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Bilder einer Stadt : Das ist New York

Wenn wir New York sagen, denken wir an eine Stadt, die es nicht gibt. Sie entsteht in unserem Kopf aus einem Zusammenspiel von Filmszenen und Eindrücken aus der Wirklichkeit. Das Kino hat sich sein eigenes New York geschaffen. Und zwar meistens anderswo.

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          Haben wir wirklich gesehen, wie am unteren Broadway die Lumpenfeuer brannten, oder ist uns dieses Bild nur deshalb so vertraut, weil John Carpenter es 1981 in seiner „Klapperschlange“ verwendet hat? War die Nacht wirklich so sternenklar, dass der Blick an einem Silvesterabend im Rainbow Room oben im Rockefeller Center bis über die Stadtgrenze hinausreichte, oder war das nicht doch ein Bild aus „Gold Diggers of 1933“ von Busby Berkeley?

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Unsere Vorstellung von New York ist nicht nur von unserer Erinnerung, sondern auch von zahllosen Filmszenen gebildet worden. Die Stadt, an die sich so viele Träume heften, ist ihrerseits ein Produkt der Filmindustrie, und dass viele dieser typischen New Yorker Stadtszenen nicht in New York, sondern anderswo gedreht wurden, beweist nur, wie wenig visuelles Beweismaterial ein Kinobesucher braucht, um den Eindruck eines Ortes als authentisch zu empfinden.

          Das Film-New York enthält alles, wofür die Stadt steht - das Geld, die Gier, die Romantik, die Moderne. Was die Figuren dort tun, mag nicht so außergewöhnlich sein. Sie gehen spazieren, sie verlieben sich, sie werden zu Tätern oder Opfern, sie tanzen miteinander, oder sie erschrecken uns. Aber im Kino wird all das grandios. Die Liebe in New York ist glamourös, die Straßen sind angsteinflößend und die Bösen besonders faszinierend. New York also, die Stadt, an die wir denken, wenn wir ihren Namen sagen - das ist einerseits die physische Stadt und andererseits die Stadt auf Zelluloid. Und wenn wir über New York sprechen, meinen wir meistens das, was in unseren Köpfen aus einer Mischung von beidem entstanden ist und sich aus dem Zusammenspiel von Wissen und Fiktion in unserer Erinnerung abgelagert hat.

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          New York in seiner reinsten Form: „Mad Men” :

          New-York-Filme leben von der Idee der Stadt. Der Set für „Die Klapperschlange“ zum Beispiel stand in St. Louis, wo sich ein abgebranntes Viertel mit einem Prospekt der New Yorker Skyline im Hintergrund problemlos in das New York der Zukunft verwandeln ließ. Auch in Boston, in Toronto und natürlich in den Studios von Hollywood ist New York immer wieder aufgebaut worden. Filmemacher erträumten die Stadt dort in allen Zuständen - strahlend optimistisch oder dem Untergang geweiht. Und ganz gleich, wo die Kulissen standen, jeder erkennt sofort, dass sie New York bedeuten. Die Stadt ist unverwechselbar in den romantischen Komödien der dreißiger Jahre in all ihrem Glamour, in Filmen wie „Swing Time“ mit Fred Astaire und Ginger Rogers (und einer Handvoll anderer Filme mit dem elegantesten Tanzpaar jener Zeit), in denen man den Eindruck hat, die Tage seien kurz und New Yorker Nächte ein einziges Fest der außerordentlichen Garderoben für Männer wie für Frauen, der geistreichen Plaudereien in Nachtclubs hoch oben über der Stadt und späten Drinks in den edel dekorierten Wohnungen weitläufiger Art-Déco-Paläste.

          Die Essenz der Stadt

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