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Brad Pitt und Angelina Jolie : Ehe, wem Ehe gebührt

Ehepaar in „Mr. und Mrs. Smith” Bild: dpa

Im Film „Mr. & Mrs. Smith“ spielen Brad Pitt und Angelina Jolie ein Paar, und im Leben spielen sie weiter. Womöglich haben sie sich ja auch aus Versehen wirklich ineinander verliebt, obwohl sie nur ein Liebespaar spielen sollten.

          5 Min.

          Wo das Kino aufhört und das sogenannte wirkliche Leben beginnt, das ist oft gar nicht so leicht zu sagen, wie viele annehmen. Man braucht sich nur Brad Pitt und Angelina Jolie anzuschauen, die vor der Kamera „Mr. & Mrs. Smith“ spielen und nun auch jenseits der Leinwand ein Paar sein sollen, sofern man all den bunten Blättern glaubt, die es aber auch nicht so genau wissen und deshalb immer wieder ein paar unscharfe Fotos drucken, auf denen die beiden samt Frau Jolies Adoptivsohn auf einer englischen Wiese stehen oder in Addis Abeba, wo Frau Jolie ein knapp einjähriges Mädchen adoptiert hat, was leider auch die Schwangerschaftsgerüchte gleich wieder zerstreut hat, die aufgekommen waren, als die Schauspielerin in einem Geschäft für Babybekleidung erwischt wurde.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es gibt aber auch mißtrauische Menschen, die nicht an die Metaphysik der Liebe glauben, sondern an das physikalische Prinzip von Ursache und Wirkung. Denn die Gerüchte über eine Liaison der beiden Stars tauchten kurz vorm Kinostart von „Mr. & Mrs. Smith“ in Amerika auf, so wie auch Tom Cruise seine Liebe zu Katie Holmes vor aller Welt bekannte, als es allmählich Zeit wurde, für Steven Spielbergs „Krieg der Welten“ ein bißchen Promotion zu machen.

          Ein Liebespaar, oder doch bloß ein Kinopaar

          Natürlich sind die Smiths ein ungleich schöneres Paar als der durch die Medien irrlichternde Scientologe und seine Katie, und womöglich haben sie sich ja auch aus Versehen wirklich ineinander verliebt, obwohl sie auf Anraten ihrer PR-Experten nur ein Liebespaar spielen sollten, und wollen der Welt durch ihr hartnäckiges Schweigen nun weismachen, sie seien doch bloß ein Kinopaar.

          Engagiert sich für Afrika: Angelina Jolie
          Engagiert sich für Afrika: Angelina Jolie : Bild: AP

          Es wäre ja nicht das erste Mal, daß so etwas in Hollywood passiert. In der Goldenen Zeit des Studiosystems sorgten die entsprechenden Abteilungen zunächst dafür, daß die Stars von morgen schon heute eingängige Namen bekamen und anschließend auch eine passende Biographie und ein Verhaltensdrehbuch, und so wie sich unliebsame Affären durch gute Kontakte zu den örtlichen Behörden vertuschen ließen, so ließen sich natürlich auch fiktive Romanzen erfinden und lancieren. Heute sind diese sogenannten Publicity Stunts eine weltweit verbreitete Inszenierungstechnik, weil auch Politiker, Rockstars und andere Prominenzen sich längst als Stuntmen ihrer selbst oder des Produkts, welches sie gerade verkaufen wollen, betätigen und weil es überall auf der Welt Medien gibt, welche die Stunts, über die sie berichten wollen, bisweilen lieber selber schaffen, anstatt auf sie zu warten.

          Die Spekulationen haben dem Film nicht geschadet

          Welche Ursache nun im Falle „Brangelina“ - wie man die Phantombeziehung in Amerika getauft hat - welche Wirkung ausgelöst hat, wird man kaum in Erfahrung bringen; sicher ist nur, daß die Spekulationen dem Film nicht geschadet haben, der bislang weltweit 280 Millionen Dollar einspielte, und daß man sich „Mr. & Mrs. Smith“ gar nicht anschauen kann, ohne ständig die Zeitungs- und die Kinobilder zu überblenden oder nach Indizien zu suchen. Selten war der Ausdruck Projektionsfläche für eine Kinoleinwand zutreffender. Und wenn man sieht, wie die beiden einander küssen, schlagen, bedrohen und sogar beschießen, dann würde man gerne etwas von Chemie verstehen, um wissenschaftlich exakt benennen zu können, welche Reaktionen da vor sich gehen.

          Auf jeden Fall knistert es, es zischt, es sprüht wie im Labor, und dazu paßt auch, daß das Drehbuch von einem jungen Autor namens Simon Kinberg als Abschlußarbeit an der New Yorker Columbia-Universität eingereicht wurde. Kinberg hat vermutlich viele Filme aus den dreißiger und vierziger Jahren studiert, von George Cukor, Frank Capra oder Leo McCarey, und ganz bestimmt „Trouble in Paradise“ von Ernst Lubitsch, in dem sich ebenfalls ein Gaunerpaar zusammentut. Und er hat das Untergenre der sogenannten Wiederverheiratungskomödien, welches damals sehr beliebt war, zeitgemäß aufpoliert, ohne die Grundregel zu verändern. Sie besagt, daß ein Paar sich bisweilen auseinanderleben, zerstreiten und notfalls auch quälen muß, weil es nur so herausfinden wird, daß es füreinander bestimmt ist.

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