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Berliner Zeitung : Ein Investor gibt auf

Ein Verlag auf der Kippe Bild: dpa/dpaweb

Überraschende Wendung im Übernahmekampf um den Berliner Verlag: Die Investmentgruppe 3i hat das Triumvirat der Bieter verlassen, weil „die beteiligten Parteien kein Einvernehmen über die Konditionen der Übernahme erzielen“ konnten.

          Die Übernahmeverhandlungen um den Berliner Verlag haben eine überraschende Wendung genommen: Die Investmentgruppe 3i hat nämlich das Triumvirat der Bieter verlassen. „Die beteiligten Parteien konnten kein Einvernehmen über die Konditionen der Übernahme erzielen“, teilte 3i am späten Freitag nachmittag mit.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Jetzt verhandeln nur noch der Mecom-Chef David Montgomery und die amerikanische Investmentfirma Veronis Suhler Stevenson mit Holtzbrinck über den Berliner Verlag, das allerdings mit Hochdruck.

          Ein Abschluß sei für den Beginn der nächsten Woche durchaus zu erwarten, hieß es aus Verhandlungskreisen. Daß es bereits am Montag soweit sei, wurde nicht bestätigt. Jetzt wollen Montgomery und VSS den Berliner Verlag alleine kaufen, die Amerikaner wollen angeblich den bisherigen Anteil von 3i übernehmen, was bedeutete, daß sie die große Mehrheit hielten, von Montgomery heißt es, daß er bei Abschluß des Deals zehn bis fünfzehn Prozent der Anteile halten wolle.

          Ernstes Zerwürfnis

          Der Ausstieg von 3i zeichnete sich in dieser Woche hinter den Kulissen immer deutlicher ab. Zu einem ernsten Zerwürfnis war es bereits am vergangenen Wochenende gekommen. Während David Montgomery und der Deutschland-Chef von Veronis Suhler Stevenson, Johannes von Bismarck, in die Offensive gingen und die zunehmende Kritik an ihrem Auftauchen konterten, blieb es bei 3i erstaunlich still. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag soll es dann zu einem Eklat zwischen David Montgomery und dem Deutschland-Chef von 3i, Stephan Krümmer, gekommen sein. Der Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner bekannte sich derweil deutlich zu den im Augenblick exklusiv geführten Verhandlungen mit den Investoren. Erst wenn diese Gespräche scheiterten, könnte jemand anderes zum Zug kommen.

          Dieser jemand möchte der Verleger Alfred Neven DuMont sein. Er hat am Donnerstag ganz offiziell bei Holtzbrinck ein Angebot für den Berliner Verlag abgegeben. Daß dieses bei rund 175 Millionen Euro liegen soll, wird von dem Kölner Verlag nicht dementiert. Holtzbrinck habe den Eingang des Angebotes bestätigt, sagte der DuMont-Sprecher Heinz Kiegeland. Er fügte hinzu, daß man im Fall des Falles auch bereit sei, „das Angebot zu modfizieren“, sprich, den Preis zu erhöhen. Mit den 175 Millionen Euro, so rechnet man offenbar in Köln, liege man um fünfzehn bis 25 Millionen über dem mutmaßlichen Gebot der Finanzinvestoren. Aus Verhandlungskreisen ist jedoch zu hören, daß die 175 Millionen Euro von DuMont nicht unbedingt über dem liegen müssen, was die Investoren zu zahlen bereit sind. Den Nutzen von diesem Bietgefecht - auch wenn es nur von außen und zunächst nur über die Presse geführt wird - habe allein Holtzbrinck, heißt es aus Verhandlungskreisen. Müsse der Berliner Verlag doch den Betrag, der für ihn gezahlt wird, erst im Sinne der Neueigentümer verdienen.

          Im Juni kamen nur die Investoren

          Der DuMont-Sprecher Kiegeland weist derweil darauf hin, daß man das Interesse am Berliner Verlag bereits vor Monaten signalisiert habe, der Verleger DuMont habe mit Dieter von Holtzbrinck darüber gesprochen, die Geschäftsführung des Stuttgarter Verlagshauses - also Michael Grabner und Stephan von Holtzbrinck - habe ebenfalls davon gewußt. Der Geschäftsführer Grabner hatte - zuletzt bei einer Betriebsversammlung im Berliner Verlag Anfang dieser Woche - gesagt, daß im Juni, als ein offizielles Angebot nötig gewesen sei, niemand anderes als die Investoren mit einem schriftlichen Angebot bei Holtzbrinck vorstellig wurden.

          DuMont habe ein hohes Interesse daran, den Berliner Verlag qualitativ weiterzuentwickeln, heißt es aus Köln. „Wir sind keine Renditejäger, sondern machen Qualitätszeitungen“, sagte der Sprecher Kiegeland.

          Ob der Auftritt eines „weißen Ritters“, wie ihn DuMont darstellt, jedoch noch verfängt, ist fraglich. Die alleinige Verhandlungsoption von Mecom und VSS läuft nämlich noch einige Tage; daß 3i ausgestiegen ist, scheint die beiden Partner nicht in ihrem Willen erschüttert zu haben, den Berliner Verlag zu übernehmen - komme an öffentlichem Protest, was da wolle.

          Demonstranten auf der Messe

          Dieser hatte sich zuletzt am Donnerstag auf dem Buchmesseempfang des S. Fischer-Verlags - der zu Holtzbrinck gehört - in Frankfurt gezeigt, auf dem die Gäste nicht nur von Hostessen mit Weingläsern empfangen wurden, sondern auch von Demonstranten. Sie hielten Plakate in die Luft, die ein Verbotsschild für Heuschrecken zeigten, und verteilten Flugblätter, auf denen vor ebensolchen Insekten in Menschengestalt gewarnt wurde. Eine Handvoll Mitarbeiter des Berliner Verlages war angereist, um gegen den drohenden Verkauf ihres Verlages an eine Private-Equity-Firma zu protestieren.

          Auf dem Flugblatt waren verschiedene Forderungen formuliert: Vor allem wolle man erreichen, daß der Verlag an einen Verleger verkauft werde und nicht an ein branchenfremdes Unternehmen, hieß es unter anderem. „Wir wollen die Holtzbrincks hier auf unsere Situation aufmerksam machen“, begründete ein Mitglied des Betriebsrates die Demonstration. Eine Unterschriftenliste versammelte die Stimmen derjenigen, die sich gegen den Verkauf des Berliner Verlags aussprechen.

          Ob des Ausstieg von 3i aus dem Bietergefecht nun der Anfang vom Ende der Investoren und die Chance für DuMont oder nur ein internes Zerwürfnis sei, darüber gingen die Spekulationen am Freitag abend auseinander.

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