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Berlinale-Wettbewerb : Fast hätte der Bastler Geschichte geschrieben

Christian Friedel als Georg Elser Bild: dpa

Oliver Hirschbiegel zeigt in seinem Wettbewerbs-Beitrag auf der Berlinale das Leben des gescheiterten Hitler-Attentäters und genialen Bastlers Georg Elser. Doch wer von den beiden bastelt mehr?

          2 Min.

          Deutsche Filme stehen auf der Berlinale unter verschärfter Beobachtung, weshalb ein Auftritt im Wettbewerb immer ein zweischneidiges Schwert ist, einerseits Bühne, andererseits Pranger. In diesem Jahr sieht es für die heimischen Beiträge aber gut aus, was sich auch in den Kritikerlisten der Zeitungen und Branchenmagazine niederschlägt: Richtig mies werden Sebastian Schippers „Victoria“ und Andreas Dresens „Als wir träumten“ nirgendwo bewertet, auch wenn sie kaum als Favoriten für den Goldenen Bären gelten.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Oliver Hirschbiegels „Elser“, der dritte deutsche Beitrag im offiziellen Programm, kann schon deshalb keinen Preis gewinnen, weil er außer Konkurrenz gezeigt wird. Warum das so ist, werden die Produzenten des Films am besten wissen; am Drehbuch kann es jedenfalls nicht liegen, denn Fred Breinersdorfer, der Autor, hat der Geschichte denselben Drall gegeben, mit dem vor zehn Jahren Marc Rothemunds „Sophie Scholl“ (dessen Drehbuch ebenfalls von Breinersdorfer stammte) in Berlin großen Eindruck machte. Man sieht also die Tat – den Bombenanschlag auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller am 8.November 1939 –, dann Elsers Festnahme, das erste Verhör durch Arthur Nebe, den Chef der Reichskriminalpolizei. Und aus dem Leidensweg, den der Gefangene durchläuft, lässt der Film die Stationen von Elsers Leben aufsteigen, seine Arbeit als Uhrenschreiner in Konstanz, seine Liebe zu einer verheirateten Frau im schwäbischen Königsbronn, sein Engagement für die verfolgten Kommunisten.

          Berlinale-Premiere : „Elser“: Film über Hitler-Attentäter vorgestellt

          Vor einem Vierteljahrhundert, als Klaus Maria Brandauer den ersten Spielfilm über den Attentäter vom Bürgerbräukeller drehte, war Georg Elser in Deutschland fast unbekannt. Inzwischen gehört er zur Ahnengalerie des Widerstands gegen die Nazis, es gibt Straßen und Plätze, die nach ihm benannt sind, und Denkmäler in München und Berlin. Das macht es für einen Regisseur, der von Elser erzählen will, zugleich einfacher und schwieriger, denn einerseits muss man den Stoff niemandem erklären, andererseits ist der Spielraum für Fiktionen stark eingeschränkt.

          Oliver Hirschbiegel versucht, sich in dieser Lage einzurichten, indem er allen alles recht macht, dem Massenpublikum ebenso wie den Historikern, und genau darum bekommen weder sein Held noch der Film klare Konturen. Elser (Christian Friedel) ist ein Hallodri und Frauenschwarm, aber auch ein Grübler und genialer Bastler, die schwäbische Provinz eine Brutstätte des Nazitums, aber auch ein Hort der Freundestreue, und Burghart Klaußners Nebe der letzte Mensch unter braunen Schergen. So macht sich der Film kleiner, als er sein müsste, denn er zeigt ja tatsächlich einen Menschen, der für seine Überzeugung alles riskiert. Etwas von diesem Todesmut hätte Hirschbiegel gebraucht. Aber er bastelt nur.

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