https://www.faz.net/-gs6-8gy3v

Cannes 2016 : Als ginge es jetzt erst richtig los

Bonnie und Clyde? Nein, es sind Vonnie (Kristen Stewart) und Bobby (Jesse Eisenberg), vielleicht am Tor zum Garten der Lüste. Bild: dpa

Was steckt dahinter? Woody Allen eröffnet mit „Café Society“ die Filmfestspiele von Cannes. Will er sehen, ob Stars überhaupt noch funktionieren?

          Cannes. Kein Festival der Welt hält die Fahne des Kinos höher als Cannes. Fernsehserien, kurze oder lange, in Berlin etwa seit einigen Jahren als Teil der Berlinale etabliert, kommen hier nicht auf die Leinwand, einerlei, wer sie gedreht hat. Was die Verleihe angeht allerdings, so nimmt auch Cannes, was es von wem auch immer kriegen kann. Von Amazon zum Beispiel den Eröffnungsfilm.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das neue Studio hat sich, wie es heißt, für die absurd hohe Summe von 20 Millionen Dollar die Rechte am neuen Woody-Allen-Film gesichert (und wird später im Jahr eine Fernsehserie mit ihm produzieren, die dann allerdings nicht in Cannes, aber, wer weiß, vielleicht in Berlin oder Venedig zu sehen sein wird) und feiert mit ihm in diesem Jahr seinen ersten Film an der Croisette. Und hat dann gleich noch vier weitere im Programm. Der Markt des unabhängigen Kinos, dessen Hochamt in Cannes gehalten wird, wird kräftig aufgemischt, und weltweit wiedererkennbare Autorennamen wie Woody Allen sind da Gold wert. Auch wenn es seine Filme, die guten wie die weniger guten, niemals waren.

          Was findet, wer seine Geschichten selbst schreibt

          Abgesehen davon, ist der neue Woody-Allen-Film zur Eröffnung keine originelle Wahl. Dreizehn Filme von seinen 46 hat Woody Allen seit 1979, als die Verbindung zwischen Cannes und ihm mit „Manhattan“ anfing, hier uraufgeführt, aber nie etwas gewonnen, weil seine Filme immer außer Konkurrenz liefen. Mit „Café Society“ eröffnet er nun bereits zum dritten Mal das Festival. Da kann es schon zu Ermüdungserscheinungen kommen. Selbst wenn man nicht bei allen dreizehn Malen dabei war.

          Es geht wie immer los, und es geht wie immer weiter. Leichter Jazz, während der Vorspann läuft. Woody Allens Stimme zum ersten Bild einer Gruppe eleganter Menschen im Garten einer eleganten Villa, die sich im Pool spiegelt. Whiskey, Zigarettenspitzen, schöne Frauen, wichtige Männer, gern mit etwas Bauch. Es sind die dreißiger Jahre, wir sind in Hollywood. Die Kamera führt, zum ersten Mal bei einem Woody-Allen-Film, Vittorio Storaro, mit eleganten Fahrten um den Pool herum, durch Gärten anderer Villen und über den Strand, später durch die Flure New Yorker Apartmenthäuser und einen New Yorker Nachtclub. Storaros Bilder atmen die Romantik, hinter der Woody Allen immer noch her ist und die er immer wieder findet, weil er sich seine Geschichten selbst schreibt.

          Die notwendige Dosis für den Eröffnungstag

          Es ist auch diesmal eine Geschichte aus einer Zeit mit überschaubaren Verbrechen, überschaubaren Konflikten, einer Zeit, in der New York vibrierte mit Möglichkeiten jeder Art und jüdischer Witz über manches hinweghalf, selbst über den Antisemitismus. Hitler? Nur ein Name in einem Nebensatz. Steve Carell gibt einen Agenten an der Westküste mit besten Verbindungen, reich, beschäftigt, verliebt, wie sich bald herausstellt, in eine Frau, mit der er nicht verheiratet ist. In New York lebt die Familie seiner Schwester, verheiratet mit einem Juwelier, dazu einem Sohn, der als Gangster groß wird, und einem anderen, der rauswill. Bobby Dorfman aus der Bronx (Jesse Eisenberg) will nach Hollywood. So treffen sich Onkel und Neffe, und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

          Bei deren Aufnahmen das Bild stets zu leuchten beginnt: Kristen Stewart (rechts).

          Magnetisch? Nur aus einem Grund: Kristen Stewart. Sobald sie auftritt, intelligent, schnell, schön, leuchtet das Bild. Wenn sie in der Mitte des Films für eine Weile verschwindet, weil Bobby zurück nach New York geht, um den Nachtclub seines Bruders zu betreuen, bleibt die Leinwand stumpf. Vielleicht will Woody Allen mit seiner Gewohnheit, die Stars der Stunde um sich zu versammeln, diese Frage stellen: ob sie, in das entsprechende Setting gestellt, auch damals, als das Kino noch geholfen hat, Stars gewesen wären. Und vielleicht ist es das, was das Festival am Tag seiner Eröffnung am dringendsten braucht – die Versicherung, dass es mit dem Kino weitergehen wird und muss, und sei es nur, weil Kristen Stewart eine solche Starpower verströmt, als ginge es jetzt erst richtig los.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.