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Bruce Willis wird sechzig : Kante in Samt

Geprügelt, aber nie geschlagen: Bruce Willis in Action. Bild: interTOPICS/mptv

Er bringt Bösewichter zur Weißglut: Bruce Willis ist der zäheste Actionstar von allen. Und doch erledigt er seine Gegner mit ungeheurem Charme und Sanftmut. Heute wird der „Stirb Langsam“-Star sechzig Jahre alt.

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          Wer Bruce Willis einen Reaktionär nennt, dem haut er auf die Schnauze. Konservativ ist er aber schon, patriotisch, nicht auffällig liberal. Aber er geht mit seinen Überzeugungen nicht hausieren. Sie seien widersprüchlich, hat er einmal gesagt, kompliziert. So wie er, der so einfach aussieht, haarlos, wie er ist, attraktiv, fettfrei. Aber Bruce Willis ist komplexer, er spielt die Rollen, in denen er hart durchgreift, mit großer Sanftmut. Und wenn er den Mund aufmacht, strömt eine derart weiche Stimme heraus, als sei alles andere nur Gehabe, Angeberei oder notgedrungen einfach das, was ein Mann tun muss, damit das Gute eine Chance hat. Wobei alles andere das ist, wofür die meisten ihn lieben: seine körperliche Überlegenheit, sein strategischer Scharfsinn, seine Überlebensfähigkeit in aussichtslosen Lagen. Oft genug geht er geprügelt nach Hause. Aber nie geschlagen.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Der Produzent Joel Silver hatte 1987 Mel Gibson im ersten Teil der „Lethal Weapon“-Serie zum Superstar gemacht. Für ein neues Action-Vehikel mit dem Titel „Die Hard“ wollte er ein Jahr später erst mal Richard Gere. Was wäre das für eine Geschichte geworden? Gere wollte aber nicht. Clint Eastwood auch nicht. Bruce Willis – damals ein Fernseh-Sitcom-Star mit wenig Kinoerfahrung – war die dritte Wahl. Und vermutlich das Beste, was Silver damals, 1988, passieren konnte. Fünf Teile und fünfundzwanzig Jahre später haben er und alle anderen, die bei „Die Hard“ dabei waren, prächtig verdient. Bruce Willis aber hatte eine Phase, in der er sich beklagte. Darüber, mit der Rolle des all american cop John McClane von der New Yorker Polizei auf Typen dieser Art festgelegt zu sein. Überhaupt aufs Action-Kino statt auf Charakterrollen. Dabei ist Action, wenn man sie so gestaltet, wie Willis das seit damals immer feiner tut, durchaus charakterbildend. Er schlägt sich ja nicht nur und rettet die Welt – das war, in „Armageddon“, dann 1998 tatsächlich einer seiner miserablen Auftritte –, sondern er bleibt ein Mann seiner Zeit, dem unter Umständen die Felle davonschwimmen, der möglicherweise nicht mehr ganz auf der Höhe ist, aber immer weiß oder sich bemüht, herauszufinden, was das Richtige wäre, das er tun muss. Und das dann tut, koste es, was es wolle.

          Bruce Willis hat den Blues

          Wie melancholisch ihn das stimmt, hat Robert Rodriguez in dem kleinen Auftritt von Willis als Toter in „Sin City 2: A Dame to Kill for“ kürzlich erst gezeigt wie auch vorher Rian Johnson in „Looper“. Denn das ist neben dem einzelgängerischen Cop die andere große Rolle dieses Stars: die des Toten, der wiederkommt. In „Sixth Sense“ hat er sie zum ersten Mal gespielt, mit diesem Lächeln in den Augen, das man für traurig oder für ironisch halten kann. Wahrscheinlich ist es beides, weil beides allein, die Trauer wie die Ironie, zu weh täten.

          Genau besehen, ist Bruce Willis nämlich weder ein Action-Star noch ein Charakterdarsteller, sondern ein Blues-Man. Wer ihn je singen oder spielen gehört oder sich angeschaut hat, mit welcher Ehrfurcht er eine kurze Session mit B.B. King ankündigt, der „Sinner’s Prayer“ spielt, während Willis im Halbdunkel hinter ihm in die Mundharmonika bläst, der weiß – dieser Mann, der in Idar-Oberstein geboren wurde, will nur eines. Erbarmen. Have mercy on me. Heute wird er sechzig.

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