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Deutscher Filmpreis 2013 : Besser ging’s nicht

Votum für Jungs-Charme: Tom Schilling mit der Lola als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in „Oh Boy“ Bild: dpa

Es war kein großes Kinojahr. So überrascht es nicht, dass „Oh Boy“, Jan Ole Gersters schwarzweiße Taugenichts-Geschichte aus dem Berlin dieser Jahre mit sechs Lolas zum großen Gewinner des Deutschen Filmpreises wurde.

          Die Sonne hatte sich, im Gegensatz zu den Vorjahren, bereits zurückgezogen von der deutschen Filmpreisgala, und so blieb da eine dunkle Ahnung, als ich im Friedrichstadtpalast eine Platzkarte aus Plastik in Empfang nahm, auf der stand, sie sei „biologisch abbaubar“. Es war so eine Ahnung, wie sie einen überkommt, wenn es kein großes Kinojahr war; wenn ein klarer Favorit fehlt und dann so etwas wie der fatale Sog des Mittelmaßes entsteht. Mit leichtem Grauen musste ich an 2009, an die goldene Lola für „John Rabe“ denken - sollte sich diesmal Ähnliches wiederholen, mit „Hannah Arendt“ oder der „Wand“?

          Tom Schilling (l.) mit Werner Herzog, Barbara Sukowa, Michael Gwisdek und Jan Ole Gerster mit ihren Auszeichnungen
          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Für die Qualität des Angebots ist natürlich nicht die Akademie verantwortlich, der man kaum einen Film vorrechnen konnte, den sie übersehen hätte. „Was bleibt“ von Hans Christian Schmid fiele mir allenfalls ein, bei dem die Nebenrollennominierung für Ernst Stötzner definitiv zu wenig war. Und dass Jürgen Vogel, der in „Gnade“ und „Quellen des Lebens“ jeweils starke Auftritte hat, gar nicht auftaucht, ist unbegreiflich. Dem jungen Sabin Tambrea dagegen hat man keinen Gefallen getan, als man ihn für den grotesk missglückten „Ludwig II.“ nominierte.

          Dieser gewisse David-und-Goliath-Reiz

          Doch es kam dann doch nicht ganz so schlimm, weil das Schwarmverhalten der inzwischen 1400 Akademie-Mitglieder einen alternativen, wenn auch nicht gerade überraschenden Kurs einschlug, indem man Jan Ole Gersters schwarzweiße Taugenichts-Geschichte aus dem Berlin dieser Jahre mit sechs Lolas zum großen Gewinner des Abends werden ließ.

          Mit dem Preisgeld wäre sein nächster Film schon finanziert: Jan Ole Gerster, Regisseur und Drehbuchautor von „Oh Boy“

          Es war ja auch schwierig, sich mit letzter Überzeugung für den einen, den großartigen Film zu entscheiden - da ist das Votum für den Underdog und für den Jungs-Charme von Tom Schilling ein bekanntes kollektives Verhaltensmuster. „Oh Boy“ hat gerade mal 300.000 Euro gekostet; mit dem Preisgeld von 500.000 Euro ist der nächste Film praktisch schon finanziert. Und es hatte ja auch diesen gewissen David-und-Goliath-Reiz, „Oh Boy“ neben dem neun Mal nominierten „Cloud Atlas“ von Tom Tykwer (und den Wachowski-Geschwistern) zu sehen, der 100 Millionen Dollar gekostet hat und damit der teuerste Film ist, der bislang in Deutschland entstand. Dass „Cloud Atlas“ trotz neun Nominierungen am Ende nur fünf Lolas in technischen Kategorien gewann, könnte man den „Anonymous“-Effekt nennen, nach den sechs Lolas für Roland Emmerichs Film im Vorjahr.

          Vielleicht hülfe die Entkoppelung von Geld und Ehre

          Geld, und das heißt primär: Steuergeld, ist ja auch nicht erst seit Uli Hoeneß ein Thema beim Filmpreis, über das nicht so gerne gesprochen wird. Es geht dabei um Beträge, welche für die Branche groß und aus Sicht etwa der Fußballwelt ziemlich klein sind, es geht auch nur um einen Bruchteil jener mehr als dreihundert Millionen Euro, mit denen der deutsche Film von Ländern und Bund jährlich subventioniert wird. Aber mit insgesamt fast drei Millionen Euro ist der deutsche Filmpreis nun mal der höchstdotierte deutsche Kulturpreis.

          Barbara Sukowa mit der Lola als beste Hauptdarstellerin, ausgezeichnet für ihre Rolle in „Hannah Arendt“

          Was auch bedeutet: Die Branche feiert und ehrt nicht einfach nur jene, die sie für ihre Besten hält, sie betreibt dabei zugleich auch kulturelle Filmförderung. Und sie ist dabei merkwürdig desinteressiert an der Frage, ob nicht eine Entkoppelung von Geld und Ehre hilfreich sein könnte, wenn, von Ausnahmen wie „Das weiße Band“ abgesehen, meist mäßiges Konsenskino ausgezeichnet wird. Auch in diesem Jahr blieb ihr die Frage nicht erspart. Man musste aber deshalb nicht, wie das Reinheitsgebot beim Bier, erörtern, ob denn „Cloud Atlas“ auch „deutsch“ genug sei. Das Problem war ja eher, welche Substanz in der scheinbaren Vielfalt der nominierten Filme lag - kaum genug, um über das biedere Einerlei hinwegsehen zu lassen.

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