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Berlusconi : Das bin ich

  • -Aktualisiert am

Keuschheitsgelübde bis zum Wahltag? Berlusconi und Gattin Veronic Lario Bild: dpa/dpaweb

Im April wählt Italien - und Regierungschef Berlusconi startet einen mediatischen Amoklauf. Er läßt sich von seinen Angestellten befragen, plaudert über Privates - und kündigt sexuelle Abstinenz an.

          Wohl in keinem europäischen Wahlkampf hat das Fernsehen jemals eine derart prominente Rolle gespielt wie derzeit in Italien. Ministerpräsident Berlusconi, zugleich Besitzer von drei nationalen Sendern, hatte schon vor einigen Wochen eine Medienkampagne mit Auftritten auf allen Kanälen begonnen.

          Inzwischen ist seine Dauerpräsenz bereits vor dem offiziellen Wahlkampfbeginn derart notorisch, daß sogar Staatspräsident Ciampi die staatliche Medienaufsicht aufforderte, die Lage zu untersuchen. Deren Chef Corrado Calabro will nun am Mittwoch eine Verfügung an Berlusconis Sender schicken: Es gebe Verordnungen zur Unparteilichkeit der Medien, die beachtet werden müßten. Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Geldbußen oder sogar als Strafdelikt geahndet.

          Schlammschlacht zu befürchten

          Ob das helfen wird? Calabro hat selbst zugegeben, daß seine Rechtsmittel bei Privatsendern nicht recht greifen. Berlusconi ist noch am Wochenende im Gegenangriff bei seiner Zurückweisung jedweder Sanktionen derart ausfällig geworden, daß für den Wahlkampf zum nationalen Urnengang am 9. April die schlimmste Schlammschlacht zu befürchten steht. Schon der Wahltermin selbst wurde letzte Woche zu einer Frage des Fernsehmarketings.

          Angriffslustig im Wahlkampf

          Offenbar wollte Berlusconi den Wahlkampfbeginn, der in Italien mit der Parlamentsauflösung zusammenfällt, noch um ein paar Tage verschieben, um nicht an die strengen Medienregeln des „par condicio“ (der exakten Gleichberechtigung aller Parteien) gebunden zu sein. Dafür riskierte der Medienmogul einen handfesten Streit mit dem düpierten Staatspräsidenten, mit dem der Wahltermin bereits vereinbart war. Am Ende einigte man sich auf ein paar Tage Mehrarbeit fürs Parlament - und ein paar Tage mehr Medienfreiheit für Berlusconi -, blieb aber beim 9. April.

          Rührselige Familiengeschichten

          Wie sich der Ministerpräsident seinen Wahlkampf vorstellt, führte er dann in den letzten zwei Wochen mit beinahe täglicher Präsenz zur besten Sendezeit schon einmal vor. Während er in Bruno Vespas Abend-Talk des Staatsfernsehens RaiUno den jovialen Staatsmann gab, bot ein „privates“ Interview mit dem Showmaster Paolo Bonolis in Berlusconis eigenem Sender Tg5 die Gelegenheit für rührselige Familiengeschichten. Der Regierungschef erzählte, wie er mit seinen Kindern eng umschlungen in einem Bett schläft, für wie genial sogar linke Professoren seine studierende Tochter halten und wie tiefreligiös sein jüngster Sohn allzeit im Gebet versunken liegt („ein Mystiker!“). Berlusconi, der vorzugsweise Plateauschuhe trägt, wehrte sich gegen das verbreitete Gerücht, „ein Zwerg“ zu sein: „Ich bin 1,71 groß.“

          So gingen anderthalb Stunden weit jenseits der Peinlichkeitsgrenze dahin. Der Ministerpräsident scheut solche fromm-familiären Bekenntnisse, bei denen er auch tränenreiche Anekdoten seiner hochbetagten Mamma Rosa zum besten gab, wohl darum nicht, weil er sich damit menschelnden Einfluß auf die wenig literaten Hausfrauen Süditaliens verspricht.

          Devote Angestellte

          Der eigentliche Skandal, daß nämlich hier ein Politiker sich als Vorgesetzter von seinen devoten Angestellten befragen läßt, kommt in diesem pharaonischen Verständnis von Gewaltenteilung nicht vor: Das Staatsfernsehen - c'est moi. Am Wochenende bot nun die Rai folgerichtig eine gelungene Verhohnepipelung von Berlusconis Homestories: eine Parodie der greisen Mamma Rosa.

          Da saß die blondgefärbte Mutter der Nation, erzählte von ihren mühseligen Hausarbeiten, dem Sparen beim Einkaufen auf dem Markt sowie der Genialität ihres Silvio, der wegen der Unfähigkeit seiner Diener immer alles selber machen muß, sogar die Gesetze. Gipfelpunkt der Satire war eine Anspielung auf die eingepflanzte Haarpracht Berlusconis. Die Mamma habe ihn stets vor Lügen gewarnt: „Denn beim Lügen verliert man seine Haare. Aber schauen Sie nur, was für einen prächtigen Schopf er hat!“ Am Mut der Redakteure, solche Majestätsverhöhnung am Sonntag nachmittag über den Sender gehen zu lassen, ist die Überzeugung der Journalisten von einem Wahlsieg der Linken abzulesen. Mit der Hoffnung auf gute Posten nach dem 9. April riskiert man plötzlich viel.

          „Eine Desinformationskampagne“

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