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Oscar-Gewinnerinnen : Die im Licht sieht man doch

Bild: dpa

Ein Selbstläufer: Berlins Kinemathek würdigt die Schauspielerinnen, die seit 1929 den Oscar als beste Hauptdarstellerinnen gewonnen haben. Eine von ihnen errang den Preis sogar vier Mal – und erschien nie zur Gala.

          2 Min.

          Wie eine Kinoausstellung aussehen muss, glaubt man inzwischen zu wissen: Filmstills, Porträtfotos, Kostüme, Plakate, Produktionszeichnungen, Briefe von Regisseuren an Schauspieler und umgekehrt. Und ein paar Monitore mit Filmausschnitten, Preisverleihungen, Interviews. Seit in den achtziger Jahren die ersten Filmmuseen entstanden, haben sie diese Form, das Medium in seinen Überresten zu präsentieren, gepflegt. Inzwischen, scheint es, läuft die Sache wie von selbst.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Auch die Ausstellung „Best Actress“ in der Deutschen Kinemathek Berlin ist, so gesehen, ein Selbstläufer. Es geht um die Schauspielerinnen, die seit 1929 den Oscar als beste Hauptdarstellerinnen gewonnen haben - darunter manche zweimal (wie Luise Rainer, Bette Davis, Jodie Foster und Meryl Streep), einige im Duo (wie Mary Pickford und Norma Shearer, die sich die Auszeichnung im Jahr 1930 teilen mussten) und eine einzige viermal (Katharine Hepburn, die zu keiner der vier Verleihungen erschien). Die Berliner Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum in Turin entstand, klappert ihr Thema nicht chronologisch ab, wie es die Turiner Kuratoren getan haben, sondert gliedert es nach Schlagworten. In der Abteilung „Fleißig und kämpferisch“ etwa trifft man Joan Crawford als Mildred Pierce und Julia Roberts als Erin Brockovich, unter der Überschrift „Mächtig und streng“ versammeln sich unter anderem Helen Mirren als „Die Queen“ und Meryl Streep als „Eiserne Lady“. Warum allerdings die freundliche, hochschwangere County-Polizistin, die Frances McDormand in „Fargo“ verkörpert, ebenfalls in dieser Sektion untergebracht ist, während die kämpferische Jodie Foster in Jonathan Kaplans „Angeklagt“ unter der Überschrift „Schwach und verletzt“ gewürdigt wird, muss das Geheimnis der Ausstellungsmacher bleiben.

          Ansonsten gibt es zu sehen, was man bei solchen Gelegenheiten erwarten darf: Originalkostüme - darunter die rosafarbene Seidenrobe, die Luise Rainer in „Der große Ziegfeld“ anhatte, und das schwarze Bühnenkleid, das Marion Cotillard als Edith Piaf in „La vie en rose“ trug -, Fotos, Plakate, Entwürfe, Filmstills, Briefe. Dazu Fernsehclips über die Verleihungen der Academy Awards und Szenen aus den prämierten Filmen. Und eine echte Oscar-Statuette aus dem Privatbesitz von Susan Sarandon, die sie 1996 für ihre Rolle in „Dead Man Walking“ empfing.

          Einige der Kostüme, wie das Unterkleid von Elizabeth Taylor aus „Telefon Butterfield 8“ oder die Krankenschwesternkluft von Louise Fletcher aus „Einer flog übers Kuckucksnest“, haben die Kuratoren bei dem Berliner Unternehmen Theaterkunst nachschneidern lassen. Ihre Aura ist um keinen Deut geringer als die der Originale. Das Kino steckt eben doch nicht im Stoff, sondern im Licht.

          Filmausschnitte in der Ausstellung „Best Actress – Oscars. Rollen. Bilder“.
          Filmausschnitte in der Ausstellung „Best Actress – Oscars. Rollen. Bilder“. : Bild: dpa

          So weit ist alles, wie es sein muss. Es gibt an der Ausstellung als solcher nichts auszusetzen. Dennoch spürt man ein gewisses Bedauern, wenn man die Räume im ersten und zweiten Stock des Filmhauses am Potsdamer Platz wieder verlässt. In zehn, zwanzig, dreißig Jahren Ausstellungsbetrieb haben die Filmmuseen eine Routine entwickelt, die sich jetzt auszahlt. Aber sie haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch keinen Weg gefunden, um zu zeigen, was das Kino eigentlich tut: Geschichten erzählen. Selbst ihre besten Ideen kleben an der Fassade, der flachen Seite ihres Gegenstands. Sie halten die Bewegung der Filme an, statt sie fortzusetzen. Sie bebildern Bilder.

          Zwei der seltenen Ausnahmen waren die Ausstellungen der Kinemathek über Hildegard Knef und Martin Scorsese. Da konnte man etwas erfahren, was über die veröffentlichte Wahrheit der Agenturen und Pressestellen hinausging. Die Leinwand eines Lebens öffnete sich, und man trat in die Räume dahinter. Vielleicht ist das der Grund, warum einen die Schau über die Oscar-Schauspielerinnen so rasch wieder loslässt: Sie folgt nicht dem Auge des Zuschauers, sondern dem Blick der Branche auf die von ihr Gekürten. Sie gehorcht einer Logik, die nicht die Logik des Kinos ist, sondern nur die seiner Industrie. Die Filmmuseen haben keinen Grund, sich dieser Industrie anzubiedern. Sie besitzen ein eigenes Terrain. Und sie müssen es behaupten.

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