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Breloers Film über Albert Speer : Der Engel fährt zur Hölle

  • -Aktualisiert am

Susanne Willems: Weil die Politik, die er macht, genau dies zur Bedingung hat.

Breloer: Für Sie ist er einer der großen Verbrecher des „Dritten Reiches“?

Susanne Willems: Ja, sicher.

Breloer: Welcher Satz zeigt Ihnen, daß er vom Völkermord wußte?

Susanne Willems: In diesem Dokument steht ja drin, daß Krematorien und Leichenkeller gebraucht wurden, Drahtzäune, Wachtürme.

Breloer: Und ich sehe hier: vier Leichenhallen für Auschwitz, Verbrennungsöfen.

Die Debatte über Breloers Funde wird geführt werden, wenn der Film öffentlich wird. Sie sind furchtbar, und allein die Berichte über die Arbeitsbedingungen in den Speerschen Steinbrüchen oder in Mittelbau Dora gewinnen durch Breloers dokumentarisches Verfahren eine ganz neue Wucht und Dramatik. Aber all dies ist, um Breloer zu zitieren, nicht das abschließende „Ergebnis Fernsehen“. Es gibt kein letztes Urteil. Aber das, was da ist, ist finster, viel finsterer als gedacht. In seinen demnächst erscheinenden Aufzeichnungen wird Joachim Fest offenbar der Suchbewegung Breloers folgen.

Ein Land und eine Familie

Man täuscht sich, wenn man glaubt, daß die Größe dieser Dokumentation darin besteht, Fakten auf Fakten folgen zu lassen. Sie ist unendlich viel mehr; hier geht es um ein Nachkriegsdeutschland, das in vielen Landschaften vom Personal des Büros Speer wiederaufgebaut wurde; hier geht es auch um eine Familie.

Die Familie Speer ist die Gegenfamilie zu der Familie des Thomas Mann. Die Personen dieses Dramas stammen aus der Buddenbrook-Welt und verraten sie mit absoluter Vollständigkeit. Ihre Kinder sind keine Hannos, sondern Gezeichnete ihr Leben lang. Und das nicht zuletzt, die Botschaft der Kinder in diesem singulären Fall, macht Breloers Dokumentation jetzt schon zu einem historischen Werk. Albert Speer junior etwa, der im Laufe seiner Erzählungen fast selber wieder zum Kind wird; staunend über das, was man ihm und seinen Geschwistern angetan hat, fassungslos über die Größe des Wahns, in dem sich die Vaterwelt aufhielt.

Die helfende Hand

Ein weißer VW Käfer in Coesfeld irgendwann in den siebziger Jahren. Es fährt ihn der junge Architekt Friedrich Wolters. Das amtliche Kennzeichen lautet COE-AH 88. Das Auto hat ihm sein Vater Rudolf Wolters geschenkt. Er ist der engste Freund Speers. Er bewundert das Dritte Reich bis zuletzt, macht trotzdem Nachkriegskarriere in Deutschland. Er ist die helfende Hand, die Speer Kaviar und Tabak in die Zelle schmuggelt. Das Kennzeichen dieses Käfers hat er auch für seinen Sohn ausgesucht. Es dauert fast vierzig Jahre, bis die Ermittlungsbehörde in Gestalt Heinrich Breloers an die Tür dieses Sohneslebens klopft.

Friedrich Wolters: Er sagte: „Wir müssen für dich jetzt ein Auto kaufen, weil du uns auch beraten wirst.“ Es wurde ein weißer VW gekauft, ein Käfer, und der hatte eine Autononummer: COE-AH 88, und mit dem bin ich hier noch rumgefahren. AH stünde für die Stadt Ahaus. Irgendwann habe ich mir dann ein eigenes Auto gekauft, und mein Vater sagte mir: „Schade, daß du die Nummer nicht mehr hast, die hatte ich damals für die extra besorgt. Du weißt ja: Adolf Hitler.“ Da war ich einigermaßen konsterniert, das hat dann auch zu leichten Auseinandersetzungen geführt.

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