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Berlinale-Interview : „Da fängt die kinematographische Intelligenz an“

  • Aktualisiert am

„Schreiben ohne Schere” - Drehbuchautor Fred Breinersdorfer Bild: Christian Thiel

Drei deutsche Filme laufen im Berlinale-Wettbewerb: Die Regisseure Hannes Stöhr und Christian Petzold und der Autor Fred Breinersdorfer über Filmkunst, Kompromisse und die traurigen Blüten des Subventionsgeschäfts.

          9 Min.

          Drei deutsche Filme laufen im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale: Die Regisseure Hannes Stöhr („One Day in Europe“) und Christian Petzold („Gespenster“) und der Autor Fred Breinersdorfer („Sophie Scholl“) im Gespräch.

          Herr Breinersdorfer, "Sophie Scholl" ist der erste Kinofilm unter Ihren zahllosen Arbeiten als Autor. Was haben Sie über das Kino gelernt bei diesem Film, nach all den Fernseharbeiten?

          Fred Breinersdorfer: Mit dem Regisseur Marc Rothemund und unserer gemeinsamen Firma Broth Film habe ich den Film ja auch mitproduziert, weil wir in der Gesamtverantwortung sein wollten. Ich habe dabei begonnen zu lernen, wie man einen Kinofilm macht. Ich glaube sowieso, in der gegenwärtigen Situation ist Kino spannender als Fernsehen.

          „Die interessanten Filme hatten nie viel Geld” - Regisseur Christian Petzold

          Was heißt das genau: "in der gegenwärtigen Situation"?

          Breinersdorfer: Wenn es um schwierige Filmstoffe geht. Mit einem so politischen Thema wie Sophie Scholl haben Sie im Fernsehen bei den Privaten überhaupt keine Chance, auch wenn es emotional erzählt ist, allenfalls bei ARD und ZDF in ganz engen Fenstern. Ein klassisches Refugium ist der "Tatort". Da können Sie mal ein paar brisante Themen anpacken, aber sonst ist es schwierig.

          Sehen Sie das auch so, Christian Petzold? Sie haben ja sowohl fürs Fernsehen als auch fürs Kino produziert, wenn man das überhaupt trennen kann.

          Christian Petzold: Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, daß sie bei den Sendern und Produktionsfirmen so Kalender haben mit den historischen Events wie Auschwitz, 17. Juni, 60. Jahrestag von diesem, 50. Jahrestag von jenem. Und da wird dann ein Projekt geplant, ein Event-Projekt, und das Geld dafür gesammelt, weil man weiß, zu diesem Jubiläumsjahr gibt es dann auch einen Sendeplatz.

          Hannes Stöhr: Ich habe zwar erst drei Filme gemacht, aber für mich galt immer: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Bei der Finanzierung von "Berlin is in Germany" habe ich oft die Frage gehört: Ja, Herr Stöhr, das interessiert Sie, weil Sie aus dem Osten sind - aber sonst interessiert das niemand. Dann habe ich erst mal gesagt: "Ich komme gar nicht aus dem Osten." Wenn man dann mal die erste Hürde genommen hat, müssen die Detailfragen geklärt werden. Dann fangen die Probleme erst an. Der Teufel steckt immer im Detail. Bei "One Day in Europe" war ich auch drei Jahre mit dem Buch unterwegs.

          War es schwieriger, weil Sie in vier Ländern drehen wollten?

          Stöhr: Diese Vierländergeschichte hat natürlich auch Vorteile. Der Film ist eine deutsch-spanische Koproduktion, mit Beteiligung von Eurimage. Natürlich birgt der Plot Schwierigkeiten, weil man auf die Reise geht nach Moskau, nach Istanbul, nach Spanien, dann muß man mindestens drei oder vier Drehbuchvarianten parat haben, falls etwas schiefgeht.

          Das heißt, Sie haben die Story in gewissem Maße auch den Förderungsstrukturen angepaßt?

          Stöhr: Papier ist geduldig, deshalb war klar, das Buch muß einfach sein. Wir haben es nicht so sehr der Förderung angepaßt, sondern in dem Wissen geschrieben, soviel Geld werden wir mehr oder weniger haben. Lieber was Einfaches drehen als gar nichts.

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