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Breloers Film über Albert Speer : Der Engel fährt zur Hölle

  • -Aktualisiert am

„Speer und er”: Tobias Moretti als Hitler, Sebastian Koch als Speer Bild: dpa/dpaweb/WDR/Stefan Falke

„Speer war nicht das Rädchen im Getriebe des Terrors. Er war der Terror“: Der Film von Heinrich Breloer, am 9. Mai in der ARD zu sehen, ist ein Meilenstein in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

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          Dies ist keine Rezension. Dies ist eine Einladung, einen Film zu sehen, der unser Geschichtsbild in wesentlichen Teilen verändern wird.

          „Lieber, verschonen Sie mich. Ich werde diesem Film nichts Neues über das Dritte Reich abgewinnen können.“ Es spricht Marcel Reich-Ranicki, und es ging um die Pressevorführung von Heinrich Breloers Film „Speer und Er“. „Sie sollten es sich anschauen, es geht auch um Ihre Zeit“. „Ich kenne das doch alles, aber gut, riskieren wir es“. Und über drei Stunden schauten er und seine Frau Tosia sich zwei der wichtigsten Teile an. Ursprünglich geplant war eine Pause alle dreißig Minuten. Die gab es nicht. Er war gebannt. Einmal zupfte er seinen Begleiter am Ärmel: „Es ist ungeheuerlich, daß ich diesen Film am Vorabend des fünfundachtzigsten Geburtstag meiner Frau hier sehe.“

          Kein Film über Speer

          Breloer hat seinen vierteiligen Film über Albert Speer tatsächlich zu Ende gebracht. Am Mittwoch fand die erste Vorführung statt. Am 9. Mai wird er im ersten Fernsehprogramm ausgestrahlt. Und wer ihn dann sieht, wird feststellen, daß Breloer keinen Film über Speer gemacht hat. Er hat einen Film über den Nationalsozialismus gemacht und einen über Hitler und einen über die Kinder der Täter und einen über die Bundesrepublik und ihre Aufbaugeneration. Und dann doch wieder einen über Speer. So umfangreich ist das Material, das Breloer verarbeitet hat und darbietet, daß hier und heute nur erste Hinweise möglich sind.

          Albert Speer (r.) und sein Darsteller Sebastian Koch
          Albert Speer (r.) und sein Darsteller Sebastian Koch : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Wer Breloers meisterhafte Arbeiten kennt - zuletzt die große familienbiographische Studie über Thomas Mann - weiß, daß er kein Didaktiker ist. Er läßt durch Schnitte und Gegenschnitte, durch Rede und Gegenrede dem Zuschauer die Freiheit des eigenen Urteils. Er ist immer auch, wie es Joachim Fest einst bei Albert Speer war, eine Art „vernehmender“ Redakteur. Dazu gehört, daß man, während man den Film noch sieht, sein eigenes Urteil ständig in Zweifel zieht. Kaum wähnt man sich in Sicherheit - etwa indem man nun endgültig überzeugt ist, daß Speer ein opportunistischer Technokrat war -, überblendet schon die nächste Filmeinstellung, was einem eben noch unverrückbar schien.

          Gänzlich Neues und Unbekanntes

          Breloers Dokumentation ist ein Meilenstein in der filmischen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus. Sie bringt aber auch historisch gänzlich Neues und Unbekanntes. Und sie ist künstlerisch meisterhaft. Sebastian Koch gibt nach Stauffenberg nun Speer, wiederum vollkommen überzeugend. Das Ereignis ist Tobias Moretti. Der österreichische Schauspieler liest Hitler gleichsam in der Gosse auf, die ordinären und gewalttätigen Zügen des Charakters werden faßbar, ohne daß der Film-Hitler zur Karikatur wird. Breloer schafft es durch präzise Bauten und Kameraeinstellungen, Schauspiel und Vorbild miteinander fast bis zur Ununterscheidbarkeit zu parallelisieren. Berühmte Fotos erwachen zu einem geisterhaften Leben, das den Zuschauer erstarren läßt.

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