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Bodo H. Hauser : Das Quentchen mehr

In lustvollem Dauerstreit: Bodo H. Hauser (r.) mit Ulrich Kienzle 1995 Bild: dpa

Im Alter von achtundfünfzig Jahren ist Bodo Hugo Hauser in der Nacht auf diesen Freitag gestorben. "Es gibt Mangelerscheinungen in der politischen Kultur im Fernsehen", hatte er einmal erklärt. Sie werden jetzt zunehmen.

          Er war vor allem die Hälfte einer Idealbesetzung, und als solche wird er im Gedächtnis bleiben. Als das Fernsehmagazin "Frontal" 1993 von 3sat ins ZDF übernommen wurde, besetzte man, der politischen Ausgewogenheit halber, die Sendung mit zwei Moderatoren. Zur Verkörperung des linken politischen Spektrums wurde Ulrich Kienzle verpflichtet - ein asketischer großgewachsener Mann mit offenem Hemdkragen, tiefen Falten und traurigem Schnauzbart, also eine Art abgemagerter Günter Grass. Für die konservative Seite durfte Bodo H. Hauser ins Rennen gehen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Er hatte "Frontal" schon zuvor im Wechsel mit Martin Schmuck moderiert und gab mit seinem gemütlich-runden Gesicht und den hellwachen Äuglein hinter der runden Brille ein großartiges Gegenbild zu Kienzle ab. Ja, mehr als das: Der Sohn eines Krefelder Krawattenfabrikanten kleidete sich auch deutlich gewählter (1997 wurde er zum "Krawattenmann des Jahres" gewählt) und pflegte mehr als nur einen Hauch von Selbstzufriedenheit in den wohlinszenierten Moderatoren-Debatten. Man konnte sich unschwer vorstellen, welch ein Vergnügen Karikaturisten vom Schlage eines Grosz oder eines Gulbransson an Hauser gehabt hätten, der bis in die Bügelfalte hinein einem liebenswerten Kapitalisten-Klischee entsprach. So gesehen hatte er wohl ein Quentchen mehr als nur den halben Anteil an der Idealbesetzung von "Frontal".

          Neben Kienzle in der Rolle seines Lebens

          Hauser war ein Veteran des Geschäfts, obwohl er gerade siebenundvierzig Jahre alt war, als er neben dem elf Jahre älteren Kienzle die Rolle seines Lebens fand. Zuvor hatte der studierte Jurist beim ZDF bereits "Länderspiegel" und "Bonner Perspektiven" moderiert und war 1988 als Leiter von "Studio 1", der Nachfolgesendung des "ZDF-Magazin" von Gerhard Löwenthal, angetreten. Da war der parteilose Journalist erstmals auf eine Stelle gerückt, die ihn zum Inbegriff konservativer Medienpräsenz gemacht hatte. Das war, nachdem "Studio 1" kein rechter Erfolg beschieden war, eine wichtige Komponente für den späteren Erfolg im Rollenspiel als Reaktionär.

          Er selbst bezeichnete sich als liberal-konservativ: "Liberalität ist wichtig, um nicht nur die eigene konservative Sicht gelten zu lassen." Und er galt tatsächlich als jemand, der keinem eine Meinung aufzwang, weil er aus seinem teilweise in Cambridge absolvierten Studium die feste Überzeugung von der notwendigen Trennung von Bericht und Kommentar mitgebracht hatte. In "Frontal" wurde diese Scheidung allerdings der Unterhaltung zuliebe mißachtet, hier war Konfrontation und auch Provokation Trumpf. Das seltsame Moderatorenpaar wurde als so unzertrennlich erachtet, daß es sogar den Fragebogen des "F.A.Z.-Magazins" gemeinsam ausfüllte - denkbar gegensätzlich und somit rollengetreu, versteht sich. Die Masche nutzte sich im Laufe von fast acht Jahren allerdings deutlich ab, und am Schluß gestand Kienzle dem "Spiegel": "Wir sind erfolgreich gescheitert." Hauser suchte gar nicht mehr nach einem Ersatz für seinen Streitpartner, der im Jahr 2000 das Pensionsalter erreicht hatte. Er traute sich zu, als halbe Portion weiterzulaufen.

          Zunehmende Mängel in der politischen Kultur im Fernsehen

          Dennoch sind seitdem immer wieder Gerüchte um neue gemeinsame Projekte der beiden im Umlauf gewesen, und einmal hat Hauser, der seit 2001 dem Parlamentssender Phoenix vorstand, Kienzle auch reaktiviert: für die Diskussionssendung "Nachtduell", die aber keine größere Aufmerksamkeit mehr fand. Hauser selbst blieb mit seiner Gesprächsrunde "Unter den Linden" auch im Moderatorengeschäft, setzte aber gegen die neue Konkurrenz wie Sabine Christiansen oder Sandra Maischberger keine eigenen Akzente mehr.

          Nach der ersten Sendung von "Frontal" hatte Kienzle angekündigt, er habe als Korrespondent den libanesischen Bürgerkrieg überlebt, er werde auch Hauser überleben. Das hat sich bewahrheitet. Im Alter von achtundfünfzig Jahren ist Bodo Hugo Hauser in der Nacht auf den gestrigen Freitag gestorben. "Es gibt Mangelerscheinungen in der politischen Kultur im Fernsehen", hatte er einmal erklärt. Sie werden jetzt zunehmen.

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