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Protest der Kinobetreiber : Festival von Cannes schließt Netflix aus

Ahn Seo-hyeon spielt in dem von Netflix produzierten Actionfilm „Okja“ das Mädchen Mija. Bild: Netflix

Vom nächsten Jahr an hat der amerikanische Streaming-Anbieter Netflix keine Chance mehr, beim Filmfestival von Cannes eine Goldene Palme zu gewinnen. Der Entscheidung gingen harte Verhandlungen voraus.

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          Das Filmfestival von Cannes will vom kommenden Jahr an nur noch Filme auszeichnen, die auch in den Kinos gezeigt werden. Nach einem wochenlangen Streit um zwei Beiträge des amerikanischen Streaming-Anbieters Netflix hat die Festivalleitung ihre Regeln geändert. Netflix ist damit von 2018 an vom Festival ausgeschlossen, wenn die Vorschriften bis dahin nicht wieder aufgeweicht werden oder das amerikanische Unternehmen Kompromisse eingehen wird.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In diesem Jahr jedoch nehmen die zwei von Netflix finanzierten Filme „Okja“ von Bong Joon Hoet und „The Meyerowitz Stories“ von Noah Baumbach am Wettbewerb um die Goldene Palme teil. Der Festival-Leiter Thierry Frémaux hat sie in die Auswahl genommen, weil er sie für künstlerisch wertvoll hält. Daraufhin löste die Lobby der Kinobetreiber eine Protestwelle aus. Sie reichte nicht mehr aus, um die beiden Filme vom anstehenden Festival auszuschließen, das am 17. Mai beginnt. Doch sie führte zur Regeländerung für das kommende Jahr.

          Die Festival-Leitung bedauert, dass Netflix in diesem Streit unbeweglich an der Position festhielt, seine Filme nur für seine Abonnenten zur Verfügung zu stellen. Die Verhandlungen der vergangenen Tage brachten keine Annäherung. Konkurrent Amazon ist dagegen kompromissbereit und zeigte etwa seinen Film „Manchester by the sea“ in den Filmtheatern. Auch in Cannes ist Amazon mit dem Streifen „Wonderstruck“ von Todd Haynes vertreten.

          Die Festivalleitung teilte mit, dass sie sich freue, „einen neuen Anbieter zu empfangen, der in das Kino investiert“. Dabei bekräftigt sie ihre Unterstützung für das traditionelle Betreibermodell der Kinos in Frankreich und der Welt. Der Netflix-Chef Reed Hastings schrieb dagegen auf Facebook: „Das Establishment schließt sich gegen uns zusammen“. „Okja“ sei ein phantastischer Film, „doch die Kino-Ketten wollen uns blockieren, sodass wir nicht am Wettbewerb von Cannes teilnehmen können“.

          Warum Netflix hart blieb

          Die Auseinandersetzung geht auf den Grundsatzstreit über die Verwertungsrechte zurück. In Frankreich werden die Kinosäle durch die staatliche Regulierung besonders scharf geschützt. Filme dürfen frühestens 4 Monate nach der Kinoverwertung auf DVD herauskommen, 10 bis 12 Monate später im Bezahlfernsehen, 22 bis 30 Monate danach im gebührenfreien Fernsehen und erst 36 Monate später auf den Streaming-Plattformen. Wenn Netflix also ins Kino ginge, könnten seine Werke in Frankreich erst 2020 auf seiner eigenen Plattform gezeigt werden. „Wir sind überzeugt davon, dass die französischen Kinofans unsere Filme nicht erst drei Jahre nach dem Rest der Welt sehen wollen“, teilte ein Netflix-Vertreter mit.

          Die nun gefundene Regelung wird in der französischen Kinobranche kontrovers diskutiert. Manche sehen darin eine Steilvorlage für konkurrierende Festivals wie die Berlinale oder das Sundance Film Festival, die Netflix nicht ausschließen. Andere freuen sich darüber, dass das traditionelle Kino-Geschäftsmodell verteidigt werde, denn ohne Kinosäle hätte die Branche keine Zukunft.

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