Vielleicht ist es wirklich zu viel verlangt, eine geniale Komödie über die Korruption und die Wirtschaftskrise aus Griechenland zu erwarten. Wenn es sie aber doch irgendwann einmal gibt, dann läuft sie garantiert in Cannes.

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