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Leonardo DiCaprio im Gespräch : „Ich lebe für diese schwer definierbaren Augenblicke“

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In Gatsbys Welt: Leonardo DiCaprio in Baz Luhrmans „Der Große Gatsby“ Bild: AP / Warner Bros. Pictures

In Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“, dem Eröffnungsfilm von Cannes, spielt er die Hauptrolle: Leonardo DiCaprio über die Tragik in F. Scott Fitzgeralds Roman, intime Szenen in 3-D und die magischen Momente beim Drehen eines Films.

          Es könnte, nicht zum ersten Mal, wieder ein Jahr des Leonardo DiCaprio, 38, werden. In „Django Unchained“ von Quentin Tarantino war er als Sklavenhalter böse wie nie zuvor, für Baz Luhrmann spielt er jetzt eine mythologische Gestalt der amerikanischen Geschichte: den „Großen Gatsby“ nach F. Scott Fitzgeralds berühmtem Roman aus dem Jahr 1925. Der Film, ein 105 Millionen Dollar teures Prestigeprojekt im 3-D-Format, wird am Mittwoch das Festival von Cannes eröffnen.

          Wie haben Sie reagiert, als Baz Luhrmann Ihnen erklärte, dass er den „Großen Gatsby“ mit Ihnen verfilmen wolle?

          Junge, was für ein unglaublich ambitioniertes Unternehmen, du nimmst es mit dem großen amerikanischen Roman auf, mit einem Buch, das die Träume und Ideale dessen umfasst, was Amerika ist, vor allem in jener Zeit, mit einem Buch, das heute immer noch relevant ist. Und ich dachte, dass er ziemliche Cojones hätte, um daraus einen Film zu machen. Das hat mich zugleich begeistert. Baz war schon immer ein großer Träumer, das ist ansteckend und inspirierend. Man setzt sich hin mit ihm und sieht das Leuchten in seinen Augen, wenn er zu reden anfängt, und es ist deshalb sehr schwer, nein zu sagen, wenn man auf diesen Enthusiasmus trifft. So hat das dann begonnen.

          Und wie ging’s dann weiter?

          Schon ziemlich früh kam Tobey Maguire hinzu, der den Erzähler Nick Carraway spielt und den ich seit zwanzig Jahren so gut kenne, als wäre er mein Bruder. Wir haben uns dann wie alte Freunde zusammengesetzt und überlegt, wie wir es wirklich gemeinsam machen können, mit Gewaltenteilung sozusagen. Es hat großartig funktioniert. Baz ist nun jemand, der am liebsten das Rad neu erfindet, wenn er einen Film macht. Ich kann mich gut erinnern, als wir das erste Mal über „Romeo + Juliet“ sprachen, da war ich 17 oder 18, und wir hatten Probeaufnahmen in Australien. Ich wunderte mich über den radikalen Ansatz, Shakespeare in Alltagssprache zu machen in einem völlig anderen Ambiente, und es hat dann ja auch funktioniert.

          War Baz Luhrmann beim „Großen Gatsby“ ähnlich radikal?

          Baz kannte den Roman so gut, dass er ständig ganze Passagen wörtlich zitieren konnte. Wie Shakespeare ist F. Scott Fitzgerald ein meisterhafter Schriftsteller. Man muss sich deshalb sehr genaue Gedanken darüber machen, wie man der Struktur des Buches und den ikonischen Sätzen treu bleiben und das mit der eigenen Vision als Regisseur verbinden kann. Es gibt ja zahllose Möglichkeiten, eine Szene zu interpretieren. Die Charaktere tun oft das Gegenteil dessen, was sie fühlen, und deshalb geht es natürlich dauernd auch um das Ungesagte. Interessant ist auch, dass man beim „Großen Gatsby“ fast automatisch in einen Zustand der Nostalgie gerät und sich fragt, was diese Vergangenheit heute noch bedeutet. Dieses große amerikanische Ideal zum Beispiel, es zu Wohlstand zu bringen, etwas aus sich zu machen oder sich neu zu erfinden. Gatsby lebt an dieser großen Wendemarke der amerikanischen Geschichte, in den wilden Zwanzigern, mitten in diesem gewaltigen ökonomischen Boom, bevor die Finanzsysteme kollabierten, direkt vor dem Crash von 1929 und der Großen Depression der dreißiger Jahre. Und Baz setzt für das Publikum Bezugspunkte, die sich auf unsere Gegenwart beziehen, auf das, was wir in letzter Zeit erlebt haben.

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