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„Big Eyes“ im Kino : Diese Kunst braucht keine Theorie, sondern Liebe

  • -Aktualisiert am

Sie malt die Bilder, er verkauft sie. Aber Margaret (Amy Adams, hier mit Christoph Waltz) gibt sich mit dem Malsklavendasein nicht länger zufrieden. Bild: ® Studiocanal GmbH

Sie malt die Bilder und er verkauft sie: In „Big Eyes“ geht es um Emanzipation, Kunst und Konsum. Tim Burtons neuer Film ist ein Fest der Ausstattung, und Christoph Waltz stiehlt Amy Adams die Show. Tut das dem Film gut?

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          Mit der naiven Kunst ist das so eine Sache. Sie lässt sich nur von außen als solche begreifen, an sich handelt es sich um genuine Äußerungen, in die erst der Betrieb der Interpretationen ein Selbstmissverständnis einführt. Die Malerin Margaret Keane gibt dafür ein gutes Beispiel ab. Große Augen sind ihr Markenzeichen. Die Kunstkritiker haben Keanes Arbeit kaum ernst genommen, dafür ist sie beim Publikum sehr beliebt. Aber um diese Diskrepanz geht es Tim Burton in seinem Film „Big Eyes“ nur am Rande.

          Er erzählt die Geschichte von Margaret Keane aus einem anderen Grund. Er sieht in ihr eines jener arglosen Genies, für die er so großes Verständnis aufbringt. Sie steht für ihn in einer Traditionslinie, zu der auch Ed Wood gehört: eine populäre amerikanische Kunst, die keine Theorie braucht, sondern liebevolle Zuwendung, in die sich ein leichtes Unbehagen mischen kann. Denn die großen Augen sind ja auch unheimlich.

          Ein Fest der Ausstattung

          Der Kern von „Big Eyes“ ist die Geschichte einer Emanzipation. Alles beginnt mit einer Frau, die ihren Mann verlässt: Margaret (Amy Adams) macht sich samt Tochter auf den Weg und landet in Kalifornien in den späten fünfziger Jahren. Keine gute Zeit für eine alleinerziehende Mutter, die sich bei sittenstrengen Firmenpatronen vorstellen muss. Bevor die Sache richtig schwierig wird, trifft sie schon wieder einen Mann.

          Kinotrailer : „Big Eyes“

          Walter hat die gleiche Leidenschaft, auch er ist Maler, er erzählt gern von seinen Studien in Paris. Und Walter hat Margaret ein wesentliches Talent voraus: Er ist ein geborener Verkäufer. Für Christoph Waltz ist dieser Walter eine zwiespältige Traumrolle. Denn einerseits kann er so richtig glänzen, andererseits wird schnell einmal unklar, wer hier schließlich des Guten deutlich zu viel will: der Charmeur Walter oder der Ironiker Waltz.

          Rolle in „Big Eyes“ : Herausforderung für Christoph Waltz

          So nimmt diese Figur immer wahnwitzigere Züge an, zumal Walter immer stärker in die Defensive gerät. Er überredet Margaret nämlich, ihre Bilder unter seinem Namen auf den Markt zu bringen, und je größer der Erfolg der „großen Augen“ wird, desto schwieriger wird es, den Anschein zu wahren. Zumal Margaret es nicht länger mit einem Malsklavendasein bewenden lassen will.

          Tim Burton hat es in „Big Eyes“ mit vielen Motiven und Details zu tun, für die er schon in seinem bisherigen Werk eine Vorliebe hatte: Die Periode der amerikanischen konsumkulturellen Modernisierung, zu der übrigens auch das Tamtam um die Big-Eyes-Bilder selbst zählt, lässt sich in Kalifornien besonders gut nachvollziehen. So ist dieser Film nicht zuletzt ein Fest der Ausstattung (das gemeinsame Haus von Margaret und Walter!), der Kostüme und der zeitgenössischen Moden. Dahinter verbirgt sich aber ein gewichtiges Thema, das allerdings dem komödiantischen Ton zum Opfer fällt, den vor allem Waltz anschlägt. Man könnte beinahe sagen: Er stiehlt hier – mit seiner überdeutlich nicht naiven Kunst – der melodramatisch grundierten Amy Adams genauso sehr die Show, wie Walter sie einst Margaret zu stehlen versuchte.

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