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Freiluftkino : Hai-Alarm an der Croisette

Die Liegestühle im „Cinéma sur la plage“ sind begehrt, zuschauen kann man aber auch von der Promenade aus Bild: picture alliance / dpa

Kann es etwas Schöneres geben, als Filme im Frühling an der frischen Luft zu sehen - etwa beim Festival von Cannes?

          Das Leben beginnt mit dem Sommer neu, sagt Nick Carraway im „Großen Gatsby“. Das Leben im Kino auch. Es beginnt jährlich neu in Cannes.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          In diesem Jahr eröffnet das Festival mit der Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“. Die Titelfigur, in der alten Verfilmung von 1974 von Robert Redford verkörpert, spielt jetzt Leonardo DiCaprio, den Erzähler Nick Carraway gibt mit staunenden Augen Tobey Maguire, und Carey Mulligan ist Daisy. Regie führt Baz Luhrmann. Noch hat niemand, der etwas sagen darf, den Film gesehen, und das wird so bleiben, bis „Der große Gatsby“ kurz vor Festivaleröffnung bereits in den Vereinigten Staaten anlaufen wird.

          Sie eröffnen die Filmfestspiele in Cannes: Carey Mulligan und Leonardo DiCaprio in einer Szene aus Baz Luhrmanns Neuverfilmung des „Großen Gatsby“

          Wenn man den ersten Trailern glauben darf, wird die Eröffnung zumindest eines werden: ein Kostüm- und Ausstattungsfest, denn alles deutet darauf hin, dass Baz Luhrmann sich in dieser Hinsicht an seinem „Moulin Rouge“ von vor vielen Jahren misst. Damals war die Kulisse Paris im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert, diesmal also New York und Long Island im Jazz Age der zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Unmittelbar nach seiner Europapremiere in Cannes läuft der Film am 16. Mai dann auch in den deutschen Kinos an.

          Wenn die Filme mit dem Panorama verschwimmen

          Dass der Eröffnungsfilm von Cannes gleich in die Kinos kommt, geschieht in den vergangenen Jahren zwar immer häufiger, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cannes ein Festival ist, das anders als etwa die Berlinale für das allgemeine Publikum nahezu unerreichbar ist. Aber eine seiner schönsten Sektionen ist dann doch für alle offen: das „Cinema sur la plage“. Jeden Abend kann man direkt am Strand auf Liegestühlen oder im Sand sitzend auf einer riesigen Leinwand Filme schauen, die meistens keine Kammerspiele sind. Und da die Leinwand groß, das Tonsystem mächtig ist und die Karten für die Strandstühle schnell ausverkauft sind, kann man das Spektakel auch vom Nachbarstrand oder von der Promenade aus genießen, was Abend für Abend viele hundert Zuschauer tun. Manche sitzen den gesamten Film über auf dem Mäuerchen, manche bleiben nur ein paar Minuten stehen, manche kommen zum Showdown vorbei. Es ist nicht das Wettbewerbsprogramm, das hier gezeigt wird, es sind gar keine aktuellen Filme. Im „Cinema sur la plage“ sind alle auf die eine oder andere Weise Klassiker. „Dirty Harry“ lief hier vor einigen Jahren, „The Matrix“ oder „Bonnie and Clyde“.

          Am schönsten aber sind die Abende am Strand mit Filmen, die mit dem Panorama verschwimmen. „Das Boot“ ist ein herrliches Werk für diesen Ort, schaurig auch „Der weiße Hai“, vielleicht läuft bald „Life of Pi“ vor dieser Kulisse: Im Rücken die Büdchen mit Sandwiches und Eis, vor Augen die Bucht, in der eindrucksvolle Yachten schaukeln, rechts der Festivalpalast mit seiner abendlichen Geschäftigkeit und dem Aufmarsch der Stars und wichtigen Menschen auf der riesigen Außentreppe mit dem roten Teppich empor, zum letzten Mal gegen zehn. Manchmal leuchten die Sterne, irgendwo steigt meistens ein Feuerwerk in den Himmel, und an der Leinwand vorbei kann man die Boote beobachten, die immer neue Gäste zu den Yachten bringen oder von dort abholen.

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