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Berlinale : Alter Meister: Altmans „Prairie Home Companion“

Meryl Streep im Duett mit Lindsay Lohan Bild: Berlinale

Robert Altmans Beitrag im Berlinale-Wettbewerb demonstriert ungeheure Souveränität im Einsatz seiner Mittel, eine spürbare Spielfreude aller Beteiligten und viel Stil - auch da, wo es einigermaßen deftig zugeht.

          Es ist ungewöhnlich, daß sich ein Regisseur von der Statur Robert Altmans am Ende seiner Laufbahn, das darf man bei einem über Achtzigjährigen vielleicht sagen, noch einmal dem Wettbewerb in einem Festival stellt.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Warum sollte er? Er braucht keine Preise mehr; möglicherweise keinen Preis zu gewinnen, das braucht er schon gar nicht. Jeder kennt ihn, in Europa hat er viele Verehrer, seine Filme werden in Retrospektiven gezeigt, und in wenigen Wochen bekommt er auch noch einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Aber sein neuer Film „Prairie Home Companion“ läuft nicht außer, sondern in der Konkurrenz um die Bären (in der er angesichts des bisher gezeigten sonstigen Programms wohl kaum leer ausgehen dürfte), und vielleicht zeigt das, daß Altman entschlossen ist, auf altmeisterliche Attitüden zu verzichten.

          Ungeheure Souveränität

          Tatsächlich hat dieser Film vieles, was man sich von einem späten Film eines verehrten Filmemachers erhofft, vor allem: eine ungeheure Souveränität im Einsatz seiner Mittel, eine freischwebende Lockerheit im Umgang mit seinem Stoff, eine spürbare Spielfreude aller Beteiligten und neben einer zarten Milde bei alldem soviel Stil, anders als so altmodisch läßt es sich nicht sagen, wie er selten geworden ist im Kino. Auch da, wo es einigermaßen deftig zugeht.

          Der Film beginnt mit einer Andeutung dieser langen Altman-Eingangssequenzen, einer sanften Fahrt auf einen klassischen Diner zu, in dem ein Mann gerade seinen Käsetoast verspeist hat. Der Mann ist Kevin Kline in der Rolle des Privatdetektivs Guy Noir, der uns die Geschichte erzählt - eine Geschichte, die aussieht, als sei sie dreißig, vierzig Jahre alt, ungefähr so alt wie die Live-Radioshow, von der sie erzählt. Der Ort ist St.Paul in Minnesota, deshalb steht im Theater, von wo aus die Radioshow mit Publikum ausgestrahlt wird, eine Büste von Scott Fitzgerald, der hier geboren wurde.

          Der Detektiv und ein blonder Engel in weißem Trenchcoat sind Genrefiguren, der Moderator der Sendung hat ein reales Vorbild wie die Sendung auch, und es geht zwischen Musikeinlagen unterschiedlicher Country-Formationen, fiktiven Werbespots und merkwürdigen Ereignissen hinter der Bühne ohne weitere Dringlichkeit hin und her. Altman hat natürlich schon bessere Filme gemacht, „Nashville“ zum Beispiel, aber auch schon deutlich uninteressantere. Vielleicht ist er ein bißchen melancholischer geworden, aber ansonsten offenbar noch nicht bereit für ein Alterswerk, wenn Alterswerk denn bedeutet: zu zehren von besseren Zeiten.

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