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Campion für Cannes : Das Filmfestival bekommt eine Jurypräsidentin

Im Vorjahr in der Cinefondation Jury von Cannes, jetzt Jurypräsidentin des Wettbewerbs um die Goldene Palme: Jane Campion Bild: dpa

Jane Campion wird die Jury in Cannes leiten. Eine geschickte Wahl: Die neuseeländische Regisseurin könnte das Filmfestival von einem zwei Jahre alten Vorwurf entlasten.

          Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion wird in diesem Jahr die Jury des Internationalen Filmfestivals von Cannes leiten. Die Neunundfünfzigjährige, die auch als Drehbuchautorin und Produzentin arbeitet und vom Kurzfilm bis zur epischen Breite alle Filmformate erprobt hat, erlangte 1993 Weltruhm mit dem Film „The Piano“ über eine taubstumme, aus Schottland in eine arrangierte Hochzeit mit einem Neuseeländer verkaufte Pianistin.

          Am Strand von Neuseeland: Holly Hunter und Anna Paquin in einer Szene aus Jane Campions Film „Das Piano“ aus dem Jahr 1993 Bilderstrecke
          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Verschränkung von Kulturkreiskonflikten, Geschlechterfragen, Klassenproblemen und anderen Themen eines sozialen Realismus, dem im Kino normalerweise der Massenerfolg versagt bleibt, gelingt Campion als einer der wenigen so, dass Kritik und Kasse sich gern auf sie einigen – sicher ein Grund, warum sich Thierry Fremaux, der Direktor des Festivals von Cannes, öffentlich dazu beglückwünscht, sie als Nachfolgerin Steven Spielbergs in die Verantwortung für die diesjährigen Preisentscheidungen geholt zu haben: „Wir sind sehr stolz, dass sie die Einladung angenommen hat.“

          Eine nicht mehr zeitgemäße Schlagseite

          Man darf den Coup wohl auch eine zwei Jahre verzögerte Reaktion auf die ungewöhnlich scharfe Kritik nennen, in der das Festival im Jahr 2012 stand. Damals hatte das Filmemacherinnenkollektiv La Barbe, unterstützt von prominenten französichen Filmemacherinnen wie Virginie Despentes, Coline Serreau und Fanny Cottençon, mittels einer vielbeachteten Intervention in „Le Monde“ der Jury des Filmfestivals vorgehalten, dass befremdlicherweise trotz vorhandenem Bestand entsprechender Werke keine einzige Frau für die Goldene Palme nominiert worden war – und auch sonst eine nicht mehr zeitgemäße Schlagseite der Festivalpolitik zugunsten alter Klischees männlicher Großmeisterschaft herrsche. Jane Campion soll da wohl schon kraft Erscheinung Abhilfe schaffen.

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