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Bud Spencer und Franco Nero : Backpfeifen, Kopfnüsse und blaue Augen

  • -Aktualisiert am

Veteranen mit Jungstar: Bud Spencer, Franco Nero und Nora Tschirner Bild: dpa

Der eine wurde berühmt als maulfauler Outlaw, der andere als gutmütiges, aber reizbares Schwergewicht, und beide verdanken ihre Karriere dem italienischen Genrefilm. Nun sind Franco Nero und Bud Spencer in einem deutschen Film zu sehen.

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          C’era una volta il West . . . Es waren einmal zwei Kinohelden, deren Karrieren ungefähr zeitgleich im nachgestellten Wilden Westen italienischer Filmstudios begannen: Der eine wurde berühmt als maulfauler Outlaw, der durch Schlammlandschaften watend einen Sarg hinter sich herzog. Der Inhalt: ein Maschinengewehr. Einmal ausgepackt, nietete er damit alles um, was auch nur annähernd nach italienischem Stuntman aussah. Sein Rollenname: „Django“. Der andere war ein gutmütiges, aber reizbares Schwergewicht, das gern Backpfeifen verteilte und sich meist mit einem strahleäugigen Partner herumschlug. Er brachte zwar nicht den Tod, aber zumindest doch Haue und Kopfnüsse. Endgültig etabliert wurde diese Figur in dem Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, wo er den Namen Bambino (hierzulande: „der Kleine“) trug.

          Franco Nero, 67, und Bud Spencer, 79, weilen zu Promotionzwecken für die deutsche Filmkomödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“, in der sie beide kurze Cameo-Auftritte haben, in Deutschland. Und auch wenn sie beide in all dem Getümmel bei der Premiere des Films in einem Berliner Kino wie überlebensgroße Veteranen einer besseren Kino-Ära erscheinen, lässt Carlo Pedersoli, wie Bud Spencer bürgerlich heißt, keinen Zweifel am wesentlichen Unterschied zwischen ihnen: „Franco ist ein großer Schauspieler, Bud Spencer dagegen ist einfach nur eine Type, die ich immer wieder darstelle.“

          Der Nahkampf liegt ihm

          Dennoch ist es der immer noch hünenhafte, aber inzwischen recht gebrechlich wirkende Spencer, der hier alle Aufmerksamkeit auf sich zieht: Jeder – vom Schauspielerkollegen bis zum Sicherheitsbeamten – will sich mit dem ehemaligen italienischen Schwimmmeister fotografieren lassen; ein italienisches Mädchen von vielleicht achtzehn Jahren, das mit einer italienischen Flagge bei der Absperrung zu Spencers Ruhezone im Berliner Kinokomplex wartet, bittet ihn gar, ihn umarmen und küssen zu dürfen, was Spencer bereitwillig zulässt. Der Nahkampf liegt ihm immer noch.

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          Bud Spencer und Franco Nero : Backpfeifen, Kopfnüsse und blaue Augen

          Die Karriere sowohl Spencers als auch Neros verdankt sich dem beispiellosen Boom des italienischen Genrefilms Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre. Das italienische Kino jener Tage ist ein faszinierender Mikrokosmos, in dem schon so mancher kunstsinnige Cinephile auf Jahre verlorenging und um den sich ein beispielloser Fankult gebildet hat. Es ist ein Kino des konsequenten Zeigens und des totalen Sehens; nicht umsonst erfanden die Italiener auch den Splatterfilm, führten den Sexfilm in Dimensionen einer ungeahnten Drastik, und bewährte Genres wie der Western erreichten hier eine neue brutale Konsequenz.

          Mehr als vierhundert Filme pro Jahr

          Das Experimentelle und das Kommerzielle waren hier keine Gegensätze, und so sorgten Regisseure wie Sergio Leone, Dario Argento oder „Django“-Erfinder Sergio Corbucci mit jedem Film für neue Impulse, die Hollywood erst irritiert zur Kenntnis nahm, dann jedoch begierig aufsaugte. Mehr als vierhundert Genre-Filme entstanden pro Jahr: rüde Polizeikracher, sinnliche Psychothriller, politisierte Mafiareißer, hitzige Sexfilme – und natürlich Italo-Western. Die Kinos waren rappelvoll, und die drei großen italienischen Filmstudios Cinecittà, Elios und Laurentiis brachten mit Schauspielern wie Tomás Milian oder Gian Maria Volonté echte Superstars hervor.

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